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2011 Indonesien - Thailand

14. Feb. 2012 - Langkawi, Malaysien

Auf zwei Wochen schwimmen, schnorcheln und tauchen in klarem, blauen Wasser hätten wir uns gefreut, bevor wir Felix in der Rebak Marina an Land stellen. Doch wie so oft auf unserer Reise kommt es etwas anders.
Grün ist die Farbe auf Langkawi und seinen 99 Inseln rundherum. Dichter Regenwald überzieht die Hügel mit einer Vielfalt an exotischen Bäumen und Gebüsch, ein Teppich in Grüntönen mit roten und gelben Früchten als Dekoration.
Das Wasser ist ebenfalls grün und undurchsichtig. Schnorcheln macht keine Freude, da wir kaum die Hand vor den Augen sehen und sich auch nur wenige Fischlein zwischen Felsen und spärlichen Korallen hervortrauen. Die Armada aus hellerleuchteten Fischerbooten rückt trotzdem allabendlich aus und durchpflügt jeden Winkel. Bei tropischen Temperaturen um die 35 Grad bleibt zur Abkühlung nur eine Runde schwimmen ums Boot. Seit wir jedoch die ansehnlichen Quallen entdeckt haben, einige davon mit meterlangen Tentakeln, halten wir vorher sehr gewissenhaft Ausschau.

Nur kurz ankern wir in der weiten Bucht vor der Hauptstadt Kuah. Mit einem billigen, alten Leihwagen fahren wir kreuz und quer über die gut ausgebauten Straßen der Insel. Die Doppelmayr-Seilbahn "made in Austria" bringt uns auf den 708 Meter hohen Gunung Mat Cincang mit einem einmaligen Ausblick über die gesamte Inselwelt. Für uns Alpenländler ist eine Fahrt mit der Seilbahn kein großes Abenteuer. Das junge Paar aus Saudi-Arabien wirkt dagegen etwas blass, obwohl von der Frau unter ihrem schwarzen Kittel nur die hübschen Augen zu sehen sind, und auch den beiden Deutschen, die seit Jahren in China leben, macht der Anblick der steilen Felsen und die Höhenluft zu schaffen.
Schöne Strände mit stilvollen Hotelanlagen ziehen besonders im Norden und Südwesten von Langkawi Touristen aus aller Welt an. Wir würden nur gerne einen gepflegten Kaffee trinken, müssen jedoch zuvor zwei Wachposten um Erlaubnis fragen. Die 5-Sterne-Gesellschaft möchte lieber ungestört sein. Frische Croissants vom Frühstücksbufett mit Cappuccino vor einem blendend weißen Palmenstrand und ausgesprochen freundliches Personal machen den Besuch dann doch zu einem exquisiten Erlebnis - für umgerechnet 5,-Euro.

Mit unserem eigenen schwimmenden Hotel suchen wir uns bald ein ruhiges Plätzchen abseits von Island-BBQ, Tropfsteinhöhlen, dem Süßwassersee der himmlischen Prinzessin und anderen Attraktionen. Seeadler ziehen mit mächtigen Schwingen ihre Kreise, gelbschwarze Nashornvögel gleiten an den Hängen entlang und picken mit ihrem kräftigen Schnabel Früchte von den Bäumen, Affenfamilien spielen am Strand, Wildschweine wühlen bei Niederwasser zwischen den Steinen nach Fressbarem und sogar Warane lassen sich blicken. Ein Konzert aus Vogel- und Affenstimmen beginnt am frühen Morgen, nimmt in der Hitze des Tages ab, um am Abend wieder zu erschallen. Wir brauchen kein "Wildlife Center". Die Natur um Langkawi hat zumindest über Wasser viel mehr zu bieten, als wir erwartet hätten.
              

 

29. Jän. 2012 - chinesisches Neujahr in Georgetown, Penang

In offensichtlicher Harmonie liegen die ehrwürdige anglikanische St. George's Kirche, die Kapitan Keling Moschee, der chinesische "Goddess of Mercy"-Tempel und der hinduistische "Mahamariamman"-Tempel in einer Straße nebeneinander. Stundenlang marschiere ich jeden Tag durch die Stadt und bin fasziniert von den Menschen, den vielen bunten Geschäften und den Düften aus indischen Küchen oder chinesischen und malayischen Straßenständen. Weniger angenehm riecht es dagegen aus den offenen Kanalsystemen, die keinen unachtsamen Schritt verzeihen.

Am 23. Jänner feiern die Chinesen Neujahr. Wir mischen uns am Vorabend unter die Menschenmenge auf der Esplanade vor dem Rathaus und verfolgen die dreistündige Show mit Tanzgruppen, Akrobaten und Sängern. Die tanzenden Drachen sind eine echte Augenweide, wobei jeweils zwei Personen, in ihren Bewegungen perfekt abgestimmt, in einem Kostüm stecken. Das Neue Jahr wird Punkt Mitternacht mit einem spektakulären Feuerwerk begrüßt. Stilvoll lassen wir uns anschließend in einer Rikscha zur Marina heimradeln.
Mein nächster Spaziergang durch die Gassen der Altstadt bietet ein ungewohntes Bild. Im Chinesenviertel sind alle Rollläden geschlossen. Sogar im Komtar, dem modernen Einkaufszentrum, herrscht gähnende Leere. Die Chinesen beherrschen das Geschäftsleben in Georgetown und wenn sie einige Tage zusperren, um mit ihren Familien zu feiern, ist das deutlich zu erkennen. Nur in "Little India" herrscht buntes Treiben wie bisher und vor dem chinesichen Gnadentempel werden tausende Zettel mit Wünschen für das neue Jahr verbrannt, dass mir der Qualm fast den Atem nimmt.

In der Marina laufen hektische Vorbereitungen. Der Premierminister kommt am 24. Jänner zu Besuch. Es gibt "Open house", erfahren wir von den Angestellten. Jeder ist eingeladen und kann sich am Büfett bedienen. Dank Walter und Gisela von der "Atlantis" ergattern wir einen Tisch im großen Festzelt, lauschen der Rede von Minister Abdul Razak und den begeisterten "Satu Malaysia!"-Rufen des Publikums. Die Lust aufs Essen vergeht uns allerdings, als wir die heiße Schlacht um Suppen, Nudelgerichte und Fleischspießchen mitansehen.

Nach neun Tagen Stadtleben mit nächtlicher Musikbeschallung aus der Diskothek ist unser Bedarf an Feierlichkeiten und Wirbel gedeckt. Fünfundfünfzig Meilen weiter nördlich können wir auf den grünen Inseln Langkawis die Ruhe fast spüren. In der Hängematte liegend lassen wir die Seele baumeln, hören Vogelgezwitscher und beobachten Äffchen und Wildschweine am Ufer.


