5.9.10 - 450 Meilen von Fiji nach Vanuatu
Seit Tagen ist die Wettervorhersage günstig für die Abfahrt am 1. September. Südostwind mit gut zehn Knoten soll später zunehmen auf zwanzig Knoten. Aus unseren eigenen Quellen lesen wir etwas stärkeren Wind mehr aus Süden ab, hoffen aber doch, dass der Wetterfrosch am Funk recht hat. Wir freuen uns auf eine ruhige Überfahrt und gehen gut gelaunt durch den aufgewühlten Riffpass nahe der zauberhaften Hotelinsel Namotu. Zu früh gefreut! Wellenberge von mehr als drei Metern klatschen gegen die Backbordwand und auch ins Cockpit. Der Wind aus SSE legt zu bis über 25 Knoten, was bei unserem Kurs von 256 Grad einer kostenlosen Fahrt mit der Hochschaubahn gleichkommt. Nach langer Zeit am Boot auf teilweise sehr unruhigen Ankerplätzen werden wir das schon aushalten, sind wir überzeugt. Lois übernimmt zu Mittag den Küchendienst, dünstet Gemüse und Couscous, damit wir bei Kräften bleiben. Ich passe höllisch auf, bewege mich nur an der frischen Luft oder schlafe auf der Salonbank und trotzdem erwischt es mich wieder. Bis zum nächsten Morgen weigert sich mein Magen, irgendetwas zu behalten und auch Lois macht keinen besonders fröhlichen Eindruck. Das Gute an solchen ermüdenden Stunden ist, dass wir es umso mehr genießen, wenn sich langsam die Wogen glätten und der Wind nachlässt. Bei meiner Nachtwache am dritten Tag zeigt das Log eine runde Zahl. 20.000 Seemeilen haben wir auf Felix zurückgelegt, seit wir 2006 im slowenischen Izola den Steuerbordmotor getauscht haben. Hochs und Tiefs haben wir in diesen vier Jahren einige durchlebt. Doch die positiven und erfreulichen Eindrücke überwiegen und bleiben länger in Erinnerung. Am Freitag Vormittag machen wir bei schwachem ESE-Wind fast keine Fahrt mehr. Kaum haben wir Groß und Genua geborgen und den Spinnaker gesetzt, frischt der Wind wieder auf. Wenigstens gelüftet haben wir das Segel wieder mal. Ich hänge mich in das Bergeseil, runter damit und weggepackt. Stattdessen bläst sich bald darauf unser Parasailor über dem Bug auf und bringt uns bei flotter Fahrt bis ans Ziel. Zum Abschluss beißt noch ein 9-kg Wahoo, den wir mit vereinten Kräften an Bord hieven. Die Insel Tanna im Süden von Vanuatu liegt am Samstag Mittag mit ihrem qualmenden Vulkan vor uns. Gerade noch rechtzeitig korrigieren wir einen falschen Wegpunkt, der uns über eine Untiefe geführt hätte, und gehen in der weiten Bucht von Port Resolution vor Anker, umgeben von dichtem Grün, üppig bewaldeten Bergen und Vogelgezwitscher. Tom und sein Freund rudern in urigen Auslegerkanus, aus dem Stamm von Brotfrucht- und Mangobäumen, zu uns heraus. Das ist unser erster Kontakt mit den "freundlichen Eingeborenen", die vor nicht mehr als fünfzig Jahren unliebsame Besucher noch verspeist haben. Morgen sollen wir ins Dorf zum Essen kommen... 
