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2011 Australien

20. April 2011 - Australien hat uns wieder

Lange haben wir Felix alleine gelassen, aber in den vergangenen Monaten oft an ihn gedacht. Ungewöhnlich heftige Niederschläge sorgen im ganzen Bundesstaat Queensland um die Weihnachtszeit für heftige Überschwemmungen. Auch der Burnett River bei Bundaberg ist davon betroffen. Die Bundaberg Port Marina liegt an der Innenseite einer Flussbiegung nahe der Mündung zum Meer. Die Wassermassen können sich im breiten Flussbecken und in den gegenüberliegenden Mangroven beruhigen. Unsere schweizer Segelfreunde von der „Miami“ verbringen die ganze Zeit auf ihrem Boot in der Marina und informieren uns per e-mail über die aktuelle Lage. „Hab grade nach Felix geschaut. Es geht ihm gut, nur die Vögel belagern ihn.“ Heilfroh sind wir jedes mal über Utes beruhigende Zeilen. Bei unserer Rückkehr beschreibt sie uns, wie der reißende Fluss mit 15 Knoten Strömung vorbeigerauscht ist und losgerissene Boote aus der Stadtmarina vorbeigetrieben sind. 

Im Jänner steuert der Zyklon Yasi auf die australische Ostküste zu. Die Satellitenbilder sind beeindruckend und wir können nur hoffen, dass er seine gerade Zugbahn nach Westen beibehält. Der Wirbelsturm trifft mit 300 km/h bei Cairns an Land und richtet schwere Verwüstungen an. In unserer Marina einige hundert Kilometer südlich davon ist laut Ute nicht einmal ein Lufthauch zu spüren.

Wir haben großes Glück gehabt. Felix liegt genauso am Steg, wie wir ihn vor fünf Monaten verlassen haben. Nach solchen Wetterkapriolen nehmen wir den Vogeldreck relativ gelassen. Auch das Unterschiff hat nur einen schlammigen Belag, den wir später vor Anker abwischen werden. Wir ersparen uns vorerst das Kranen und ein neues Antifouling.

Felix ist vollgebunkert mit Mehl, Reis, Nudeln, Milchpulver, Bier und sonstigen Grundnahrungsmitteln von Woolworths für die nächsten Monate und frischen Vitaminen vom Sonntagsmarkt. Groß und Genua sind aufgezogen und alle Navigation- und Rettungseinrichtungen gecheckt. Morgen früh wollen wir die Leinen losmachen und nach Fraser Island segeln.       

 

 

     
 

24. April 2011 - Ostern auf Fraser Island

Ostern auf hoher See, auf Bequia in der Karibik, auf San Christobal – Galapagos, in Nelson auf der Suedinsel von Neuseeland und heuer am unendlich langen Sandstrand auf Fraser Island in Australien…wir ziehen weiter um den Globus aber die Tradition auf Felix bleibt gleich. Jedes Jahr färben und bemalen wir Ostereier, sind in Gedanken bei unserer Familie und Freunden daheim und plaudern von alten Zeiten.

 

Wir wünschen euch allen FROHE OSTERN und ein gemütliches Beisammensein!

 

Die Crew von Felix

 

   
 

2. Mai 2011 - von Fraser Island zu Lady Musgrave

Fraser Island ist mit 124 km Länge und bis 30 km Breite die größte Sandinsel der Welt. Ich hätte endlose Dünen erwartet, tatsächlich hat die Insel zwar herrliche weiße Sandstrände, auf denen wir ewig lange gelaufen sind, ist aber im Inneren von undurchdringlichem Buschwerk überzogen. Immer wieder münden rotbraune Bäche ins Meer, deren Ufer mit Gräsern, Sträuchern und Eukalyptus gesäumt sind. Fröhliches Vogelgezwitscher erfüllt die Luft und ein neugieriger Dingo (Wildhund) begrüßt uns am Strand. Durch Zufall entdecken wir eine Sandstraße, die quer über die Insel führt und uns nach mehreren Kilometern zu einem malerischen See bringt. Auf dem Heimweg überrascht uns ein heftiger Regenschauer, übrigens nicht der einzige in den letzten Tagen, in denen uns dazu noch starker Südostwind um die Ohren pfeift.

Am 1. Mai beruhigt sich die Wetterlage. Vom Sandy Cape, der Nordspitze von Fraser Island, nehmen wir Kurs auf "Lady Musgrave". Vom undurchsichtig grünen Wasser der Hervey Bay, das uns gar nicht zum Baden gereizt hat, segeln wir endlich wieder ins blaue Meer. Erst kurz vor Sonnenuntergang taucht das Atoll mit der kleinen Insel vor uns auf. Durch den Riffpass trauen wir uns bei diesen Lichtbedingungen nicht mehr. Auf einem Sandfleck am Außenriff lassen wir unseren Anker fallen, hören aber trotzdem die ganze Nacht das Geknarre der Ankerkette am Korallenschrott. Nach dem Frühstück schlüpfen wir durch den schmalen, aber gut markierten Pass in die Lagune. Das haben wir lange nicht mehr gesehen - klares, hellblaues Wasser, jede Seegurke am Grund ist zu erkennen. Damit es nicht zu romantisch wird, machen wir uns gleich mit Spachtel und Schwamm an die Arbeit und putzen den Bauch von Felix. In den langen Monaten in der Marina hat sich doch einiges angesetzt. Am Nachmittag schnorcheln wir um einen großen Korallenblock, erfreuen uns endlich wieder an den vielen, bunten Fischlein und erfahren erst danach, dass ein ziemlich großer Hai in der Lagune seine Kreise gezogen hat...

    

 

9. Mai 2011 - Capricorn, Wendekreis des Steinbocks

In Tagesetappen von 30 bis 70 Seemeilen ziehen wir gegen Norden und hoffen, langsam wieder in wärmere Gegenden zu kommen. Offiziell haben wir am Mittwoch bei Cape Capricorn mit dem 23. Breitengrad den südlichen Wendekreis überschritten und sollten damit zurück in den Tropen sein. Vom alten Leuchtturm am Kap haben wir einen wunderschönen Ausblick über die Küste von Queensland mit ihren zahlreichen Inseln. Weniger begeistert sind wir von den schwarzbraunen Käfern, die angeflogen kommen und sich auf Felix einnisten wollen. Wenn das nur keine Kakerlaken sind! Aber können die eigentlich fliegen? Gründlich durchsuchen wir jede Ritze im Cockpit, um alle diese Biester loszuwerden und lichten den Anker.
Great Keppel Island erwartet uns am Nachmittag mit weitem Sandstrand, dicht bewaldetem Hinterland und leider wieder diesem milchig-grünem Wasser, wie auf allen Ankerplätzen zu nahe am Festland. Ein steiniger Weg führt zum Resort im Westen, das seinen Gästen angeblich jeden Komfort bietet. Unser Handbuch von 1998 ist wohl nicht mehr auf dem neuesten Stand. Vor vier Jahren wurde die Anlage verkauft, erfahren wir. Da der neue Besitzer für seine geplanten Umbauten keine Genehmigung erhält, ist das Resort geschlossen und macht einen eher traurigen Eindruck. In der nahegelegenen Bar kommen wir aber doch noch zu einem kräftigen Burger mit Pommes, den uns farbenprächtige Papageis stibitzen wollen.
Mit Booten aus Brasilien, Südafrika, Kanada und Australien liegen wir seit zwei Tagen in der reizvollen Pearl Bay und warten auf günstigen Wind und Sonnenschein für die nächsten 50 Meilen. Die Seglergemeinschaft aus vier Kontinenten versammelt sich am Sonntag zum Sundowner am Strand. Bei mitgebrachten Snacks und Getränken wird am Lagerfeuer fröhlich geplaudert. Egal woher wir auch kommen, hier auf See haben wir alle die gleichen Bedingungen und Interessen.