     
 

20. Jän. 2012 - Tioman-Singapur-Malakkastraße

Auf der Insel Tioman ist es um diese Zeit recht beschaulich, zumindest an Land. Kaum ein Tourist mischt sich unter die heimische Bevölkerung. Schuld daran ist der Nordostmonsun, der vor der Ostküste Malaysiens mit starkem Schwell das Meer aufwühlt. Unser Ankerplatz ist entsprechend unruhig. An erholsamen Schlaf, auf den wir uns nach der Überfahrt gefreut hätten, ist nicht zu denken. Obst und Gemüse sind Mangelware, da auch das Versorgungsschiff bei diesem Wetter unregelmäßig kommt. Dafür sind die Beamten von Zoll, Hafen- und Einreisebehörde sehr nett und unkompliziert.
Am 10. Jänner brechen wir noch vor dem Morgengrauen auf - Kurs Singapur. Mit gemischten Gefühlen gehen auf Pakia tea noch zwei Freunde unserer Kinder an Bord. Martin und Elke sind für Abenteuer immer offen, haben aber wenig Erfahrung mit hohen Wellen. Die knapp 90 Seemeilen bis zum malaysischen Festland ähneln einer Fahrt mit der Hochschaubahn. Sie nehmen es gelassen und verbringen die meiste Zeit liegend in der Kabine. Im letzten Tageslicht erreichen wir unseren Ankerplatz "geschützt" hinter einer Landzunge und sind schwer enttäuscht, dass uns auch hier der Schwell fast aus dem Bett schmeißt.
Mit großem Kopf und müdem Lächeln steuern wir frühmorgens endgültig die wirtschaftliche Metropole Südostasiens an. Singapur wir kommen! Wind NW 15 Knoten + 2 Knoten Strömung = 8 Knoten Fahrt nur unter Genua. Die Frachter um uns herum werden schnell mehr und erfordern höchste Konzentration am Steuer. Wir schalten den AIS-Alarm aus, der nervt nur. So eine Ansammlung von Ozeanriesen haben wir noch nicht gesehen. Viele liegen vor Anker, zum Glück, aber immer wieder kommt uns einer in die Quere. Ziemlich klein fühlen wir uns und lassen den dicken Brummern lieber die Vorfahrt. Ein rotes Schiff mit weißen Aufbauten muss ich mir genauer anschauen. Kaum zu glauben! Das ist wirklich die "Tampa" aus Norwegen, mit der ich mitten am Pazifik über Funk geplaudert habe.
Die beeindruckende Skyline von Singapur zieht an uns vorüber mit Wolkenkratzern, Riesenrad und Megahotel samt Parkanlage in schwindelnden Höhen. Berühmte Architekten waren wohl hier am Werk. Uns ist gar nicht leid, dass wir im Moment einen Bogen um dieses hektische Treiben machen. Müde wie wir sind, träumen wir nur von einem friedlichen Plätzchen. Kampfjets donnern mit Höllenlärm über unsere Köpfe. Vor uns bahnt sich Pakia tea unter vollen Segeln ihren Weg zwischen Frachtern und Bohrinseln, vorbei an Raffinerien und Öllagern. Wieder in malaysischen Gewässern fällt gegen Mittag der Anker - keine Wellen und kein Schwell - herrlich!

Frisch und fröhlich nehmen wir die Malakkastraße in Angriff zwischen der indonesichen Insel Sumatra im Westen und der Halbinsel von Malaysien im Osten. Nicht zu nahe am Ufer wegen der Fischernetze, aber auch nicht zu weit draußen wegen der Schiffahrtsroute wollen wir die nächsten 350 Meilen bewältigen. Mit zehn bis Fünfzehn Knoten bläst ein angenehmes Lüftchen, aber leider zu sehr aus NW, sodass wir mühsam aufkreuzen müssen. Auf Pulau Pisang (=Bananeninsel!) machen wir Mittagsrast. Fast wären wir verleitet, an Land zu gehen, wo wir mit dem Fernglas tatsächlich Bananenstauden entdecken. Doch die Zeit drängt. Schon Ende Jänner sollen Tom und Sonja von Phuket heimfliegen nach Wien. Der Wind dreht weiter auf Nord und wir erreichen nach einer durchsegelten Nacht mit hellem Wetterleuchten über Sumatra noch vor Tagesanbruch die Zufahrt nach Muar. Wir gönnen uns ein Nickerchen und ein ausgiebiges Frühstück, bevor wir hinter Pakia tea durch teilweise seeeehr seichtes Wasser Richtung Stadt motoren. Die Boote verankern wir im Fluss vor der Brücke. Tom spielt Taxi, weil sein Dingi größer ist. Er bringt uns alle zum "Giant"-Supermarkt und anschließend gegenüber zum Lunch in die Stadt. Den Bauch gefüllt mit pikanten Reis- und Nudelgerichten machen wir das Dingi los - aber der Motor will nicht anspringen. Erst jetzt bemerken wir die starke Strömung im Fluss und können uns gerade noch an einen dicken Pfosten klammern... erleichterte Gesichte, als der Motor endlich schnurrt.

25 Meilen später sind wir in Malakka (malays. Melaka). Es ist bereits finster und wir suchen uns mit Hilfe der elektronischen Seekarte nördlich der Einfahrt einen Schlafplatz. In der Ferne funkeln die Lichter der Vorstadt. Ich stehe am Bug und halte plötzlich die Luft an. Da, gar nicht weit, das ist Strand, kein Wasser. Stopp! Lois zweifelt. Laut Karte haben wir noch viel Platz. Zurück! Er holt den starken Scheinwerfer. Tatsächlich, das war knapp. Der nächste Morgen bringt es ans Licht. Mit schwerem Gerät wird gebaggert und gewerkt und der Strand aufgeschüttet.
Malakka, die älteste Stadt Malaysiens, geht im Touristenkitsch unter. Ohne Zweifel gibt es interessante Bauwerke aus der Zeit der Portugiesen, Holländer und Briten. Aber warum müssen die Rikschas (Fahrradtaxis) bis zum Übermaß mit Plastikblumen geschmückt sein und aus vier Boxen lautstark Musik verbreiten? Zum chinesichen Neujahrsfest wird ein überdimensionaler Drache montiert. Am Hafen entstehen neue Prunkbauten. Bleibt zu hoffen, dass auch noch Geld für die Kanalisation übrig ist, denn der Fluss stinkt wie eine Kloake.

Die restlichen 250 Meilen sind heiß und windstill. Der Motor brummt und wir schwitzen. Nur kurz machen wir Zwischenstopp auf den Sembilan Inseln. Üppiger Regenwald mit weißen Stränden wirkt traumhaft, das Wasser ist jedoch grün und schmutzig von den nahen Flussmündungen. Außerdem fällt der Grund sehr steil von 16 auf 90 Meter ab und starke Strömungen treiben unsere Boote kreuz und quer. Anker auf und weiter geht´s! Während der Nachtwachen bleibt keine Zeit für ein gutes Buch. Zu viele rot- grün- gelb- blinkende Lichter verlangen ungeteilte Aufmerksamkeit. Entweder es sind beleuchtete Stellnetze oder Fischerboote, die scheinbar grundlos die Richtung ändern und unbedingt noch vor uns rüber müssen.
Wir sind recht froh, als am dritten Tag die Insel Penang mit der Silhouette von Georgetown vor uns auftaucht. Stolz fahren wir unter der weitausladenden "Pinang"- Brücke durch und machen bald darauf in der "Tanjong City Marina" fest mit Blick auf die Altstadt von Georgetown. Die Crew von Pakia tea gönnt sich zwei Tage die Annehmlichkeiten des Marinalebens, ausgefüllt mit bunkern, Treibstoff besorgen und Wäsche waschen. Gestern früh haben wir zum Abschied gewunken und sehen zu, wie die zwei Masten Richtung Langkawi entschwinden. Passt auf euch auf und kommt gut heim!
             

