Home Unsere Reise Australien 18. Juni 2011 - Cooktown - Lizard Island - Flinders

18. Juni 2011 - Cooktown - Lizard Island - Flinders

Der Windgenerator ist im Dauereinsatz, obwohl wir auf unserem Ankerplatz vor einer Sandzunge inmitten der Flindersgruppe den Südostwind nicht so stark zu spüren bekommen. Seit fast zwei Wochen bläst er um die zwanzig Knoten. Zum Segeln nach Kap York an der Nordspitze Australiens sind Richtung und Stärke ideal, doch aufs Außenriff können wir leider nicht nochmal rausfahren. Bei diesen Bedingungen ist an einen Tauchgang nicht zu denken.

Cooktown ist ein gemütliches Städtchen, das von seiner großen Vergangenheit lebt. Nachdem Captain James Cook mit seiner Endeavour auf einem Riff aufgelaufen ist und sich mit viel Glück in den Endeavour-Fluss gerettet hat, lässt er das Schiff am Ufer trockenfallen und verbringt mit seiner Mannschaft sieben Wochen an diesem Ort. Er repariert das Schiff und hat viele Begegnungen mit den Aborigines, die durch sprachliche und kulturelle Schwierigkeiten nicht immer freundschaftlich verlaufen. Wir sitzen lange bei einem Häferl Kaffee im "Cook´s Landing Place" und schauen den Fischern zu. Danach schlendern wir die Hauptstraße entlang mit den ehrwürdigen Häusern aus der Goldgräberzeit, sammeln geschichtliche Informationen im "Cook´s Museum" und lassen den Tag bei einem frischgezapften Bier am stark abgenützten Tresen im "Top Pub" ausklingen. Die 1200 Weißen in der Stadt und 2000 Aborigines in den angrenzenden Gemeinden kommen heute angeblich gut miteinander aus, wenn auch der soziale Unterschied unübersehbar ist.

Die Watson Bay auf Lizard Island ist ein Pflichtstopp für alle Segler auf dem Weg nach Darwin. Am ausgedehnten Korallenriff im Süden der Bucht tummeln sich jede Menge Fische und die farbenprächtigen "Giant Clams", über 1 Meter große Riesenmuscheln, sind eine Augenweide. Stundenlang schnorcheln wir am Riff und versuchen, das bunte Treiben mit der Kamera einzufangen. Lizard Island ist weit genug vom Festland entfernt und angeblich die letzte Gelegenheit, ohne Gefahr vor Krokodilen ins Wasser gehen zu können. Also widmen wir uns auch nochmals dem Unterschiff und befreien es sorgfältig von Algen und Bewuchs.
Bei der Besteigung des 357 Meter hohen "Cook Lookout" ergeht es uns wie dem großen englischen Seefahrer im Jahre 1770. Regenwolken hängen über dem Gipfel und verwehren die Sicht auf das zwölf Meilen entfernte Ribbon-Reef im Osten. Captain Cook entdeckt erst am nächsten Tag einen Riffpass, durch den er dem Korallenlabyrinth entlang der Küste entkommen kann. Wir erspähen endlich beim zweiten Aufstieg das "Cod Hole". Hinter Schaumkronen liegt in der Ferne der berühmte Tauchplatz, auf den wir uns schon so gefreut haben. Die riesigen Kartoffelzackenbarsche zwischen leuchtenden Korallen werden wir nicht sehen. Der Wind ist zu stark und wird die nächste Zeit so bleiben.

Nach einer Woche lichten wir im Morgengrauen den Anker, setzen den Parasailor und segeln entlang der Schifffahrtsroute weiter nach Norden. Gegen Mittag kommt einige Meilen hinter uns ein Frachter in Sicht. Auf dieser mit Riffen gespickten Route haben alle großen Schiffe einen ortskundigen Lotsen an Bord, um ein Auflaufen und damit eine Katastrophe am Barrier-Riff zu vermeiden. "Northbound sailing vessel, this is Cos Prosperity", tönt es aus dem UKW-Funkgerät, das immer auf Kanal 16 eingeschaltet ist. Hoppla, der meint ja uns! Ich melde mich, worauf uns der Lotse höflich ersucht, den Kurs um zehn Grad nach backbord zu ändern. Er möchte an steuerbord vorbeifahren und braucht wegen einer Untiefe mehr Platz. Natürlich, machen wir! "Thank you and have a nice day!". Alles wäre geklärt, würde sich nicht ein Seglerkollege einmischen, der das Gespräch mitgehört hat. In seinem Übereifer veranlasst er den Frachter, seinen Kurs ebenfalls nach backbord zu korrigieren. Super, und was jetzt? Nochmals bespreche ich mit dem Lotsen das Überholmanöver. Wir weichen nach steuerbord aus und er geht an backbord vorbei. Immer größer wird der dicke Brummer hinter uns. Wir staunen, wie flexibel die sind. Als das Schiff auf gleicher Höhe ist, erscheint ein weißgekleideter Herr mit Fernglas auf der Brücke und winkt uns nach kurzer Musterung freundlich zu.