   
 

14. Mai 2011 - das erste Känguruh

Fast können wir uns nicht losreißen von South Percy Island. Eine Insel wie aus dem Bilderbuch für uns allein! Der goldgelbe Strand im Norden dekoriert mit schwarzem Gestein, das Inselinnere grasbewachsen mit wenigen Kiefern und Büschen, dazwischen windet sich ein ausgetrockneter Flusslauf durch rote Erde zum Meer. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk spazieren wir über die Hügel zum felsigen Südufer, weil wir trotz der Idylle immer an die giftigen Schlangen Australiens denken müssen. Gerne würden wir länger bleiben, doch sagt der Wetterbericht ab Sonntag Wind aus SSE bis dreißig Knoten voraus. Unsere weite Bucht ist gut abgedeckt, Strömungen und Gezeitenunterschiede bis fünf Meter verursachen jedoch gewaltigen Schwell. Es ist Mittwoch. Wir segeln weiter, um bis zum Wochenende in den vielgepriesenen Whitsundays einen geschützten Ankerplatz zu erreichen.

Middle Percy Island ist die einzige bewohnte Insel der Percy Gruppe. Die West Bay erinnert mit ihren Kokospalmen, dem blendend weißen Sand und nur leicht grünlichem Wasser an die Südsee. Eine große Hütte mit spitzem Giebel in der Mitte der Bucht ist bis zum letzten Winkel geschmückt mit Souvenirs vorbeiziehender Yachten. Ein großer Grill, Tisch und Bank und allerlei nützliche Geräte laden zu geselligem Beisammensein ein. Im Gedenken an Andrew Martin, der bis 2008 viele Jahre auf der Insel gelebt und diese Einrichtung gegründet hat, ist jeder Segler aufgefordert, sein Schärflein zur Erhaltung beizutragen.
Unser Wandertrieb führt uns auf einem gut erhaltenen Weg durch Eukalyptuswald und blühende Büsche zu einer Anhöhe mit wunderbarem Ausblick. Nur noch 1 1/2 Meilen sind es zum "Homestead" verspricht eine Tafel, dem alten Wohnhaus, von dem ich gelesen habe. Ein Rascheln lässt uns aufhorchen. "Da, bleib stehn! Känguruhs!" Aus großen Augen mustern sie uns mit skeptischem Blick. Lois ist ganz aufgeregt und versucht schnell, das richtige Objektiv auf seine Kamera zu schrauben. Ich traue mich kaum zu bewegen und beobachte fasziniert diese fremdartigen Tiere, die wir endlich zum ersten mal zu Gesicht bekommen. Ein unvorsichtiges Klicken...und zwei von ihnen hoppeln davon. Doch das dritte ist neugierig und wartet brav, bis der Fotograf seine Bilder hat.


   
 

21. Mai 2011 - 1 Monat und 500 Seemeilen

Nach unserem langen Aufenthalt in Österreich stellt sich die Bordroutine langsam wieder ein. Mittlerweile haben wir schon einige flotte und wellige Segeltage hinter uns und abgesehen von der ersten Überfahrt nach Fraser Island habe ich keinerlei Probleme mit Seekrankheit. Felix ist wieder unser Heim, wenn auch die Gedanken oft in der Heimat sind.
Mit Zwischenstopp auf der Insel Scawfell und dem Pflichtbesuch auf der Thomas-Insel mit ihren drei hübschen Sandstränden und dem Inselchen inmitten der Bucht, erreichen wir mit frischem Südostwind den geschützte Ankerplatz Cid Harbour im Westen der Insel Whitsunday. Gemeinsam mit bis zu dreißig Booten wollen wir hier abwarten, bis sich der Wind wieder beruhigt. In den vier Tagen spazieren wir zum Dugong-Strand, erklimmen zwei mal den 470 Meter hohen Berg und rudern mit dem Dingi durch die Mangroven. Damit sind die Aktivitäten in dieser beschaulichen Gegend, die irgendwie an einen See erinnert, ziemlich erschöpft. Fast haben wir Mitleid mit den vielen Chartercrews um uns herum. Unter Zeitdruck verlassen sie vorzeitig die Bucht, kämpfen gegen Wind und Wellen um möglichst viele Highlights der Whitsundays zu erleben.

Sonne und Wolken im ständigen Wechsel und damit verbunden wechselhafter Wind lassen auf den 41 Meilen von der Butterfly Bay nach Bowen keine Langeweile aufkommen. Die Durchfahrt zwischen der Insel Gloucester und dem Festland ist mit roten Bojen markiert und der Himmel meint es gerade gut mit uns. Kurz darauf beginnt es zu schütten und der Windmesser zeigt 40 Knoten. Mit einem Reff im Groß und gereffter Genua fliegen wir über die weite Bucht, bis der Spuk wieder vorbei ist. In der Hafeneinfahrt von Bowen folgen wir den roten und grünen Markierungen und liegen bald darauf wie aufgebockt an einer Mooring im Magazine Creek.
Ein Monat ist vergangen, seit wir zuletzt in einer Stadt waren. Wir fühlen uns beide wie betäubt, als wir uns in Richtung Supermarkt aufmachen. Ein komischer Druck ist im Kopf und der Boden schwankt unter unseren Füßen. Ganz klar, wir sind landkrank!


   
 