 

9. Jän. 2012 - Same, same - but different...

...ist ein beliebter Spruch in Thailand und so wunderbar vielfältig anwendbar.
Aus Kärnten, Tirol, Wien und New York ist die Verwandtschaft zu den Festtagen angereist. Wir haben Weihnachten gefeiert genau wie daheim mit feinem Essen, gemeinsamen Weihnachtsliedern, Vanillekipferln und Geschenken. Nur der Christbaum war anders - eine kleine Kokospalme vom nahen Sandstrand, geschmückt mit Girlanden und selbstgebastelten Farnbällchen.
Auch den Silvesterabend haben wir recht gemütlich verbracht mit Donauwalzer, Sekt und Feuerwerk. Zum Unterschied haben wir keine Feuerwerkskörper abgeschossen, sondern abgelaufene Seenotraketen. Hinterher haben wir mit einer weißen Leuchtkugel Entwarnung gegeben. Ordnung muss sein.

Zwei turbulente Wochen in geselliger Runde vergehen wie im Flug. Wir segeln 600 Meilen in 5 Tagen und sind seit gestern früh wieder auf der malaysischen Insel Tioman. Diese Strecke zwischen Ölfeldern und Fischerbooten haben wir Anfang November schon einmal zurückgelegt . Aber diesmal haben wir gemeinsam mit Tom und Sonja auf "Pakia tea" den Anker gelichtet. Als frisch gebackenes Ehepaar überstellen sie ihren Wharram Katamaran von Kho Chang über Singapur nach Phuket und wir werden sie dabei ein Stück begleiten.

Ganz nach ihrem Geschmack haben die beiden am Strand von Koh Mak den Bund fürs Leben geschlossen, in eleganten Badesachen barfuß im Sand.
"Felix" und "Pakia tea" ankern davor im seichten Wasser, dem Anlass entsprechend festlich über Top geflaggt. Die Hochzeit wird mit Eltern und Geschwistern ausgiebig gefeiert unter Palmen bei tropischen Temperaturen...ein wenig anders als daheim.
     
 

16. Dez. 2011 - Advent in Thailand

Ein abwechslungsreiches Segeljahr mit vielen schönen Erlebnissen und
Begegnungen und auch so manchen aufregenden Stunden liegt hinter uns.
Felix hat uns seit Anfang April von Bundaberg in Australien bis Koh
Chang in Thailand 5000 Seemeilen über die Meere getragen.
Die vergangenen Wochen haben wir geruhsam in dieser schönen Gegend
verbracht und an jedem Adventsonntag eine Kerze mehr am "Adventkranz"
angezündet. Bei 30 Grad, Palmen und Sandstrand fällt es schwer, an
Schnee, Tannenduft und Glühwein zu denken. Trotzdem freuen wir uns schon
sehr auf das Weihnachtsfest, das wir heuer mit unseren Kindern in
Thailand feiern werden.

Wir wünschen allen unseren Freunden daheim und auf See und den vielen
treuen Lesern unserer Berichte
ein FROHES WEIHNACHTSFEST UND EIN GLÜCKLICHES NEUES JAHR 2012!

Alois und Sonja

  

 

8. Dez. 2011 - Ruhepause und Kambodscha-Tour

Entlang der Westküste von Koh Chang erkunden wir gemächlich die touristische Seite der Insel. Die Sandstrände werden immer schmäler, weil mehr und mehr Hotelburgen mit ausgedehnten Poolanlagen um Gäste werben. Wir werden mit Musik berieselt und verfolgen von Bord die allabendliche Feuershow. Es gibt aber trotz wachsendem Tourismus auch hier noch gemütliche Plätzchen und vor allem viele nette Menschen. Die Kellner im Restaurant "The Beach" sind schwer beeindruckt, dass wir auf dem Boot da draußen leben. Mit dem Paddelboot rudern sie heraus und freuen sich wie die Schneekönige, dass sie uns besuchen dürfen.
In der Bucht "Khlong Phrao" steht ein Fischer am Strand und will mit uns im Dingi zu seinem Boot mitfahren. Als Dank für die Überfuhr schenkt er uns einen Sack Garnelen, die für vier leckere Mahlzeiten reichen. Kein schlechtes Geschäft! Heute sitze ich im Cockpit und schreibe an diesem Bericht. Nicht weit von uns liegen drei Fischerboote im Päckchen. Immer wieder höre ich ein Rufen und wenn ich aufschaue gestikuliert einer mit den Armen. Ich schreibe weiter, wo ich mich endlich dazu entschlossen habe. Das Rufen hört nicht auf - wir sollen kommen. Na gut, ich lege Bleistift und Block weg und wir düsen mit ein paar Dosen kaltem Bier rüber. Unser Freund vom letzten mal erwartet uns strahlend, füllt einen riesigen Sack mit Garnelen und Krabben und fährt mit zwei Kollegen mit zurück auf Felix. Was sollen wir mit so vielen Meerestieren? Ich kann es ihnen aber schwer erklären. Die Fischer können kein Wort Englisch und wir kein Thai. Es folgen gemütliche Stunden, in denen wir gemeinsam kochen, essen, Kaffee trinken und uns köstlich unterhalten, obwohl keiner den anderen versteht. Der 19-jährige Sund blättert verbissen in unserem Deutsch-Thai Sprachführer und möchte gerne ein paar Worte Englisch lernen. Schnell besorgen wir im Ort ein kleines Englisch-Thai Wörterbuch und revanchieren uns damit bei unseren Fischerfreunden.

So vergehen auch mit "Dolce far niente" (der Käpt´n), schwimmen und morgendlichen Strandläufen (ich) die Tage. Unser 1-Monat-Visum, das wir bei der Ankunft bekommen haben, läuft bald ab. Wir buchen eine Tour ins angrenzende Kambodscha, um bei der erneuten Einreise nach Thailand das 2-Monats-Visum zu nützen, das wir in Kuala Lumpur beantragt haben. Lois muss bei der Immigration eine Kaution von 20.000,- Baht hinterlegen, sonst darf er als Kapitän nicht auf dem Landweg ausreisen. Bei unserer Rückkehr bekommen wir das Geld wieder.

In Kambodscha gönnen wir uns drei Tage organisierten Luxus. Schon in Thailand ist der Lebensstil abseits der Touristenpfade relativ bescheiden. Kambodscha ist im Vergleich dazu aber noch um einiges ärmer. Die von Hand gezogenen Holzkarren, Staub und Gestank vermitteln nach der Grenze einen ersten Eindruck. Wir reisen im klimatisierten Kleinbus und danach mit dem Taxi bis Siem Reap, wo wir im 4-Sterne-Hotel absteigen. Am Abend bringt uns eine Limousine zum Dinner. So umsorgt wurden wir schon lange nicht mehr. Mit privatem Fahrer und Guide besichtigen wir am nächsten Tag die berühmten Tempelanlagen von Angkor. Von Ban Teay Srei mit den gut erhaltenen Fresken, über Angkor Thom, das im Dschungel von Baumriesen überwachsen ist, weiter nach Bayan mit den über 200 lächelnden Gesichtern und als krönenden Abschluss in Angkor Wat erfahren wir unendlich viel über Könige und hinduistische und buddhistische Gottheiten. Vom 8. bis zum 13. Jahrhundert haben Khmer-Könige als sichtbares Zeichen ihrer Macht diese einmaligen Anlagen errichtet. In der darauffolgenden teilweise blutigen Geschichte Kambodschas wurden sie von der Natur zurückerobert. Erst im 20. Jahrhundert begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten und heute strömen Touristen aus aller Welt zu diesen beeindruckenden Bauwerken.
Zum Sonnenuntergang fahren wir mit einem Boot auf den großen Süßwassersee "Tonle Sap" hinaus und besichtigen das schwimmende Dorf. Wieder einmal müssen wir erkennen, auf wie viele Arten Menschen leben. Die Sonne versinkt malerisch, die Lebensbedingungen hier sind alles andere. Das "Floating Village" wird ebenfalls als Touristenattraktion vermarktet, wodurch wenigstens etwas Geld in die Region kommt.