13.09.10 - Tanna, Vanuatu
Wir sind wie betäubt von den Ereignissen und Eindrücken der vergangenen Woche. In Vanuatu herrschen noch sehr naturverbundene Sitten, doch anstatt uns wie früher in den Kochtopf zu werfen, freuen sich die Bewohner über jeden Segler, der hier vor Anker geht. Am ersten Sonntag im September wird Vatertag gefeiert. Auch wir sind zu diesem Fest eingeladen. Nach Toms Anweisungen packe ich gebratenen Fisch und Geschenke ein, bevor wir zum kleinen Dorf aufbrechen. Lois muss sich in die Reihe der Väter stellen, die nach einer würdigen Ansprache mit Blumenkränzen, Federn, bunten Tüchern und weißem Pulver dekoriert werden. Anschließend stärkt sich die Dorfgemeinschaft mit gebratenem Schwein, Huhn, dem traditionellen Laplap und allerlei Wurzeln und Knollen. Die Segler lassen sich auf einer eigenen Matte nieder und werden mit hübsch angerichtete Platten bewirtet. Toms Schwester Martha verscheucht mit einem Blütenzweig die lästigen Fliegen, während wir kräftig zugreifen. Rundherum die einfachen Hütten, fremdartige Gesichter in einer unbekannten Welt - die Situation wirkt unecht wie im Film. Wir mustern uns gegenseitig, lächeln, grüßen und führen einfache Gespräche. Neben dem landesüblichen Bislama, das in Vanuatu zur Verständigung zwischen den vielen Stämmen und Dörfern mit hunderten unterschiedlichen Sprachen eingeführt wurde, wird in den Schulen Englisch und Französisch unterrichtet. Ich beobachte die Frauen in ihren farbenfrohen Gewändern mit den Babies im Arm und die fröhliche Kinderschar, die zur Musik aus dem modernen DVD-Player rhythmische Tänze probiert. Gegen halb sechs Uhr machen wir uns auf den Heimweg. Es wird Dunkel im Dorf. Strom gibt es nur für die Musikanlage, vorausgesetzt die Segler bringen Benzin und Öl für den kleinen Generator mit. Stanley kümmert sich um die Yachties in der Bucht von Port Resolution und begleitet uns am Montag nach Lenakel. Vier Boote sind am Wochenende angekommen und müssen erst in Vanuatu einklarieren. "Nehmt einen Polster mit", rät uns Ian vom Katamaran Moasi. Mit den anderen Seglern und mehreren Einheimischen fahren wir auf der Ladefläche eines Pickups zwei Stunden über die ausgewaschene "Mainroad" zur Westseite von Tanna. Die üppig grüne Landschaft, die Lavawüste am Fuße des Vulkans und die versteckten Dörfer mit winkenden Kindern sind beeindruckend, aber die Bandscheiben ächzen. In der Stadt halten wir zuerst bei der Bank und wechseln Bares in örtliche Vatus um. Kreditkarten werden nicht angenommen. Bei den Behörden von Customs, Immigration und Quarantäne geht es recht locker zu. Was wir in die endlosen Formulare reinschreiben, ist nicht so wichtig, solange wir die ganz beachtlichen Gebühren bezahlen. Da die Regierung kaum Steuern einnimmt, sehen wir das als unseren Beitrag für die Bevölkerung. Die Hauptattraktion in Tanna ist der Mt. Yasur. Wo sonst kann man hautnah einen aktiven Vulkan erleben? Nach dem Aufstieg durch graues Geröll nähern wir uns vorsichtig dem Kraterrand. Aus der Tiefe steigt Qualm auf und Staub kratzt in den Augen. Wir möchten uns gerade in Position bringen fürs Erinnerungsfoto, als mich ein lauter Knall zur Seite springen lässt. Glühende Lava wird hochgeschleudert und Schwefelgestank liegt in der Luft. Bin ich hier richtig? Langsam gewöhnen wir uns an das unheimliche Getöse und wagen uns wieder näher an den Abgrund. Die Erde schickt Grüße aus dem Inneren und wir dürfen das miterleben - ohne Absperrung oder Sicherheitshinweise! Nach Sonnenuntergang wird das Spektakel noch