Home Unsere Reise Australien 26. Juni 2011 - Weiß und Schwarz

26. Juni 2011 - Weiß und Schwarz

Meterhohe Wellen rollen von hinten heran und rauschen unter uns durch. Felix scheint abwechselnd abzuheben, um gleich darauf tief einzutauchen, wobei nur noch wenig vom Rumpf zu sehen ist. Ich sitze an Deck, halte mich gut fest und beobachte das eindrucksvolle Spiel. Seit dem Morgengrauen sind wir unterwegs von Margaret Bay, haben bei Südostwind mit Spitzen über 30 Knoten nur die Genua gesetzt und werden bei diesem Tempo bestimmt die 70 Meilen zum Escape River bis zum frühen Abend schaffen.
Gestern waren Lyn und Rob bei uns zu Besuch. Unheimlich nett und mitteilsam ist dieses australische Paar, mit dem wir schon auf Flinders Island erste Bekanntschaft gemacht haben. Sie wohnen in Townsville und erkunden seit acht Jahren mit ihrem Motorboot in den Wintermonaten den Küstenabschnitt bis zur Margaret Bay im Norden.

Lyn ist mit ihren 68 Jahren noch nie aus Queensland hinausgekommen. Eigentlich mag sie das Wasser nicht. Lieber wandert sie an Land herum, zeigt uns verschiedene Früchte und Blüten an den Bäumen, hält plötzlich eine zappelnde grüne Ameise in den Fingern und beißt ihr das Hinterteil ab. "Schmeckt wie Zitrone", behauptet sie. "Die Aborigines machen das auch."
Über die "Black Fellows", wie Lyn die Ureinwohner Australiens nennt, würden wir gerne mehr erfahren. Rob erzählt von seinen Vorfahren, die auf abenteuerliche Weise von England eingewandert sind und in der neuen Heimat hart geschuftet haben. An den Aborigines lässt er kein gutes Haar. Von der australischen Regierung bekommen sie Geld, erbringen dafür keine Leistung, haben an nichts Interesse. Sie sollten doch zufrieden und dankbar sein, stattdessen sind sie ständig betrunken und vernachlässigen ihre Kinder. Wie es dazu gekommen ist, sei dahingestellt. Echt schockiert bin ich, als Rob von seinem Großvater berichtet. Mit einem Trupp Männern ist er durchs Land gezogen und hat Brunnen gebohrt. Ihr Lager mussten sie aus festen Blockhütten errichten, in Zelten wären sie von den Speeren der Aborigines aufgespießt worden. Um die lästigen Schwarzen im Zaum zu halten, sind die Männer nach der Arbeit ausgeschwärmt und haben sie wie die Karnickel abgeknallt, was zu dieser Zeit nicht einmal als Verbrechen angesehen wurde. Was sollen wir dazu sagen? Es würde auch zu nichts führen, also wechseln wir lieber das Thema.