29. Mai 2011 - Orpheus Island

Am späten Nachmittag gleiten wir um die Nordspitze der Insel und bergen nach 42 äußerst angenehmen Meilen mit südlichem Wind den Spinnaker. In der mit Mangroven, Felsen und Sandstrand gesäumten Bucht im Nordwesten von Orpheus fischen wir uns eine der Bojen, die von der Nationalparkverwaltung bereitgestellt werden, und lassen bei einem perfekten Sundown den Tag ausklingen. Die Sonne blinzelt schon in unsere Kabine, als Lois am Sonntagmorgen für einen Rundumblick die Luke öffnet. "Na so was, alle weg!" Die zehn Boote, mit denen wir uns am Vorabend die Bucht geteilt haben, sind bereits weitergesegelt. Wir lassen uns das Frühstück schmecken, Müsli und Obst und zusätzlich, wie jeden Sonntag, noch Spiegelei und Kaffee. Kakadus fliegen krächzend am Ufer und ein Seeadler zieht elegant und fast bewegungslos seine Kreise.
Obwohl der Wind gut wäre, bleiben wir heute hier. Gleich ums Eck soll eine Forschungsstation sein, die sich mit der Aufzucht von Riesenmuscheln befasst. Wir montieren den Motor aufs Beiboot und machen uns auf den Weg - aber nicht weit. Schlauerweise haben wir vergessen, auf die Gezeiten zu achten. Das Ufer vor der "Orpheus Research Station" ist mit einem breiten Riffgürtel umgeben, der bei Niederwasser trockenfällt. Eine Mitarbeiterin der Station watet zu uns heraus. Sie begrüßt uns freundlich und möchte uns gerne mehr über ihre Arbeit erzählen und zeigen - nur jetzt sollten wir schnell umdrehen, sonst würden wir bis zum Abend festsitzen. Die 1200 Riesenmuscheln auf Korallenblöcken im Norden der Bucht dürfen wir beim Schnorcheln alleine anschauen, bietet sie an. Im Moment seien keine Krokodile da, sind alle am Festland und die "Box Jellyfish" (mitunter tödliche Quallen) sind Ende Mai auch eher selten. Wir überlegen kurz und lehnen dankend ab.


    
 

7. Juni 2011 - Tauchen am Großen Barriere Riff

Cairns ist eine nette Stadt, die sich ganz dem Tourismus verschrieben hat. Das "Great Barrier Reef" ist zum Greifen nahe und mit den unzähligen Motorkatamarans und aufgemotzten Segelbooten, vollbeladen mit zahlenden Gästen, in wenigen Stunden zu erreichen. Für die kommenden Tage ist ruhiges Wetter vorausgesagt, daher möchten auch wir die Unterwasserwelt in diesem einzigartigen Revier erkunden. Ohne vorher Informationen einzuholen, trauen wir uns aber nicht ins Wasser. Meine e-mail an eine örtliche Tauchbasis bleibt unbeantwortet. Also rufe ich an und werde kurz angebunden an die "Marine Park Authority" verwiesen. Danke! Wir fragen uns durch und finden nach allerlei Irrwegen wirklich das Büro der MPAGBR (MarineParkAuthorityGreatBarrierReef). Phil ist äußerst hilfsbereit, stattet uns aus mit Karten über die fünf verschiedenen Nutzungszonen, die zum Schutz des 2300 km langen Riffs eingerichtet wurden und mit einem Verzeichnis aller öffentlichen Mooringbojen. Auskunft über Tauchplätze kann er uns nicht geben, meint er zu Beginn. Im Laufe des Gesprächs erfahren wir jedoch nicht nur viel über Krokodile, Quallen und Haie, sondern er erwähnt als begeisterter Schnorchler und Taucher auch so manche Gebiete, die einen Besuch wert sein könnten.
Bei Green Island nahe Cairns suchen wir zwischen den zahlreichen Korallenköpfen einen geeigneten Ankerplatz. Unser Check-Tauchgang an einem dieser "Bommies" entwickelt sich höchst sonderbar. In dem trüben Wasser verlieren wir uns fast aus den Augen und sind von der grauen Korallenlandschaft enttäuscht. Bald jedoch sind wir umgeben von Fischschwärmen, von denen mich die riesigen Lippfische am meisten faszinieren. Sie zeigen keine Scheu und kommen mit dicken Lippen und Glubschaugen auf mich zu. Wartet ihr vielleicht auf Futter? Nicht von mir, sorry!
Das Michaelmas Riff liegt schon etwas weiter entfernt vom Festland. Langsam wird das Wasser blau und klar. Wieder suchen wir zwischen freistehenden Korallenbänken nach einem Ankerplatz, leider vergeblich. Entweder ist es zu tief oder wir sind zu nahe am Riff. Schließlich hängen wir uns an eine Boje vor der kleinen Sandinsel, die mit ihrem Grasbewuchs ein idealer Nistplatz für tausende Seeschwalben ist. Wir beobachten an Land die krächzenden Vogeleltern mit ihren flauschigen Küken und flüchten vor dem Lärm und Gestank mit Brille und Flossen unter Wasser. Zwischen intakter Korallenwelt tummeln sich Zackenbarsch, Doktorfisch und Co. Staunend betrachten wir die bis zu 1 Meter großen farbenprächtigen Riesenmuscheln.
Das Norman Riff liegt am Außenriff. Die Boje vom Marine Park ist natürlich an der vor südöstlichen Winden geschützten Westseite des Riffs angebracht. Wir versuchen bei unserem Tauchgang so weit wie möglich ums Eck zu schwimmen, die Unterwasserlandschaft bietet aber einen trostlosen Anblick. Geweihkorallen liegen massenweise verstreut am Sandboden und große Tischkorallen sind abgebrochen. In dem relativ seichten Wasser hat wahrscheinlich Zyklon Yasi seine Spuren hinterlassen.
Noch einen Tag gönnen wir uns draußen am Barriere Riff, bevor der Wind wieder zulegen soll. Weit ab vom Land ankern wir am St. Crispin Riff in glasklarem Wasser. Nur ein paar Korallenblöcke sind bei Niederwasser zu sehen, ansonsten erfreuen wir uns an den feinen Farbtönen von türkis bis dunkelblau. Wir beladen unser Dingi mit der Tauchausrüstung und fahren zu einer Boje an der nördlichen Riffkante. Endlich erleben wir einen Tauchgang nach unseren Vorstellungen. Entlang zerklüfteter Formationen tauchen wir zu einer Steilwand, an der wir langsam bis 32 Meter absinken und riesige Fächer aber auch winzige Schnecken bewundern. Aus kleinen Höhlen strecken ansehnliche Langusten ihre Fühler. Abgesehen von einem Großen Barrakuda und einem Riesendrückerfisch zeigen sich eher wenige Fische. Das St. Crispin Riff liegt in der blauen Zone, in der Fischen erlaubt ist.
Der Ankerplatz wird bis zum Morgen zunehmend schaukeliger. Zufrieden mit unserer Exkursion nehmen wir bei angesagten Winden bis 25 Knoten vorerst wieder Kurs aufs Festland und steuern das historische Cooktown an.


     
 

18. Juni 2011 - Cooktown - Lizard Island - Flinders

Der Windgenerator ist im Dauereinsatz, obwohl wir auf unserem Ankerplatz vor einer Sandzunge inmitten der Flindersgruppe den Südostwind nicht so stark zu spüren bekommen. Seit fast zwei Wochen bläst er um die zwanzig Knoten. Zum Segeln nach Kap York an der Nordspitze Australiens sind Richtung und Stärke ideal, doch aufs Außenriff können wir leider nicht nochmal rausfahren. Bei diesen Bedingungen ist an einen Tauchgang nicht zu denken.