beeindruckender. Auf dunkles Grollen folgt immer wieder ein lauter Knall, worauf ein sprühender Funkenregen den Berg in roten Schein hüllt. Yasur ist heute recht aktiv. Aufmerksam beobachten wir die Flugbahn der glühenden Lavabrocken. Damit ist nicht zu spaßen. Trotz Taschentuch vor Mund und Nase knirscht der Staub schon zwischen den Zähnen und der Schwefeldampf soll auch nicht wirklich gesund sein. Es wird Zeit, uns von dem faszinierenden Schauspiel loszureißen. Das Ritual der Beschneidung ist ein wichtiges Ereignis im Leben eines jungen Mannes. Aus traditionellen und hygienischen Gründen wird daran festgehalten, obwohl der Eingriff sehr schmerzvoll ist. Danach verstecken sich die Buben mehrere Wochen im Busch und dürfen nur von ihren Vätern oder männlichen Verwandten betreut werden. Wenn sie wieder ins Dorf zurückkehren, wird ein großes Fest gefeiert. Frühmorgens fahren wir in den Nachbarort zum "Circumcision Festival". Dabei wird uns deutlich bewusst, wie weit wir hier von heimischen Traditionen und Lebensformen entfernt sind. Von den umliegenden Dörfern marschieren Frauen und Kinder mit buntbemalten Gesichtern, bekleidet mit kunstvoll gefärbten Pandanusröcken und bunten Tüchern über der Brust, durch den Busch. Muskulöse Männer mit nacktem Oberkörper und Baumwolltuch um den Hüften errichten am Versammlungsplatz zwei riesige Haufen aus Yamswurzeln, Schweinekeulen, Bananenblättern, Tüchern, gewebten Matten und Körben. Mitten in die versammelte Menge werden drei jämmerlich quiekende Schweine, festgebunden an einer Stange, hereingetragen. Eines davon wird mit einem Holzstock erschlagen, bis das Blut aus dem Maul läuft, die anderen liegen zappelnd daneben. Danach ziehen die kräftigen Männer noch ein Rind auf den Platz, das sie soeben geschlachtet haben. Der Anblick der Tiere gibt dem bunten Fest eine makabre Note. Begleitet von wohlklingenden Tönen aus dem Tritonshorn ziehen bald darauf sechs Buben am Platz ein. Die Mütter und Großmütter stimmen ein jämmerliches Gezeter an vor Freude, weil sie endliche ihre Kinder wieder sehen. Alle Männer, Frauen und Kinder beginnen bei lautem Gesang einen wilden, mitreißenden Tanz. Die staunenden Zuschauer fangen das Fest mit der Kamera ein, werden weiter aber kaum noch beachtet. Bei unseren Spaziergängen zum kleinen Dorf, zum "Main Village" und über blütengesäumte Wege zum weißen Sandstrand plaudern wir mit vielen netten Menschen. Wir möchten sehen, wie sie wohnen und wie ihr Leben abläuft. Innerhalb der großen Familien und der Dorfgemeinschaft ist für Alt und Jung gesorgt, wenn auch manche Probleme nicht zu leugnen sind. Ich versuche nachzufragen, bekomme aber selten eine für uns verständliche Antwort. Das Klima ist angenehm warm, Gemüse und Obst wächst reichlich und an Festtagen wird ein Huhn oder Schwein geschlachtet. Allerdings gibt es kaum eine Möglichkeit, Geld zu verdienen. Vom spärlichen Tourismus profitieren nur wenige und was an Gemüse und Handarbeiten in der Stadt verkauft wird, bringt auch nicht sehr viel. Darum sind wir Segler gern gesehene Gäste. Ich fülle meinen Rucksack mit alltäglichen Dingen wie Waschmittel, Seife, Milchpulver und T-Shirts, einem Kontaktkleber für den freundlichen alten Mann und Parfum und Nagellack für unsere Freundin Martha. Lois bastelt stundenlang an einer kaputten Solarlampe und bringt sie wirklich wieder zum Leuchten, wofür ihm Patrick unheimlich dankbar ist. Nach dem Prinzip des Tauschhandels werden wir mit wohlschmeckenden Vitaminen versorgt und mit herrlichen Papayas überhäuft. 