          

 

19. Nov. 2011 - Koh Chang, Thailand

Ao Salak Phet heißt die große Bucht im Süden von Koh Chang. 4900 Meilen haben wir seit Bundaberg zurückgelegt und lassen mit einem erleichterten "Plopp" den Anker fallen. Felix liegt ruhig wie aufgebockt. Bewaldete Berge und Hügel, Mangroven und auf Stelzen ins Meer gebaute Fischerhütten umgeben uns. Bunte Fischerboote runden als Farbkleks das Bild ab. Einige kleine Resorts kümmern sich um die wenigen Touristen, die sich in diese idyllische Ecke verirren. Das "Island View Resort" wird unser Stützpunkt. Der Chef kommt aus Deutschland und hat viele deutschsprachige Gäste, die sich in gemütlicher Runde auf der luftigen Veranda treffen. Für uns ist die Gesellschaft eine nette Abwechslung zum Segleralltag. Bei gutem Essen und einem kühlen "Singha" fühlen wir uns schnell heimisch.
Am angeschlossenen Steg und den Mooringbojen liegt die Flotte von "Gulf Charter". Unser Sohn und seine Freundin haben vor einigen Jahren hier auf einem großen Wharram-Katamaran Urlaub gemacht. Das Boot hat den beiden Meeresbiologen so gut gefallen, dass sie es gekauft haben und für ihr "Planet-Ocean" Projekt adaptieren wollen (mehr unter www.planet-ocean.at). Elegant plätschert "Pakia tea" an der Mooring und wartet geduldig auf die Rückkehr von Tom und Sonja.

Wir leihen uns ein 125-ccm Motorrad und erkunden die Umgebung. Dieter versorgt uns mit ausführlichen Informationen. Was wir leider nicht bekommen, ist ein ordentlicher Helm. Das wackelige, verschwitzte Exemplar lassen wir lieber liegen. Auf Koh Chang kümmert sich keiner, ob wir mit oder ohne Helm fahren, aber es widerspricht unseren Prinzipien. Mit der Fähre fahren wir aufs Festland und werden auf der Kreuzung vor Laem Ngop prompt von der Polizei angehalten. 200 Baht bekommen wir aufgebrummt, die wir auf der Polizeistation in der Stadt bezahlen sollen. Die Beamten sind äußerst höflich und treiben für den Betrag von umgerechnet 5,- Euro einen unglaublichen bürokratischen Aufwand. Beim nächsten Mopedhändler erstehen wir für 2 x 160 Baht wunderschöne neue Helme.
Koh Chang gefällt uns. Der Rundweg durch die Mangroven ist malerisch - Im chinesischen Tempel wird ein Fest gefeiert und alle Besucher sind zum schmackhaften, vegetarischen Mittagmahl eingeladen - Elefanten sind faszinierende Dickhäuter. Lange beobachten wir sie aus nächster Nähe - Das Bad am Wasserfall ist herrlich erfrischend....So richtig auskosten können wir das Inselleben allerdings nicht. Zuvor müssen wir noch die Internationale Klinik in "White Sand Beach" aufsuchen. Bei Lois wird ein Leistenbruch festgestellt, den er sich wahrscheinlich beim Dieselbunkern auf Tioman zugezogen hat. Der Bruch ist nicht akut bedrohlich, sollte aber bald operiert werden.

Schon am nächsten Tag brechen wir kurz vor sechs Uhr auf, erwischen die erste Fähre, fahren mit einem holprigen Sammeltaxi nach Trat und von dort mit einem Linienbus fünf Stunden nach Pattaya. Lois wird im "Bangkok Hospital" nochmals von einem sympathischen Arzt untersucht und noch am selben Abend operiert. Um 20 Uhr wird er in ein sehr geräumiges Zimmer gebracht, wo auch ich auf dem Sofa übernachten kann. Nach der Visite am Vormittag können wir, ausgerüstet mit Pflaster und Medikamenten, das Spital schon wieder verlassen. Mit der medizinischen Versorgung und der angenehmen Betreuung in diesem Privatkrankenhaus sind wir mehr als zufrieden. Allerdings ist der Standard in staatlichen Einrichtungen, die allen thailändischen Bürgern zur Verfügung stehen, angeblich wesentlich niedriger.
Wir gönnen uns noch einen Tag Erholung in einem Hotel, bevor wir die lange Rückfahrt antreten. Weniger als 48 Stunden nach der Operation sitzt der Patient schon wieder am Motorrad und fährt von der Fähre heim in unsere Bucht. Einige Wochen ist jetzt NICHTSTUN angesagt.


        

 

4. Nov. 2011 - die letzten Fremden auf Perhentian

Am Samstag wird im Fischerdorf auf Perhentian Kecil, der kleineren der beiden Inseln, ein Fest gefeiert. Jung und Alt trifft sich zu Wettkämpfen und geselligem Beisammensein. Wir sind beinahe die letzten Fremden, die sich noch auf den Inseln aufhalten. Kaum werden wir in dem Trubel beachtet. Die Malaysier sind höflich und zurückhaltend.
Schöne Tauchplätze soll es hier geben, die wir erkunden wollen. Aber leider sind wir zu spät. Ende Oktober schickt der Nordost-Monsun seine Vorboten mit Schwell und heftigen Regenschauern. Das Wasser wird milchig trüb und die Sicht sinkt auf weniger als fünf Meter. Auch unsere Schnorchelausflüge sind recht enttäuschend. Die Saison ist eindeutig vorbei und die zahlreichen Resorts schließen für drei Monaten ihre Pforten. Manche sichern den Strand und die Eingänge mit Sandsäcken gegen Sturm und Überschwemmungen. Die Ostküste Malaysiens ist von November bis Anfang Februar eher ungemütlich.
In der großen Bucht von Perhentian Besar liegen wir geschützt vor unserem "Privat"-Strand und warten auf den richtigen Zeitpunkt für die 350-Meilen nach Norden über den Golf von Thailand. Gestern früh haben wir den Anker gelichtet, müssen bei wechselhaften Wind- und Wetterbedingungen viel motoren und haben in der Nacht die hellerleuchteten Ölplattformen und Tankschiffe vor der malaysischen Küste passiert. Mit Kurs 353° schaukeln wir nun der Inselwelt von Koh Chang entgegen, wo wir uns auf einige unbeschwerte Wochen freuen.


   
 

26. Okt. 2011 - Nationalfeiertagsschnitzel in Malaysien

Seit einer Woche hüpfen wir entlang der Ostküste Malaysiens von Insel zu Insel, von einem kitschigen Ankerplatz zum nächsten. Die Motoren brummen abwechselnd. Entweder wir haben gar keinen Wind oder zu sehr gegenan. Die langfristige Vorhersage ändert sich täglich und stimmt eigentlich nie. In der Umstellungszeit von Südwest- auf Nordostmonsun gibt es keine verlässliche Prognose. Schwarze Wolken bescheren uns immer wieder heftige Regengüsse begleitet von Blitz und Donner.