Cooktown ist ein gemütliches Städtchen, das von seiner großen Vergangenheit lebt. Nachdem Captain James Cook mit seiner Endeavour auf einem Riff aufgelaufen ist und sich mit viel Glück in den Endeavour-Fluss gerettet hat, lässt er das Schiff am Ufer trockenfallen und verbringt mit seiner Mannschaft sieben Wochen an diesem Ort. Er repariert das Schiff und hat viele Begegnungen mit den Aborigines, die durch sprachliche und kulturelle Schwierigkeiten nicht immer freundschaftlich verlaufen. Wir sitzen lange bei einem Häferl Kaffee im "CookŽs Landing Place" und schauen den Fischern zu. Danach schlendern wir die Hauptstraße entlang mit den ehrwürdigen Häusern aus der Goldgräberzeit, sammeln geschichtliche Informationen im "CookŽs Museum" und lassen den Tag bei einem frischgezapften Bier am stark abgenützten Tresen im "Top Pub" ausklingen. Die 1200 Weißen in der Stadt und 2000 Aborigines in den angrenzenden Gemeinden kommen heute angeblich gut miteinander aus, wenn auch der soziale Unterschied unübersehbar ist.

Die Watson Bay auf Lizard Island ist ein Pflichtstopp für alle Segler auf dem Weg nach Darwin. Am ausgedehnten Korallenriff im Süden der Bucht tummeln sich jede Menge Fische und die farbenprächtigen "Giant Clams", über 1 Meter große Riesenmuscheln, sind eine Augenweide. Stundenlang schnorcheln wir am Riff und versuchen, das bunte Treiben mit der Kamera einzufangen. Lizard Island ist weit genug vom Festland entfernt und angeblich die letzte Gelegenheit, ohne Gefahr vor Krokodilen ins Wasser gehen zu können. Also widmen wir uns auch nochmals dem Unterschiff und befreien es sorgfältig von Algen und Bewuchs.
Bei der Besteigung des 357 Meter hohen "Cook Lookout" ergeht es uns wie dem großen englischen Seefahrer im Jahre 1770. Regenwolken hängen über dem Gipfel und verwehren die Sicht auf das zwölf Meilen entfernte Ribbon-Reef im Osten. Captain Cook entdeckt erst am nächsten Tag einen Riffpass, durch den er dem Korallenlabyrinth entlang der Küste entkommen kann. Wir erspähen endlich beim zweiten Aufstieg das "Cod Hole". Hinter Schaumkronen liegt in der Ferne der berühmte Tauchplatz, auf den wir uns schon so gefreut haben. Die riesigen Kartoffelzackenbarsche zwischen leuchtenden Korallen werden wir nicht sehen. Der Wind ist zu stark und wird die nächste Zeit so bleiben.

Nach einer Woche lichten wir im Morgengrauen den Anker, setzen den Parasailor und segeln entlang der Schifffahrtsroute weiter nach Norden. Gegen Mittag kommt einige Meilen hinter uns ein Frachter in Sicht. Auf dieser mit Riffen gespickten Route haben alle großen Schiffe einen ortskundigen Lotsen an Bord, um ein Auflaufen und damit eine Katastrophe am Barrier-Riff zu vermeiden. "Northbound sailing vessel, this is Cos Prosperity", tönt es aus dem UKW-Funkgerät, das immer auf Kanal 16 eingeschaltet ist. Hoppla, der meint ja uns! Ich melde mich, worauf uns der Lotse höflich ersucht, den Kurs um zehn Grad nach backbord zu ändern. Er möchte an steuerbord vorbeifahren und braucht wegen einer Untiefe mehr Platz. Natürlich, machen wir! "Thank you and have a nice day!". Alles wäre geklärt, würde sich nicht ein Seglerkollege einmischen, der das Gespräch mitgehört hat. In seinem Übereifer veranlasst er den Frachter, seinen Kurs ebenfalls nach backbord zu korrigieren. Super, und was jetzt? Nochmals bespreche ich mit dem Lotsen das Überholmanöver. Wir weichen nach steuerbord aus und er geht an backbord vorbei. Immer größer wird der dicke Brummer hinter uns. Wir staunen, wie flexibel die sind. Als das Schiff auf gleicher Höhe ist, erscheint ein weißgekleideter Herr mit Fernglas auf der Brücke und winkt uns nach kurzer Musterung freundlich zu.


    
 

26. Juni 2011 - Weiß und Schwarz

Meterhohe Wellen rollen von hinten heran und rauschen unter uns durch. Felix scheint abwechselnd abzuheben, um gleich darauf tief einzutauchen, wobei nur noch wenig vom Rumpf zu sehen ist. Ich sitze an Deck, halte mich gut fest und beobachte das eindrucksvolle Spiel. Seit dem Morgengrauen sind wir unterwegs von Margaret Bay, haben bei Südostwind mit Spitzen über 30 Knoten nur die Genua gesetzt und werden bei diesem Tempo bestimmt die 70 Meilen zum Escape River bis zum frühen Abend schaffen.
Gestern waren Lyn und Rob bei uns zu Besuch. Unheimlich nett und mitteilsam ist dieses australische Paar, mit dem wir schon auf Flinders Island erste Bekanntschaft gemacht haben. Sie wohnen in Townsville und erkunden seit acht Jahren mit ihrem Motorboot in den Wintermonaten den Küstenabschnitt bis zur Margaret Bay im Norden. Lyn ist mit ihren 68 Jahren noch nie aus Queensland hinausgekommen. Eigentlich mag sie das Wasser nicht. Lieber wandert sie an Land herum, zeigt uns verschiedene Früchte und Blüten an den Bäumen, hält plötzlich eine zappelnde grüne Ameise in den Fingern und beißt ihr das Hinterteil ab. "Schmeckt wie Zitrone", behauptet sie. "Die Aborigines machen das auch."
Über die "Black Fellows", wie Lyn die Ureinwohner Australiens nennt, würden wir gerne mehr erfahren. Rob erzählt von seinen Vorfahren, die auf abenteuerliche Weise von England eingewandert sind und in der neuen Heimat hart geschuftet haben. An den Aborigines lässt er kein gutes Haar. Von der australischen Regierung bekommen sie Geld, erbringen dafür keine Leistung, haben an nichts Interesse. Sie sollten doch zufrieden und dankbar sein, stattdessen sind sie ständig betrunken und vernachlässigen ihre Kinder. Wie es dazu gekommen ist, sei dahingestellt. Echt schockiert bin ich, als Rob von seinem Großvater berichtet. Mit einem Trupp Männern ist er durchs Land gezogen und hat Brunnen gebohrt. Ihr Lager mussten sie aus festen Blockhütten errichten, in Zelten wären sie von den Speeren der Aborigines aufgespießt worden. Um die lästigen Schwarzen im Zaum zu halten, sind die Männer nach der Arbeit ausgeschwärmt und haben sie wie die Karnickel abgeknallt, was zu dieser Zeit nicht einmal als Verbrechen angesehen wurde. Was sollen wir dazu sagen? Es würde auch zu nichts führen, also wechseln wir lieber das Thema.