26.09.10 - Dugong und Schildkröten auf Epi
Bald wachsen uns Schwimmhäute. Stundenlang schnorcheln wir kreuz und quer durch die Lamen Bay im Nordwesten der Insel Epi. Der Sandboden ist mit kurzem Seegras bewachsen. Einsam schwimmt ein Riesendrücker durch die Bucht und flüchtet vor uns. Ein Stachelrochen liegt gut getarnt in einer Grube und tolpatschige Kugelfische inspizieren unsere Ankerkette. Immer wieder entdecken wir Schildkröten, die in aller Ruhe am Grund nach Futter suchen und dazwischen kurz an die Oberfläche schwimmen um zu atmen. Hier in der Lamen Bay stehen sie unter Naturschutz und werden daher nicht im Suppentopf landen. Rund um Korallenblöcke tummeln sich zahlreiche bunte Fische und Clownfische beobachten uns aus der schützenden Anemone. Das ist ja alles ganz schön und gut, aber der Hauptdarsteller zeigt sich nicht. Jetzt sind wir schon drei Tage hier und haben das eigenartige Tier, das auf Bislama "Cow fis" heißt, immer noch nicht gefunden. Auch auf den Nachbarbooten wird angestrengt Ausschau gehalten. Der Kapitän von "Szel" bläst ins Nebelhorn. Er hat in der Mitte der Bucht einen grauen Rücken erspäht. Lois hat kaum seinen Kaffee ausgetrunken, schon springt er ins Wasser. Wie magnetisch angezogen strampeln alle Schnorchler auf den angezeigten Punkt zu. "Wo ist er?" Lange Gesichter, wieder nichts. "Da! Bei der Boje!" Ich gebe Vollgas, schaue rundherum und bemerke plötzlich einen Schatten, einen plumpen Körper, eine breite Schwanzflosse...den Dugong! Kurz nehme ich den Schnorchel aus dem Mund, ich rufe und zeige den anderen die Richtung an, stecke aber gleich wieder den Kopf unter Wasser, um den sonderbaren Maeeresbewohner nicht aus den Augen zu verlieren. Der Dugong lässt sich am Boden nieder und wühlt mit seinem schlabbrigen Maul den Sand um. Er wirbelt eine dicke Staubwolke auf und zeigt sich von unserer Anwesenheit relativ unbeeindruckt. Wir tauchen zu ihm hinunter und lassen die Kamera klicken. Schön ist der Koloss nicht wirklich aber trotzdem faszinierend. Der "Kuhfisch" unterbricht seine Mahlzeit, schwimmt gemächlich nach oben, gefolgt von hektisch strampelnden Menschlein, holt Luft und taucht wieder ab. Mehrere Schiffshalter haben sich als seine Begleiter an dem unförmigen Körper festgesaugt. Lange beobachten wir das seltene Schauspiel, bis schließlich einer nach dem anderen zufrieden zu seinem Boot zurückkehrt. Der Dugong schlägt sich weiter wie ein riesiger Staubsauger den Bauch voll und wird sich über Nacht zur vorgelagerten kleinen Insel Lamen zurückziehen. 
10.10.10 - Malekula, Vanuatu
Wie ein Ypsilon verteilen sich die 83 Inseln von Vanuatu zwischen dem 13. und dem 22. Breitengrad im Südpazifik. Wir biegen zum westlichen Arm des tropischen Landes ab, das erst seit 1980 eine selbständige Republik ist und zuvor von England und Frankreich gemeinsam regiert wurde. Kaum 200.000 Menschen leben in dieser für uns paradiesischen Umgebung mit üppig grünem Busch, weißen oder schwarzen Sandstränden und glasklarem Wasser. Im Südosten von Malekula finden wir einen zauberhaften Ankerplatz vor einer kleinen Insel, auf der sich nur zeitweise jemand aufhält, um Kokosnüsse zu ernten. Von den größeren Inseln der Maskelynes rudern und segeln die Einheimischen täglich zu ihren Gärten auf die Hauptinsel und versorgen uns am Nachmittag mit frischen Früchten. Dabei ergeben sich nette Gespräche, in denen auch Schattenseiten der Unabhängigkeit zu Tage treten. Es mangelt am Geld und sowohl im Gesundheitswesen, wie auch im Schulsystem oder bei wirtschaftlichen Projekten erwartet die Bevölkerung mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit, dass ihnen ausländische Sponsoren unter die Arme greifen. John erzählt von einem Australier, der auf Uliveo eine Halle gebaut und darin Wassertanks aus GFK hergestellt hat. Leider ist der Mann im Vorjahr gestorben und mit ihm auch das Projekt. Einen Nachfolger zu finden ist schwierig. Das Unternehmen hat einige Arbeitsplätze geschaffen, aber kaum Profit abgeworfen, obwohl die Regenwassertanks dringend gebraucht würden. Um sie bezahlen zu können, ist aber wieder ausländische Hilfe