Am heutigen 26. Oktober motoren wir fünfzig Meilen von der Insel Kapas bis Perhentian. Aus Gewohnheit legen wir die Angel aus, gefangen haben wir schon länger nichts mehr. Gerne hätte ich ein österreichisches Feiertagsessen gezaubert, mir fehlen dazu aber leider die Zutaten. Fleisch gibt es an Bord nur in Form von "Corned Beef" für den äußersten Notfall. Ein langes "Drrr" ... wir horchen erstaunt auf. Da scheint wirklich ein Fisch gebissen zu haben. Lois kurbelt den Fang heran, ich stehe mit dem Kescher bereit und schwupp, landet ein schöner Wahoo auf der Badeplattform. Ein Schluck Tequila ins Maul lässt ihn nicht lange zappeln und Lois beginnt bald, ihn auszunehmen und zu filletieren. Der Wahoo gehört mit seinem hellen, festen Fleisch zu unseren Favoriten. Ich schneide aus den Fillets flache Stücke. In Mehl-Eier-Brösel paniert ähneln sie fast einem Schnitzel, dazu Petersilerdäpfel und Salat. Was brauchen wir mehr? Ach ja, ein kühles Bier zum Runterspülen und als Nachspeise Marmorkuchen und Kaffee. Nasi Goreng, Lammcurry und alle diese exotischen Speisen schmecken auch wunderbar. An manchen Tagen muss es aber schon nach Heimat duften. Wir sind und bleiben eben Österreicher, egal wie lange wir über die Meere segeln.

    

 

19. Okt. 2011 - AusFLUG von P. Tioman nach Kuala Lumpur

Durch Zufall ergattern wir einen Platz in der kleinen Marina auf Pulau Tioman. "Alles voll", meint der Hafenmeister. "That´s not my responsibility", ist seine Lieblingsaussage. Wir erfahren, dass ein Segler rausfährt und beeilen uns, die Lücke aufzufüllen. Alle sind zufrieden, so einfach ist das hier.
Die Landebahn hinter dem Ort Tekek ist nur für geübte Piloten geeignet. Zwei mal täglich kommt eine Propellermaschine der "Berjaya Air" aus Kuala Lumpur. Felix ist sicher aufgehoben, also ergreifen wir die Gelegenheit und fliegen für drei Tage in die malaysische Hauptstadt. Sogar als abgebrühte Vielflieger beobachten wir gespannt, wie die Maschine mit dröhnenden Motoren abhebt und kurz darauf in einer Steilkurve entlang dichtbewaldeter Hügel mit uns Richtung Meer entschwebt.
Genau eine Stunde dauert der Flug. Wir stehen unter Zeitdruck, denn noch vor halb zwölf Uhr sollen wir auf der thailändischen Botschaft unseren Antrag für das Touristenvisum abgeben. Rasch handeln wir einen annehmbaren Taxipreis aus und ersuchen den Fahrer, sich nach Möglichkeit zu beeilen. Der nette, ältere Herr kennt sich aus im dichten Verkehrsgetümmel und nützt jede Chance. Er hängt sich ohne Zögern an eine Polizeieskorte und findet umsichtig immer die beste Spur. Wirklich noch rechtzeitig setzt er uns an der Jalan Ampang Nr. 206 ab.
Die Botschaftsangestellten arbeiten wie am Fließband ohne Lächeln oder Gruß. Pass und Antragsformular abgeben, egal was draufsteht, 110 Ringit (etwa 28,- Euro) bezahlen, der Nächste! Wir wollen noch anmerken, dass wir mit dem Boot einreisen und hätten gerne gewusst, ab wann das Visum läuft. Durch das Sprechfenster in der Glasscheibe wird uns eine knappe Antwort hingeschmissen. Danke vielmals! Nächsten Tag um halb drei Uhr stellen wir uns in die Schlange der Thailandreisenden und holen unsere Pässe wieder ab. Die Bestimmungen in den verschiedenen Ländern müssen wir so akzeptieren, wie sie sind. In Malaysien dürfen wir drei Monate bleiben ohne irgendwelche Kosten, die Thais machen eben ein Geschäft daraus.

Im indischen Viertel suchen wir uns ein Quartier. Das "Garden City Hotel", ein älteres Gebäude mit Blumen an den Fenstern, macht einen freundlichen Eindruck. Das Zimmer ist allerdings recht klein mit abgenutzten Möbeln. Es efüllt seinen Zweck, die Klimaanlage funktioniert und nach Reklamation geht auch die Klospülung.
Ende Oktober feiern die Inder "Deepavali", das hinduistische Lichterfest. Schon jetzt sind die Straßen voll mit Verkaufsständen. Süßigkeiten, Knabbereien, Kleider und Krimskrams werden angeboten, Häuser und Wohnungen mit Lichterketten und "Happy Deepavali" Schildern geschmückt.
Zu Fuß und mit dem Taxi erobern wir die Stadt. Vom KL-Tower, dem vierthöchsten Fernsehturm der Welt, sehen wir Wolkenkratzer und alte Stadtviertel von der Vogelperspektive. Die Petronas-Twin-Towers waren bis vor wenigen Jahren die höchsten Gebäude weltweit. Wir fahren nicht nach oben, sondern flanieren an schicken Markengeschäften entlang, relaxen bei einer Melange im "Café Vienna" und erleben als Draufgabe einen Empfang der Königin in der Galerie.
Chinatown ist ein Anziehungspunkt für Einheimische und Touristen. Alles, was der Mensch braucht - oder auch nicht - wird zu Billigstpreisen angeboten. Verlockende Genüsse für den Gaumen verhelfen eventuell zu einem verdorbenen Magen. Wir sind lieber vorsichtig mit solchen Schmankerln.Das alterwürdige "Coliseum Restaurant" ist berühmt für sein "Sizzling Steak". Das leisten wir uns natürlich, sowie ein Abendessen in einem stilvollen Lokal am "Central Market". Die Calamari sind wunderbar zart und der Salat wohlschmeckend mariniert. Genau mit dem letzten Bissen erwische ich eine teuflisch scharfe Chilischote, die mir die Tränen in die Augen treibt. Mund und Hals brennen wie Feuer. Voll Mitgefühl bringt mir der Kellner ein paar Servietten und ein Glas Eiswasser. Könnt ihr diese Biester nicht extra servieren? Das gehört ja verboten! Langsam lässt der Schmerz nach und ich spüle meinen Ärger runter.
Die Bevölkerung von Kuala Lumpur ist eine Mischung aus Indern, Chinesen und Malayen. Frauen mit Kopftüchern zu Jeans oder traditioneller Kleidung, Männer in modernem Anzug oder indischen Gewändern - die Stadt ist bunt, beeindruckend und ungewohnt laut. Großkaufhäuser und viele kleine "Pasars", Verkehrslärm und Musik - müde betreten wir barfuß den "Sri Mahamariammam Tempel", setzen uns auf den Boden und verfolgen die abendliche Opferzeremonie.

Am Samstag Vormittag bringt uns das Propellerflugzeug wieder wohlbehalten zurück. Die Ohren müssen sich nach dem Großstadtwirbel erst wieder an Ruhe und Vogelzwitschern gewöhnen. Auf der Insel geht es gemütlicher zu, obwohl Pulau Tioman viele Tauchtouristen anzieht. Ein sehr interessantes "Marine Park Center" gibt Einblick für jedermann in die Unterwasserwelt und informiert über den Schutz der Korallenriffe und eine sinnvolle Fischereiwirtschaft. Unsere Abreise verschieben wir von einem Tag auf den anderen. Es ist gemütlich in der Marina und außerdem recht günstig. Den seltenen Luxus, jederzeit ins Dorf gehen zu können oder einen Spaziergang durch den Dschungel zu machen, wo Äffchen am Straßenrand herumhüpfen, wollen wir nicht so schnell aufgeben.