    
 

28. Juni 2011 - Wir runden Cape York

Kaum ein Blatt bewegt sich in den dichten, hohen Mangroven am Ufer des Escape River. Nur die Vöglein zwitschern fröhlich zum Sonnenaufgang. Die unglaubliche Ruhe auf unserem Flussankerplatz ist eine äußerst angenehme Abwechslung zu dem ewigen Windgetöse der vergangenen Wochen. Ein morgendliches Bad verkneifen wir uns gerne, nachdem wir auf einer Sandbank ein ansehnliches Krokodil entdeckt haben. An der Flussmündung betreibt ein australisches Ehepaar seit knapp drei Jahren eine Perlfarm. Überaus herzlich heißen uns Rusty und seine Frau willkommen. Bei Kaffee und Keksen unterhalten wir uns stundenlang über Gott und die Welt.
Nur noch wenige Meilen an der Ostküste von Australien liegen vor uns. Der Parasailor bläst sich auf vor fast wolkenlosem Himmel. Zweieinhalb Knoten Strömung beschleunigen unsere Fahrt durch die reizvolle Albany Passage. Wie auf Schienen gleiten wir auf dem spiegelglatten Wasser dahin. In der Ferne taucht das Kap mit seinen vorgelagerten Inseln auf. Die hügelige Landschaft ist mit schneeweißen Stränden gesäumt. Badeurlauber gibt es hier aus gutem Grund keine, dafür zieht es Scharen von Allradfreaks in diese abgelegene Gegend. Wir haben das nordöstliche Ende Australiens erreicht und runden mit unserem blauweißem Segel elegant Cape York. Gleich nach dem weithin sichtbaren Leuchtturm  auf dem Inselchen Elborac lassen wir im seichten Wasser vor einem weiten Sandstrand den Anker fallen und feiern mit einem kühlen "Tooheys New" die erfolgreiche Ankunft.

     
Kaum ein Blatt bewegt sich in den dichten, hohen Mangroven am Ufer des Escape River. Nur die Vöglein zwitschern fröhlich zum Sonnenaufgang. Die unglaubliche Ruhe auf unserem Flussankerplatz ist eine äußerst angenehme Abwechslung zu dem ewigen Windgetöse der vergangenen Wochen. Ein morgendliches Bad verkneifen wir uns gerne, nachdem wir auf einer Sandbank ein ansehnliches Krokodil entdeckt haben. An der Flussmündung betreibt ein australisches Ehepaar seit knapp drei Jahren eine Perlfarm. Überaus herzlich heißen uns Rusty und seine Frau willkommen. Bei Kaffee und Keksen unterhalten wir uns stundenlang über Gott und die Welt. 
Nur noch wenige Meilen an der Ostküste von Australien liegen vor uns. Der Parasailor bläst sich auf vor fast wolkenlosem Himmel. Zweieinhalb Knoten Strömung beschleunigen unsere Fahrt durch die reizvolle Albany Passage. Wie auf Schienen gleiten wir auf dem spiegelglatten Wasser dahin. In der Ferne taucht das Kap mit seinen vorgelagerten Inseln auf. Die hügelige Landschaft ist mit schneeweißen Stränden gesäumt. Badeurlauber gibt es hier aus gutem Grund keine, dafür zieht es Scharen von Allradfreaks in diese abgelegene Gegend. Wir haben das nordöstliche Ende Australiens erreicht und runden mit unserem blauweißem Segel elegant Cape York. Gleich nach dem weithin sichtbaren Leuchtturm  auf dem Inselchen Elborac lassen wir im seichten Wasser vor einem weiten Sandstrand den Anker fallen und feiern mit einem kühlen "Tooheys New" die erfolgreiche Ankunft.
 

5. Juli 2011 - Golf von Carpentaria, 350 Meilen

Wir sind müde. Es ist schon sonderbar, aber eine relativ kurze Überfahrt setzt uns mehr zu, als 3000 Meilen am Pazifik. Den Golf von Carpentaria von Kap York bis Gove werden wir nicht zu den Favoriten unserer Reise einreihen. 
Nachdem wir unseren Fuß auf den nördlichsten Punkt Australiens gesetzt haben, machen wir noch Station in der kleinen Ortschaft Seisia an der Nordwestküste der "Cape York Peninsula". Im Supermarkt bunkern wir frische Vitamine und beobachten danach lange das Treiben am großen Bootsanlegesteg. Fast könnte man denken, die Australier werden mit einer Angel in der Hand geboren. Jung und alt fischt mit Begeisterung und bemerkenswerter Ausdauer. Kleine lebende Köderfische werden am Rücken mit dem Haken aufgespießt und sollen größere Brocken anlocken. Wenn dann wirklich einer beißt, ist aber meist das Angelzeug zu schwach und die Leine reißt. Kaum ein ordentlicher Fisch wird an Land gezogen. Im Vergleich dazu sind wir vom Boot aus erfolgreicher. Bisher konnten wir noch jedesmal unseren Speiseplan mit fangfrischer Makrele oder Thunfisch aufbessern, wenn wir Lust darauf hatten.

Am Freitag Abend holen wir über Internetseiten und Grib-Files den Wetterbericht für die kommenden Tage. Es schaut gut aus. Bei 15-20 Knoten aus Ost-Südost sollten die 350 Meilen über den Golf leicht zu schaffen sein. Wieder einmal läutet der Wecker am nächsten Morgen viel zu früh. Anker auf, Kurs 257°, also seit langer Zeit wieder Richtung Westen. Wir setzen den Parasailor und freuen uns auf eine ruhige Überfahrt.
Nach meiner dreistündigen Wache schlüpfe ich um neun Uhr unter die Decke. Das Klatschen der Wellen gegen den Rumpf und die Windgeräusche nehmen zu. Ich schlafe sehr unruhig, gehe schließlich nachschauen. "Bis 28 haben wir schon, aber alles ok," meint Lois. Na gut, wir hoffen der Wind lässt bald nach, ich verziehe mich wieder. Bald höre ich ungewohnte Geräusche. Der Motor läuft. Durch die Luke sehe ich das eingefallene Segel und warte, dass Lois den Kurs korrigiert und es sich wieder aufbläst.... Da stimmt etwas nicht. Ich ziehe mich schnell an. "Er ist zerrissen", erfahre ich von meinem ziemlich deprimierten KäptŽn. 30 Knoten Spitze zeigt der Windmesser, was der Parasailor früher schon einige male unbeschadet überstanden hat. Mehr als 6000 Meilen hat uns das Segel über die Meere gezogen, rechne ich nach. Das Material hat wohl darunter gelitten.
Mit Groß und Genua setzen wir unsere Fahrt fort. Auf Vorwindkurs mit unangenehmer Kreuzsee ist das nicht die beste Lösung, aber momentan haben wir keine andere Wahl. Wir brauchen länger als geplant. In stockdunkler Nacht laufen wir nach drei Tagen in der Bucht von Gove ein und suchen zwischen vielen unbeleuchteten Booten einen ruhigen Ankerplatz.


    
 

11. Juli 2011 - Yirrkala und das Loch in der Wand

Unglaublich geschützt liegen wir in der weiten Bucht von Gove. Nach drei bewegten Tagen auf See surrt unser Kopf wie ein Bienenstock. Das riesige Stahlwerk, bei Nacht beleuchtet wie eine Großstadt, wirkt am Tag weit weniger romantisch. Im Nordosten von Arnhemland, das den Aborigines gehört und von Weißen nur mit Genehmigung betreten werden darf, bildet Gove eine Ausnahme. Die reichen Bauxitvorkommen in der leuchtend roten Erde werden hier zu Aluminium verarbeitet.