nötig. Voll Zuversicht, dass wir jemanden für diese Aufgabe finden, gibt uns John seine Adresse: JOHN ENIS, MASKELYNE ISLAND, SOUTH MALEKULA, VANUATU TEL: 7790270 Nach einer Woche setzen wir den Parasailor und gleiten entlang der Küste nach Wala im Nordosten von Malekula. Noch bevor wir richtig geankert haben, kommt Henson im Kanu angerudert und bietet sich als Guide auf dieser geschichtsträchtigen Insel an. "Immer langsam guter Freund, lass uns erst einmal ankommen!" Schon taucht der nächste Kopf hinter der Reling auf. Charly hat ein Problem mit seinem Generator. Lois soll sich das anschauen, aber nicht morgen, heute noch, sonst kann unser Freund am Abend nicht Musik hören und DVD´s anschauen. Das kann ja heiter werden. Eigentlich sind wir hergekommen, weil wir in der Hauptstadt Port Vila von einem dreitägigen Festival erfahren haben, angeblich eine gute Gelegenheit, die Kultur der Kleinen Nambas zu erleben. Am Montag früh marschieren wir am Mainland zu einem kleinen Dorf im Busch. Die Vorbereitungen zum Festival sind im Gange. Freundlich werden wir von Chief Steven und seinem Sohn Flavio begrüßt. Noch sind wir die einzigen Gäste. Wir lassen uns vor einer Hütte nieder, wo die Frauen an ihren traditionellen Röcken aus Pandanusblättern arbeiten. Mit den Crews von zwei französischen Booten, einem Holländer und den Backpackern Renate und Franz aus Hagenberg bei Linz erhöht sich die Zahl der Zuschauer später auf dreizehn und auch mehrere Freunde aus benachbarten Dörfern treffen ein. Flavio hat als Koch in einem Hotel in Port Vila gearbeitet. Nach einigen frustrierenden Jahren geht er wieder in sein Dorf zurück. Er beschließt, alte Bräuche, Tänze und Fertigkeiten seines Volkes der heimischen Jugend und auch den zahlenden Touristen näher zu bringen. Zum ersten mal veranstaltet er heuer dieses Festival und hofft auf größeres Publikum im nächsten Jahr (Termin: 10. September 2011) Wir empfinden es als Vorteil, dass der Ablauf des Festes nicht überperfekt ist. Das Drumherum ist genauso interessant, wie die ausdrucksstarken Tänze der Kleinen Nambas und die Darbietungen der jungen und älteren Südseeschönheiten in ihren topless Kostümen. Die gut gebauten Männer sind bekleidet mit einer Penishülle aus Bananenblättern, die an einem breiten Rindengürtel befestigt ist. Wieder einmal wird uns ein Dorf mit seinen gastfreundlichen Menschen nach mehreren Tagen so vertraut, dass wir gerne länger bleiben würden. Sogar das Buschklo, eine winzige Hütte mit einem Bambussitz über einer Grube, hat seinen Schrecken verloren. 
17.10.10 - 1000 Meilen nach Australien, Tag 4
Auf diese Überfahrt haben wir uns gut vorbereitet und bereits am Abend vor der Abfahrt begonnen, Stutgeron gegen Seekrankheit zu schlucken. Das Korallenmeer begrüßt uns mit zwei bis drei Meter hohen Wellen, die uns aber beiden nichts anhaben können und Felix schwingt elegant darüber hinweg. Den strahlenden Sonnenaufgang heute habe ich verschlafen. Meine Wache beginnt erst um sieben Uhr. Eine Hand voll kaltes Wasser ins Gesicht, Zähne putzen, kurz räuspern und schon checke ich bei Winfried über Kurzwelle auf 10090 ein. Täglich bringt unser Freund aus Deutschland in der Wetterrunde die Vorhersage für den südlichen Pazifik und individuell für jeden Segler, der sich auf dieser Frequenz meldet. Wir steuern auf eine Front zu mit relativ schwachen, aber umlaufenden Winden. Im Westen ziehen Wolken auf und mit ihnen bald die ersten Regentropfen. Ein Zwischenstopp im Chesterfield Riff würde nichts bringen, weil das unstabile Wetter genau über diesem Gebiet hängt. Bis morgen Mittag soll sich der Wind wieder auf Südost einpendeln. Zu Mittag dünste ich Zwiebel, Knoblauch und frischen Ingwer, der bei Seegang für guten Magen sorgt, und mische das Ganze mit selbsteingekochtem Thunfisch. Ein schmackhafter Auflauf aus Yams und Käse ergänzt das Sonntagsmenü. Wir haben fast zu viel Verpflegung an Bord, die wir nicht in Australien einführen dürfen. Vor allem die Staude Bananen müssen wir unbedingt noch essen. Es wäre doch schade, die leckeren Früchte in der Mülltüte der Quarantänebehörde verschwinden zu sehen. 