          

 

11.Okt.2011 - Südchinesisches Meer

Da schwimmt was, ein Plastiksackerl, ein Fähnchen und dort eine Styroporbox. Meilenweit steuern wir Felix durch einen Wald von kaum erkannbaren Markierungen, an denen wahrscheinlich Fischreusen befestigt sind. Vor Einbruch der Dunkelheit hat dieser Irrlauf zum Glück ein Ende. Mit schwachem SW-Wind segeln oder motoren wir durch die Nacht und erreichen am Vormittag die Tambelan-Gruppe. Vor dem Inselchen Ibul tasten wir uns an das Saumriff heran, suchen einen Ankerplatz frei von Korallen und atmen erstmal tief durch. Diese zauberhafte Gegend ist in keinem Reiseprospekt zu finden. Auf den hügeligen Inseln kann schwer ein Flugzeug landen. Nur einige Fischerboote tuckern herum, ansonsten haben wir Sandstrand und Palmen für uns alleine. Das Riff erkunden wir mit Schnorchel und Flossen. Viele kleine Fische begleiten uns zwischen prächtigen Tisch- und Geweihkorallen. Die größeren Exemplare sind wohl schon im Netz der Fischer gelandet.
Fast wehmütig lichten wir bald wieder den Anker. Knapp 48 Stunden sollten wir bis zur Insel Tioman in W-Malaysien brauchen. Die Überfahrt im Südchinesischen Meer, die uns etwas im Magen liegt, ist auf dieser Breite relativ überschaubar. Ich schneide Karotten und Grünzeug für ein Gemüsecurry und werfe kurz einen Blick durch die Luke. Die schwarze Front im Westen gefällt mir gar nicht. Kaum haben wir ein zweites Reff ins Groß gesetzt, beginnt es zu stürmen und zu schütten. Wir drehen bei und Lois bemüht sich, das Großsegel ganz zu bergen. Der Wind brüllt gewaltig, 45 bis 48 Knoten lese ich ab. Endlich hat er es geschafft und wir fahren mit stark gereffter Genua weiter. Rundherum ist es finster und das zur Mittagszeit. Keine Änderung in Aussicht! Unseren Kurs von 293° können wir nicht halten. Es treibt uns viel zu weit nach Norden. Das müssen wir uns nicht antun. Wir kehren um und steuern mit dem Wind im Rücken noch einmal die Tambelans an. Klatschnass und heilfroh landen wir diesmal auf der Insel Uwi und sind auch von diesem Plätzchen restlos begeistert.
Zweimal täglich studieren wir die Wettervorhersage. Als wir schließlich wieder aufbrechen, haben wir anstatt Süd- bis Südwestwind nur ein zartes Lüftchen aus Ost. Starkes Wetterleuchten und Donnergrollen begleitet uns durch die Nacht und die Wolken türmen sich zu beeindruckenden Gebilden.
Die Querung der stark befahrenen Schiffahrtsroute nördlich von Singapur erfordert höchste Aufmerksamkeit und ist gar nicht gut für meine Nerven. Fünf Frachter von Norden und fünf Frachter von Süden zeigt uns das AIS am Bildschirm. Wir können auch ihre Position, Geschwindigkeit und Kurs abfragen. Wie durch ein Wunder kommen wir an allen diesen Kolossen ohne Probleme vorbei. Kurz vor Tioman kommt nochmals ein Schiff ziemlich langsam auf uns zu, diesmal auf Kollisionskurs. Über Funk ersuche ich den Kapitän, uns an seinem Bug passieren zu lassen. Ist in Ordnung, meint er...und beschleunigt. So wird das nichts. Ich frage nochmals, ob wir ohne Gefahr hinter ihm vorbei können, oder ob er etwas nachzieht. Ist ok, meint er wieder. Wir passieren nicht zu knapp an seinem Heck und sehen erst im Morgengrauen, dass wir beinahe in einen Schleppverband geraten wären.


   
 

2. Okt. 2011 - Pontianak, Stadt am Äquator

Das Kreuz des Südens hat uns zweieinhalb Jahre begleitet. In den vergangenen Wochen ist es bereits in der Abenddämmerung am Horizont verschwunden. Dafür steht die Sonne zu dieser Jahreszeit direkt über uns und beschert uns schweißtreibende Temperaturen. Besonders um die Mittagszeit halten wir uns nur unter dem Biminidach auf und sind froh über jeden Lufthauch.
Am 29. September um 9 Uhr überqueren wir den Äquator. Neptun war uns  gewogen auf unvergesslichen Meilen durch die Südsee und möge es auch auf der Nordhalbkugel bleiben. Käpt'n Alois spendiert ihm zum Dank zwei Stamperl "Bounty Rum", für jeden Rumpf eines.
Nach dieser feierlichen Zeremonie steuern wir die erste Markierungsboje zur Einfahrt nach Pontianak an. Das Meer ist braun wie Sch.k....e, kaum einen Meter tief und die Betonnung viel breiter als die Fahrtrinne. Zeitweise haben wir weniger als die gute Handbreit Wasser unter den Kielen. Endlich erreichen wir die Flussmündung des "Kapuas Kecil" und die Magennerven entspannen sich wieder. Auf der langen Flussfahrt zur Stadt überqueren wir nochmals den Äquator, dem zwischen Lagerhallen und Moscheen ein weithin sichtbares Denkmal errichtet wurde.
Wir schlängeln uns durch Fischerboote und Frachtschiffe vorbei am lärmenden Hafengelände. Einfache, zum Teil in fröhlichen Farben gestrichene Holzhäuser und dicht gedrängte Wohnviertel säumen das Flussufer. Die Luft ist stickig und riecht nach Rauch. Alle Augen sind auf uns gerichtet. Segler verirren sich wohl selten hierher. Wir kehren um und ankern im Hafen, das scheint uns sicherer zu sein. Eine dunkelbraune Brühe umgibt uns, verziert mit Müll und abgerissenen Büschen. Wir beobachten spielende Kinder im Wasser und Frauen und Männer, die sich darin waschen. Eine sonderbare Idylle! Wir würden nicht einmal die Zehen in diese Kloake tauchen.