Im dreißig Kilometer entfernten Yirrkala soll es ein interessantes Kunstzentrum der australischen Ureinwohner geben. Aber wie kommen wir dort hin? Der nette Herr im örtlichen Yachtclub drückt uns allerlei Informationsmaterial und einen Busfahrplan in die Hand. Ganz schlau werden wir nicht daraus, versuchen aber am nächsten Tag gemeinsam mit Diana und Gerald aus Südafrika unser Glück. Ein Minenarbeiter nimmt uns in seinem staubigen Pickup bis Nhulungbuy mit, der einzigen Stadt weit und breit. Für die restlichen fünfzehn Kilometer warten wir auf den Bus, der mit ziemlicher Verspätung endlich doch noch kommt. Ein Blick auf die Uhr neben dem Fahrer sagt uns, wir haben vergessen die Zeit umzustellen. Es ist noch nicht 10 Uhr sondern erst 9 Uhr 30. Im "Yirrkala Arts Centre" erklärt uns ein Mitarbeiter, natürlich ein weißer Australier, in hochtrabenden Worten die Bedeutung der wirklich feinen Zeichnungen auf den Exponaten. Die großen Holzröhren zur Aufbewahrung der Knochen von Verstorbenen erzählen über die Seelenwanderung nach dem Tod. Bilder, Matten, Körbe, geschnitzte Vögel, bemalte Muscheln, bememerkenswert schöne Arbeiten sind hier ausgestellt. Ein harter Kontrast dazu ist der Anblick der Künstler, die am Boden kauernd eintönig Strich um Strich malen. Sie sind in einem erbärmlichen Zustand. Das Zentrum soll den Aborigines die Möglichkeit geben, mit ihrer uralten, naturverbundenen Tradition Geld zu verdienen. Uns ist allerdings ein Didgeridoo um 700,- australische Dollar (etwa 500,- Euro) zu teuer und wir sind auch nicht sicher, wie die Einnahmen aufgeteilt werden.

Fünfundvierzig Meilen liegen vor uns bis zu den Wessel Islands, einer Inselkette in Nordost-Südwestrichtung mit fantastischen Ankerplätzen im Lee. Ein schmaler Kanal zwischen zwei Inseln verkürzt die Route nach Darwin um mehr als dreißig Meilen, ist aber wegen seiner tückischen Strömungen gefürchtet. Wir studieren gewissenhaft die Gezeitentabelle. Vormittag ist Flut, das würde uns Gegenströmung bis zu neun Knoten bescheren. Gegen Mittag schlägt die Tide um, was ruhiges Wasser bedeutet, und danach bei Ebbe würden wir mit der Strömung wie eine Rakete durch das Nadelöhr flitzen. Eine Alternative wäre auch noch, im Norden um die Wessels zu segeln. Das kommt natürlich nicht in Frage. Auf dem Weg um den Globus muss jeder anständige Segler durch das berühmte "Hole in the Wall". Anker auf um drei Uhr Früh. Ich komme mir langsam vor wie ein Schichtarbeiter. Das Meer ist aufgewühlt und wir kommen gut voran. Pünktlich um 12 Uhr 30 sind wir an dem Einschnitt, der von Süden kommend gut zu erkennen ist. Keine Strömung, unsere Berechnung scheint zu stimmen. Sollen wir durchSEGELN ... warum nicht? Unsere südafrikanischen Freunde auf "Whiskers" machen auch keine Anstalten, die Segel zu bergen. Unter Genua passieren wir das Loch, das gar nicht so eng ist, wenn das Timing passt. Das Wasser ist spiegelglatt, die Landschaft mit den geschichteten Felsen wunderschön und als Draufgabe ziehen zwei Seeeadler ihre Kreise über uns.


     
 

16. Juli 2011 - Northern Territory bis Darwin

"Skol! Zum Wohl! Prost!" Heidi und Eivind aus Norwegen mit ihren zwei kleinen Buben, Renate und Dieter aus Deutschland und wir beide sind wohl die letzten Segler, die heuer Richtung Darwin unterwegs sind. Über hundert Yachten sind bereits in der großen Stadt im Norden Australiens eingetroffen, von wo sie mit einer organisierten Rallye nach Indonesien weiterziehen. Wir sind soeben verschwitzt von der Wanderung zum Leuchtturm "Cape Don" zurückgekommen und stoßen zum Sundown mit einem kühlen Bier an. Feuerrot versinkt die Sonne am wolkenlosen Horizont, fast gleichzeitig klettert im Osten der große Vollmond herauf. Solche Augenblicke sind kostbar und gehen leicht im Seglergeschwätz unter, wenn die Gruppe zu groß ist. "Geht ihr mit der Rallye?" Wann immer wir ein anderes Boot treffen, wird uns diese Frage gestellt. "Nein!" Wir haben bisher unsere Reise selbst organisiert und werden das durch Indonesien wohl auch schaffen. Sicher werden verschieden Hürden zu meistern sein, doch das gehört zum Kennenlernen eines fremden Landes dazu.

Das Nordterritorium absolvieren wir ziemlich zügig in größeren Etappen. Nur noch elf Breitengrade trennen uns vom Äquator und es wird, zumindest um die Mittagszeit, dementsprechend warm. Unromantische Warnschilder vor Krokodilen an den wunderschönsten Sandstränden lassen uns immer wieder zum Duschschlauch greifen, anstatt zur Abkühlung eine Runde ums Boot zu schwimmen. Entgegen unseren Grundsätzen relaxen wir einen Tag am gepflegten Swimming Pool der "Seven Spirit Bay Wilderness Lodge" in der großen Bucht Port Essington. Mit "Symi" und "Empire" sind wir die einzigen Gäste und werden vom Personal überaus aufmerksam und freundlich umsorgt.

Die Arafurasea liegt hinter uns. Durch eine wolkenlose Vollmondnacht segeln wir unserem letzten Ankerplatz in Australien entgegen. Felix gleitet bei gutem Wind und flachem Wasser siebzig Meilen über den Van Diemen Golf. Mitlaufende Strömung führt uns durch die Inselpassage am Eingang zum Beagle Golf. Bald taucht in der Ferne die Silhouette einer Großstadt auf und viele, viele Masten von Segelbooten. Wir bergen Gross und Genua, ordnen die Leinen und steuern mit Hochgefühl die Fannie Bay an. 2000 Meilen haben wir in 88 Tagen seit Bundaberg zurückgelegt. Darwin, wir kommen!

     

"Skol! Zum Wohl! Prost!" Heidi und Eivind aus Norwegen mit ihren zwei kleinen Buben, Renate und Dieter aus Deutschland und wir beide sind wohl die letzten Segler, die heuer Richtung Darwin unterwegs sind. Über hundert Yachten sind bereits in der großen Stadt im Norden Australiens eingetroffen, von wo sie mit einer organisierten Rallye nach Indonesien weiterziehen. Wir sind soeben verschwitzt von der Wanderung zum Leuchtturm "Cape Don" zurückgekommen und stoßen zum Sundown mit einem kühlen Bier an. Feuerrot versinkt die Sonne am wolkenlosen Horizont, fast gleichzeitig klettert im Osten der große Vollmond herauf. Solche Augenblicke sind kostbar und gehen leicht im Seglergeschwätz unter, wenn die Gruppe zu groß ist. "Geht ihr mit der Rallye?" Wann immer wir ein anderes Boot treffen, wird uns diese Frage gestellt. "Nein!" Wir haben bisher unsere Reise selbst organisiert und werden das durch Indonesien wohl auch schaffen. Sicher werden verschieden Hürden zu meistern sein, doch das gehört zum Kennenlernen eines fremden Landes dazu. 