24.10.10. - Bundaberg, Australien
Gut vertaut und mit Fendern behängt liegt Felix am Steg in der Bundaberg Port Marina. Wir sitzen beim Sonntagsfrühstück. Die Frühlinssonne scheint vom blauen Himmel, der mit einer Reihe Cumuluswolken geschmückt ist. Kaum vorstellbar, dass wir noch vor fünf Tagen mit zehn Knoten Fahrt über meterhohe Wellen geritten sind und jeder Schritt an Bord mit Bedacht und Konzentration gesetzt werden musste. Beinahe habe ich auch schon vergessen, wie mich Lois möglichst ruhig geweckt hat mit der Nachtricht, wir haben Wasser im Boot. Ich unterbreche mein Mittagsschläfchen und sehe die volle Bescherung. Zum zweiten mal ist ein Griff an der Notausstiegsluke im Bad gebrochen, diesmal an steuerbord. Wir drehen bei und bringen so den Wassereinbruch halbwegs unter Kontrolle. Fieberhaft sucht Lois nach einem Ersatzgriff und bekommt die Luke nach endlos scheinender Zeit wieder dicht. Davon war ich felsenfest überzeugt. Mein Optimismus und das Vertrauen in das handwerkliche Geschick meines Kapitäns wurden noch nie enttäuscht. Die Steuerbordbilge ist bis zu den Bodenbrettern voll. Jetzt sind wir froh über unsere leistungsstarke Handpumpe, die wir seit vier Jahren mitschleppen. Mit dickem Strahl saugt sie das Wasser ab. Bis auf ein paar Kilo gatschiges Mehl und einen Heizstrahler, dem ein Bad im Salzwasser nicht gut bekommt, ist nichts passiert. Die gebrochenen Plastikgriffe werden wir mit Sicherheit Herrn Gojot als Weihnachtsgeschenk überreichen. Extremsituationen und Ferienstimmung im Wechsel lassen das Seglerleben nie langweilig werden. Nach einer turbulenten Saison mit unvergesslichen Erlebnissen freuen wir uns auf ein "ganz normales Leben" und fliegen für einige Zeit heim nach Österreich. 
Winter daheim
Badesachen und T-Shirt tauschen wir gegen dicke Jacke, Schal und Mütze. Gerne stapfen wir durch den Pulverschnee und genießen die weiße Pracht. Winter in Österreich ist eine willkommene Abwechslung zu Südseetemperaturen und Weihnachten mit der Familie zu verbringen ist das schönste Geschenk.
Wir wünschen allen unseren Freunden - ob Segler oder Landratten - und allen, die unsere Reise mitverfolgen ein FROHES WEIHNACHTSFEST und 365 ZUFRIEDENE TAGE IM NEUEN JAHR!
Fotos von Neuseeland - Fiji - Vanuatu in der Bildergalerie
Viele, viele Fotos haben wir gemacht im vergangenen Jahr.
Als Heimarbeit an kalten Wintertagen treffe ich daraus eine Auswahl, die
unseren Freunden und allen Besuchern der Homepage das Lebensgefühl der
Südsee und unsere Eindrücke von Neuseeland, Fidschi und Vanuatu näher
bringen sollen. Wenn wir selbst die Bilder betrachten, schwelgen wir
begeistert in Erinnerungen und wünschen auch euch viel Freude damit.
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