Am nächsten Morgen sperren wir Felix gut ab mit Schlössern an allen Luken, um niemanden in Versuchung zu führen. Mit dem Dingi machen wir uns auf in die Stadt. Nach Pontianak, der Hauptstadt von West-Kalimantan, sind wir hauptsächlich zum Ausklarieren gekommen. Wir wollen Indonesien wieder verlassen und mit dem SW-Monsun an die Ostküste von W-Malaysien segeln. Diese Windrichtung soll bis Ende Oktober anhalten, bevor der NO-Monsun einsetzt. Die Idee, an der Küste Borneos noch weiter nach Norden zu ziehen, geben wir wegen der Gefahr von Taifunen auf. Unsere Routenplanung richtet sich immer nach der Wettersituation. Lieber lassen wir verlockende Ziele links liegen, als in einen Sturm zu geraten oder tagelang hart am Wind zu segeln.
Wir binden unser Dingi neben einem Boot der "Polisi" an und machen uns auf einen anstrengenden Behördenweg gefasst. Ich bin gut vorbereitet. "Di mana pabean?" Wo ist der Zoll, die Einwanderungsbehörde und der Hafenmeister, steht auf meinem Schummelzettel. Die Uniformierten am Zoll schütteln uns freundlich die Hand, wissen aber nichts mit uns anzufangen. Sie schicken uns zur Imigrasi. Der Beamte ist gerade nicht da, so können wir inzwischen eine Übung des Militärs für den morgigen Staatsbesuch aus Jakarta mitverfolgen. Polizisten und Passanten begrüßen uns und einige wollen ihr dürftiges Englisch anbringen. "Where are you from, Mister?" Europa ist ihnen noch ein Begriff, aber mit Austria können sie nicht viel anfangen. "Ah, Australia!" Nein, Austria, wiederholen wir geduldig immer wieder.
Der Beamte kommt mit dem Moped zurück. Er nimmt den Helm ab, hängt gewissenhaft seine Jacke an die Wand und bietet uns ihm gegenüber an seinem leeren Schreibtisch Platz an. Was wollt ihr? Aha, check out. Nach Malaysien. Mit dem Segelboot (Kapal layar - steht auf meinem Zettel). Ihr kommt von Bali. Wollt nach Kuching. Nein, nach Tioman. Kennt er offensichtlich nicht, aber egal. Er muss kurz telefonieren, dann lächelt er zufrieden. Wir geben ihm vier Crewlisten. Er zaubert aus einer Lade viele Stempel in allen Größen und Formen und füllt nach unseren Angaben die Papiere aus. Schließlich versieht der gute Mann noch unsere Pässe mit dem Ausreisestempel und fragt höflich, ob das so in Ordnung ist. Kein Wort von irgendeiner "Gebühr", wir können es kaum glauben. "Terima kasih!" Wir sind erleichtert und dankbar für die unbürokratische Abwicklung.

Bevor wir am 1. Oktober den Anker lichten, wäscht ein kräftiger Regenschauer den Ruß vom Boot. Lange würden wir es in diesem Lärm und Gestank nicht aushalten, aber der Abschied ist trotzdem rührend. Winkend und schreiend stehen Schulkinder am Ufer. Die Besatzungen der umliegenden Frachter und sogar die Beamten eines Zollbootes lachen und winken und wünschen uns eine gute Reise. Die Passagiere eines übervollen Fährschiffes stimmen ein Jubelkonzert an, als wären wir Popstars. Diese spontane Lebensfreude der Indonesier ist ansteckend und hilft, so manche Unannehmlichkeit aus unserer Erinnerung zu löschen.


    
 

27. Sept. 2011 - die Fischer von Pulau Serutu

Mit leicht flauem Gefühl beobachten wir die Anzeige am Tiefenmesser. Von der Mündung des Kumai Flusses westwärts segeln wir den ganzen Tag in milchig-grünem Wasser, das nur fünf bis zehn Meter tief ist. Wir ankern schon bei Dunkelheit in einer weiten Bucht auf Kalimantan, einzelne Lichter von Fischerbooten um uns, und steuern am nächsten Tag eine kleine Insel an. Pulau Langau ist üppig bewachsen wie ein tropischer Garten, umrahmt von großen, schwarzen Felsbrocken. Von den über 13.000 indonesischen Inseln mit 235 Millionen Einwohnern scheint dieses Eiland eines der wenigen unbewohnten zu sein. Sehr malerisch, aber das Wasser ist immer noch undurchsichtig trüb und wenig einladend zum Schwimmen. Der Anflug von winzigen Mücken am Abend lässt uns nicht lange auf unserer Privatinsel bleiben. Anker auf am zweiten Tag - Kurs Serutu.

Die kleine Insel ist gut fünfzig Meilen entfernt vom Festland Kalimantan und das Wasser ist endlich wieder bis zu vierzig Meter tief. Nur eine schmale Mondsichel und der Leuchtturm hoch oben am Hügel helfen uns um fünf Uhr früh bei der Ansteuerung. Unserer GPS-Position auf der elektronischen Seekarte vertrauen wir nicht unbedingt. Am Ufer sehen wir einige Lichter und über die Bucht verstreut sind viele, kleine Kanus zu erkennen. Vorsichtig tasten wir uns heran, lassen den Anker fallen und gehen schlafen. Piep, piep, piep - wir sind kaum eingetaucht ins Träumeland, da schreckt uns ein Alarmton wieder auf. Felix hat sich gedreht. Wir haben weniger als drei Meter unter den Kielen und sollten lieber umankern. Inzwischen ist es hell geworden. Höchst überrascht sehen wir die bunten Fischerboote mit ihren spinnenartigen Auslegern, die an den Bojen rund um uns festgemacht haben. Mit den Kanus rudern die Männer an Land und begrüßen uns mit lauten Rufen. "Selamat pagi!" "Guten Morgen, selamat pagi", wünschen wir euch ebenfalls. Sicher seid ihr nach der nächtlichen Arbeit genauso müde wie wir.
Das kleine Fischerdorf Serutu, eine Reihe einfacher Holzhäuser an einem feinen Sandstrand, könnte man aus der Ferne für eine Ferienanlage mit Liegestühlen davor halten. Wir machen unser Dingi an der hohen Mole fest und klettern über windschiefe Stufen hinauf. Die "Liegestühle" entpuppen sich als Matten auf Holzgestellen, auf denen von den Frauen der tägliche Fang zum Trocknen ausgelegt wird. Hauptsächlich Sardinen und einige Kalamare verbreiten einen strengen Geruch im ganzen Dorf. Feinsäuberlich werden die Fische danach in Säcke verpackt und nach Pontianak am Festland verkauft. Uns begrüßt man sehr freundlich und neugierig werden wir begutachtet. Gerne würden wir mit den Leuten über ihren Alltag an diesem abgelegenen Fleckchen plaudern. Aber wie? "Hello Mister", ist ihr ganzer englischer Wortschatz und uns geht es mit ihrer Sprache kaum besser. In meinem Rucksack habe ich einige Sachen mitgebracht, die reißend Absatz finden. Besonders das Täschchen von unserem letzten Flug mit Zahnpasta und Bürste löst bei einem kleinen Mädchen helle Freude aus. Natürlich haben wir nicht genug Zahnbürsten für alle Kinder und auch nicht genug Bleistifte, Sonnenbrillen und T-Shirts. Einige strahlende und viele enttäuschte Gesichter sind wieder einmal das Ergebnis. Das macht mich nachdenklich. In Zukunft werden wir nur noch Tauschhandel betreiben und unsere Schätze nicht mehr einfach verschenken.
Drei Tage bleiben wir in Serutu. Ein Tag gleicht dem anderen. Vor Sonnenuntergang rudern die Männer in den Kanus zu ihren Fischerbooten, werfen die nagelnden Motoren an und fahren aufs Meer hinaus, um aufgereiht am Horizont mit ihren starken Scheinwerfern die Nacht zu erhellen. Die Sonne versinkt mit dem durchdringenden Gesang des Muezzin. Kurz vor Sonnenaufgang kehren die Fischer zurück und bringen die gefüllten Plastiktonnen an Land. Mit einem freundlichen Lächeln verabschieden sich die Männer und winken, als wir heute zu dieser frühen Stunde den Anker lichten.