Das Nordterritorium absolvieren wir ziemlich zügig in größeren Etappen. Nur noch elf Breitengrade trennen uns vom Äquator und es wird, zumindest um die Mittagszeit, dementsprechend warm. Unromantische Warnschilder vor Krokodilen an den wunderschönsten Sandstränden lassen uns immer wieder zum Duschschlauch greifen, anstatt zur Abkühlung eine Runde ums Boot zu schwimmen. Entgegen unseren Grundsätzen relaxen wir einen Tag am gepflegten Swimming Pool der "Seven Spirit Bay Wilderness Lodge" in der großen Bucht Port Essington. Mit "Symi" und "Empire" sind wir die einzigen Gäste und werden vom Personal überaus aufmerksam und freundlich umsorgt.

Die Arafurasee liegt hinter uns. Durch eine wolkenlose Vollmondnacht segeln wir unserem letzten Ankerplatz in Australien entgegen. Felix gleitet bei gutem Wind und flachem Wasser siebzig Meilen über den Van Diemen Golf. Mitlaufende Strömung führt uns durch die Inselpassage am Eingang zum Beagle Golf. Bald taucht in der Ferne die Silhouette einer Großstadt auf und viele, viele Masten von Segelbooten. Wir bergen die Segel, ordnen die Leinen und steuern mit Hochgefühl die Fanny Bay an. 2000 Meilen haben wir in 88 Tagen seit Bundaberg zurückgelegt. Darwin, wir kommen!
 

3. Aug. 2011 - buntes Angebot in Darwin

Ohne recht zu wissen, wie uns geschieht, sitzen wir schon eine Stunde nach unserer Ankunft im Segelclub Darwin beim großen BBQ der Sail-Indonesia-Rallye. Bel und Bob aus Brasilien schleusen uns ein. So können wir noch einmal mit allen Freunden plaudern, die wir in den vergangenen Monaten getroffen haben, obwohl wir uns in der lauten Menge nicht ganz wohl fühlen.
Zweieinhalb Wochen sind seither vergangen, kaum zu glauben! Kein Tag wird uns zu lang. Am Mindilbeach Sunsetmarket stöbern wir in Aborigine-Kunst und Souvenirs in allen Variationen, schlendern vorbei an exotisch duftenden Schmankerln und entscheiden uns schließlich für eine knusprige Pizza aus dem fahrbaren Holzofen.
 Im Crocodylus Park erleben wir hautnah diese urzeitlichen Reptilien vom Baby bis zum ausgewachsenen Süß- und Salzwasserkrokodil. Die unbeweglich im Wasser treibenden Kolosse schnappen blitzartig nach den
Fleischbrocken, die ihnen an einer Schnur baumelnd angeboten werden. War doch besser, dass wir seit Lizzard Island aufs Schwimmen verzichtet haben.
 Renate und Dieter nehmen uns in ihrem Leihauto mit in den Litchfield Nationalpark. In dem trockenen, heißen Land verstecken sich die herrlichsten Schluchten und Wasserfälle, die zum erfrischenden Bad einladen. Wir lassen uns nicht zwei mal bitten. Tut das gut!
 Ein gesellschaftliches Highlight ist am 1. August der Abschluss des "Darwin-Cup". Die Damenwelt nimmt das Pferderennen zum Anlass, um sich herauszuputzen mit fantasievollen Kleidern, Kopfschmuck und unglaublich
hohen Schuhen. Mit ihren eleganten Begleitern steigen sie aus endlos anrollenden Taxis und wanken - bereits zu Mittag undamenhaft betrunken - dem Eingang zu. Großartig! Wir sparen uns den Eintrittspreis.

Die Verlockungen der Tourismusbranche sind in Darwin, wie in allen Zentren Australiens, unerschöpflich. Wir müssen uns aber auch um unser schwimmendes Heim kümmern und Felix für die nächste Etappe fertig machen. Hoffnungsvoll breiten wir unseren Parasailor bei "Nautical Supplies" aus. Gary besieht sich das Malheur. Nach zwei Tagen können wir den Patienten abholen - so gut wie neu, wenn wir ihn sorgsam behandeln.
   Vor dem Darwin Sailing Club steigt der Strand gleichmäßig flach an. Mit den großen Gezeitenunterschieden bis zu sieben Metern haben wir bei Niederwasser oft einen weiten Fußmarsch bis zum Ufer. Das Dingi laden wir auf einen kleinen Hänger, den der Club bereitstellt.
Die Bedingungen sind ideal, um einen Katamaran trocken fallen zu lassen. Das haben wir noch nie gemacht, aber wozu hätten wir denn in Neuseeland die Kiele verstärken lassen? Mit leicht erhöhtem Puls fahren wir bei Hochwasser an den Strand, bis wir gerade noch schwimmen, werfen den Buganker und fixieren uns auch noch mit zwei Heckankern. Das Wasser sinkt und bald sitzen wir auf Grund. Das klappt ja wunderbar! Einige Stunden haben wir jetzt Zeit, um die Rümpfe zu schrubben und am Bachkbordantrieb eine neue Gummidichtung zu verkleben. Am Nachmittag kommt das Wasser zurück und wir schwimmen wieder. Das Spiel wiederholt
sich in der Nacht und auch am nächsten Tag. Diesmal bekommt Felix einen neuen Anstrich mit Antifouling. Wir arbeiten fleißig und ohne Pause, schon kommt das Wasser wieder näher. Gerade rechtzeitig werden wir fertig und bewundern unser Werk. Wir spüren jeden Muskel - Segeln ist mitunter harte Arbeit...

         

 

14. Aug. 2011 - geradeaus ins Red Center

1497 km bis Alice Springs ist am Wegzeiger zu lesen, als wir mit unserem gemieteten Mini-Camper Darwin verlassen. Mit reichlich Wasservorrat, einem Reservekanister Benzin und der kleinen Kühlbox gefüllt mit Proviant sind wir gerüstet für die Reise ins Zentrum des südlichen Kontinents. Wir wollen Australien nicht verlassen, ohne die Weite des Landes erlebt zu haben. Rechten Fuß aufs Gaspedal, Blick nach vorne, lenken...kaum. Kilometer um Kilometer schnurrt unser "Max" (heißt wirklich so) über den Stuart Highway. Nach gut zwei Stunden tauchen Polizeiautos auf und ein Uniformierter winkt uns auf einen Parkplatz. Führerscheinkontrolle, Alkotest, technische Inspektion, alles kein
Problem, aber die 100km/h-Beschränkung haben wir leider übersehen. Grundsätzlich sind 130 Stundenkilometer erlaubt. Für 22 Kilometer zu viel bekommen wir 220,- austral. Dollar Strafe aufgebrummt (etwa 165,- Euro) und das mit einer Amtsmine, die keinen Zweifel aufkommen lässt. Das fängt ja gut an.

Gegen Abend erreichen wir Daly Waters, einen kleinen Ort mit zehn Einwohnern und dem ältesten Pub des Landes. Als Stützpunkt im 2. Weltkrieg und Raststation für Rindertransporte hat es sich in früheren Zeiten einen Namen gemacht. Heute wird der "Geheimtipp" täglich belagert von hunderten Allrad- und Wohnwagentouristen, die profesionell und freundlich mit Livemusik, Witzen, gutem Essen und kaltem Bier abgespeist werden.

Die Bäume entlang der Straße werden weniger, niedriges Buschwerk und hartes Gras geben den Blick frei auf die Ebene des "Barkly Tablelands". In regelmäßigen Abständen taucht ein Roadhouse auf, wo wir kurz Pause machen und den Tank auffüllen. Diese Rasthäuser haben einen urigen Charme als Treffpunkt für Aborigines mit teilweise recht klapprigen Autos und den imposanten "Road Trains", die mit drei Anhängern nach dem Sattelaufleger über fünfzig Meter lang sind.
In der Ferne steigt Rauch auf. Wir fahren direkt darauf zu. Autos kommen uns mit Licht entgegen. Die schwarze Rauchwolke wird größer, Flammen sind zu erkennen. Der Highway führt uns mitten durch. Wir spüren die Hitze des Feuers und steuern beinahe im Blindflug durch den Qualm. Würde der Verkehr nicht unbeirrt weiterrollen, hätten wir das sicher nicht gewagt. Später erfahren wir, das ist im Aborigine-Land ganz normal. So wird der Busch aufgeräumt. Feuer und der Anblick von verbranntem Land erschrecken uns, die Ureinwohner erfreuen sich jedoch seit Jahrtausenden daran und niemand scheint sich aufzuregen.

Alice Springs lassen wir am späten Nachmittag erstmal links liegen und suchen uns im "Stuart Well Caravan Park" ein Plätzchen für die Nacht. Jim, der Besitzer, unterhält seine Gäste mit Geschichten aus der Pionierzeit seiner Eltern und seinem singenden und Klavier spielenden Wildhund "Dinky".
Nach drei Tagen sind wir am Ziel unserer Reise. Zu Mittag checken wir ein im "Ayers Rock Campground". Mit Luxushotels, riesigem Campingplatz und bestens ausgebauten Straßen ist das Gebiet rund um den berühmtesten
Felsen Australiens für den Besucheransturm gerüstet. Noch ist der große "Sunset"-Parkplatz leer. Fast ehrfürchtig stehen wir vor dem Uluru, wie die Ureinwohner ihren heiligen Berg nennen. Von Fotos und Bildern ist er uns lange schon bekannt. Mitten in der Buschlandschaft sind wir von dem massiven, unverwechselbaren Wahrzeichen tief beeindruckt.
Wir besuchen am Nachmittag kurz die "Olgas", die in der Sprache der Aborigines "Kata Tjuta" - viele Köpfe - heißen. Zahlreiche runde Kuppen aus rotem Sandstein erheben sich aus der Ebene und bilden zum wolkenlosen Blau des Himmels ein umwerfendes Bild.
Rechtzeitig vor Sonnenuntergang sind wir wieder zurück und finden kaum noch einen freien Platz. Mit der sinkenden Sonne ändert der Uluru ständig seine Farbe von braun-orange bis leuchtend dunkelrot. Alleine
dieses Schauspiel rechtfertigt die 2000 km lange Fahrt. Höchst zufrieden schlüpfen wir unter die Decke, um im Morgengrauen wieder zur Stelle zu sein. Unglaublich viele Frühaufsteher warten bei schneidig kaltem Wind,
dass die ersten Sonnenstrahlen dem Felsen seine Farbe zurückgeben. Im Vergleich zum Sundown ist die Vorstellung aber eher enttäuschend.
Am Fuß des Berges möchten wir ein romantisches Sonntagsfrühstück genießen, verkriechen uns aber bald mit klappernden Zähnen und eiskalten Fingern in den Bus. Im australischen Winter gibt es im "Red Center" keine Fliegen und tagsüber ist es angenehm warm. Die Temperatur in der Nacht liegt allerdings nahe am Gefrierpunkt.
Beim Marsch um den Ayers Rock zeigt der Felsen seine vielen Gesichter. Manche Stellen sind den Aborigines besonders heilig und dürfen nicht fotografiert werden. Sie bitten auch darum, ihren Berg nicht zu besteigen, was wir gerne respektieren. Viele Touris kommen jedoch extra hierher, um im Gänsemarsch an einem Seil entlang hinaufzukraxeln.

"Ihr müsst unbedingt zum Kings Canyon fahren", hat uns Jim aufgetragen. Zusammen mit seinem Vater war er an der Erschließung des Gebietes beteiligt. Der Abstecher zur Felsenschlucht südwestlich von Alice Springs bedeutet zwar noch einige Kilometer mehr, beschert uns jedoch eine ausgedehnte Wanderung mit unvergesslichen Eindrücken.
Bei der Weiterfahrt riskieren wir eine Abkürzung auf 100 km "unsealed Road". Die breite Staub- und Schotterpiste rüttelt unseren Max ganz schön durch und lässt in Lois Erinnerungen an seine Rallye-Zeit aufkommen.
Genau einen halben Tag verbringen wir in Alic Springs. Eigentlich schade, denn in der angenehmen Stadt inmitten der "Mac Donnel Ranges" würden wir gerne länger in Galerien und Geschäften stöbern und in der
Fußgängerzone bei einem "Flat White" und "Short Black" die Leute
beobachten. Interessante Einblicke in das Schulsystem bekommen wir beim Besuch der "School of the Air". In einem Umkreis 10 mal so groß wie England werden heute 120 Schüler zentral von Alice Springs über Internet betreut. Bis 2003 wurde der Unterricht per Funk abgehalten.

Die Zeit drängt, wir müssen weiter. Felix wartet in Darwin vor Anker auf uns. Australische Freunde haben versprochen, auf unser Boot aufzupassen. Wir spulen wieder Kilometer um Kilometer ab, gewöhnen uns an
Rauchschwaden und schwarze Landschaft und die vielen toten Känguruhs am Straßenrand. Zum Abschluss erholen wir uns im "Nitmiluk Nationalpark" bei Katherine. Durch dreizehn Schluchten windet sich der "Katherine
River". Wir wandern gerade mal bis zur zweiten durch die malerische, trockene Landschaft. Ein Sprung ins kühle Nass erfrischt uns für den Rückweg.
Nach acht Tagen und viertausenddreihundert Kilometern sind wir zurück in Darwin. Felix geht es gut, wir sind erleichtert.
Für kommenden Dienstag haben wir am Zoll einen Termin zum Ausklarieren vereinbart. Am Mittwoch wollen wir weiter - Kurs Bali.