   
 

18. Sept. 2011 - zu den Orangutans von Kalimantan

Der Wind ist gut auf den 200 Meilen von Bawean nach Kumai. Tagsüber setzen wir den Parasailor, der nach der Reparatur in Darwin wieder gute Dienste leistet. Am Abend zeigt der Windmesser über zwanzig Knoten. Wir sind vorsichtig geworden und bergen das Segel lieber. Mit gereffter Genua fahren wir durch die Nacht. So verlangsamen wir das Tempo, um nicht vor Tagesanbruch in Landnähe von Kalimantan zu kommen. Die Fischfallen der Indonesier, Holz- oder Metallplattformen unter denen sich die Fische sammeln, sind nur mit einem Stecken markiert. In der Nacht sind sie auch bei Vollmond nicht zu erkennen und ein von Seglern gefürchtetes Hindernis.
Nach Mitternacht beginnt vor uns der Himmel zu glühen. Steuern wir auf eine Großstadt zu? Noch sind wir etwa 60 Meilen von unserem Ziel entfernt. Lois übernimmt um 1 Uhr die Wache. Die drei Stunden vergehen wie im Flug. So etwas hat er noch nicht erlebt. Ein Heer von grell erleuchteten Fischerbooten kommt auf ihn zu, immer mehr und mehr schieben sich über den Horizont. Ihre Fahrtrichtung ist oft schwer zu erkennen. Voll konzentriert steuert er Felix mitten durch. Einen solchen Großangriff wird leider kaum ein Fischlein überleben.
Nach fünfzehen Meilen im breiten Kumai Fluss gehen wir vor der gleichnamigen Stadt in Zentralkalimantan vor Anker. Erstaunlich viele Frachter liegen hier. Hinter den einfachen Häusern am Flussufer erheben sich hohe Betonbauten. In diesen sonderbaren Bunkern nisten tausende Schwalben. Ihre Nester werden als Delikatesse verkauft.
Noch am selben Abend klopft ein geschäftstüchtiger Herr ans Boot. "Wollt ihr zu den Orangutans? Ich mache einen guten Preis." Die "Menschen des Waldes" (Orang - Mensch, Hutan - Wald) wollen wir unbedingt sehen, deshalb sind wir ja hergekommen. Aber im Dunkeln machen wir keine Geschäfte und außerdem sind wir müde. Am nächsten Vormittag kommt Mr. Bain und bietet uns eine Tour an. Er ist uns recht sympathisch. Der Kampf um die Kundschaft ist hart. Adi ist wenig begeistert, dass wir mit seinem Konkurrenten eine 3-Tages-Fahrt vereinbaren und versucht, Mr. Bain nachträglich noch schlecht zu machen.

Pünktlich um 8 Uhr werden wir mit dem Klotok abgeholt. Während unserer Abwesenheit hält ein junger Mann auf Felix Wache. Das offene Oberdeck dieses Holzbootes ist unser Bereich, darunter halten sich der Kapitän, ein Bootsjunge, eine Köchin und Joe, unser Guide, auf. Insgesamt stehen also fünf Personen zu unseren Diensten. Ganz schön fürstlich! Für diesen seltenen Luxus blättern wir zwar einen Millionenbetrag hin, aber zum Glück in Rupiah (100.000,- rp = 8,20 Euro). Zwischen Palmwedeln und Pandanus tuckern wir vier Stunden flussaufwärts. Das undurchsichtige, graue Wasser wird langsam braun-schwarz und klar. Joe versorgt uns mit aufschlussreichen Informationen über die Gefährdung des Regenwaldes durch die Palmölindustrie und die Verseuchung des Flusses mit Quecksilber durch die illegale Goldgewinnung. An der indonesischen Regierung lässt er kein gutes Haar. Sie kassiert das Eintrittsgeld für den Tanjung Puting Nationalpark, schert sich aber nicht um die Umwelt.
Von unserem luftigen Ausguck genießen wir trotzdem die Fahrt und lassen uns das köstliche Mittagessen schmecken, bevor wir mit Joe zum Camp Leakey marschieren. Dr. Biruté Galdikas aus Kanada hat 1971 das Lager gegründet, um das Leben der Orangutans zu studieren und verwaiste oder bedrohte Menschenaffen zu betreuen. Die Tiere sollen wieder das Leben in der Wildnis lernen, finden aber das Angebot der täglichen Fütterung recht verlockend. Es raschelt in den Baumkronen. Rundherum schwingen sich die geschickten Kletterer von Baum zu Baum auf die Holzplattform zu, wo Berge von Bananen auf sie warten. Nach einer strengen Rangordnung stopft sich einer nach dem anderen gierig das Maul voll, nimmt noch was er tragen kann in eine Hand, klettert wieder in luftige Höhen und verspeist genüsslich seine Mahlzeit. Fast an jedes Weibchen klammert sich ein herziges Baby, das ebenfalls versucht, eine leckere Banane zu ergattern. Für die zahlreichen Besucher ist die Fütterung eine gute Chance, diese interessanten Geschöpfe hautnah zu beobachten. Den regelmäßigen tropischen Wolkenbruch am Nachmittag nehmen alle gelassen hin.
Von seiner Zeit als Ranger kennt Joe viele Orangutans in Camp Leakey mit Namen. Er kann sie am Körperbau und an ihrem Charakter unterscheiden. Princess ist sein Liebling. Die zutrauliche Affendame ist über vierzig Jahre alt, hat fünf Kinder und einige Enkel. Stolz führt uns Joe vor, welche Kunststücke Princess kann. Sie verständigt sich mit Zeichensprache und bläst sein Feuerzeug aus, wenn er "Happy Birthday" singt. Schließlich umklammert sie mit festem Griff meinen Arm, hängt sich mit der zweiten Hand bei einem jungen Spanier ein und lässt sich von uns tragen.

        

 

10. Sept. 2011 - Besuch im Dorf

Kalimantan auf Borneo ist unser nächstes Ziel. Die 500 Seemeilen unterbrechen wir durch Stopps auf einer Inselgruppe 80 Seemeilen nördlich von Lombok und einer 170 Meilen Etappe bis Pulau Bawean. Auf der Seekarte studieren wir den Inselhaufen und picken uns einen geschützten Ankerplatz heraus. Ein paar Tage an einem ruhigen Ort ausspannen, schwimmen und schnorcheln wäre nicht schlecht. Auf Saibus sind am Ufer einige Häuser zu sehen. Zwei Männer im Kanu zeigen uns die richtige Stelle zum Ankern. Palmen, Sandstrand, klares Wasser - ganz nett hier... Wir bedanken uns mit Cola und Fanta und bekommen kurz darauf herrliche Trinknüsse geliefert.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Dingi an Land. Ein junger Mann winkt uns hinter sich her. Auf einer Holzplattform vor seinem Haus bietet er uns Platz an. Sein Vater und einige Kinder gesellen sich dazu. Die Unterhaltung beschränkt sich auf Grüßen, Lächeln und "Wie geht's?" Unsere Kenntnisse in Bahasa Indonesia sind leider sehr dürftig. Eine Frau kommt mit einer Schüssel voll Wäsche vorbei. Mit einer Handbewegung fordert sie uns auf, ihr zu folgen. Über eine Holztreppe betreten wir den ordentlichen, einfachen Wohnraum und setzen uns auf den Boden. Durch die Hintertür kommen neugierige Nachbarinnen und Kinder. Ein cooler, junger Mann spricht ein wenig englisch. Das lernt er sich selbst aus einem Dictionary, meint er stolz. Wir trinken sehr süßen Tee und werden von allen Seiten begutachtet. "Ist das recht, wenn wir noch spazieren gehen?" erkundigen wir uns. "Ja sicher!" Aber keinen Schritt durchs Dorf können wir alleine machen. Irgendjemand läuft ständig vor oder hinter uns her. Bald ziehen wir uns zurück auf unser Heim und stehen weiter unter Beobachtung. Von Zeit zu Zeit bekommen wir Besuch. Ganz selbstverständlich steigen die Herren von ihren Kanus ohne zu fragen auf unser Boot. Mag sein, dass das bei ihnen so üblich ist. Wir bremsen sie aber rechtzeitig und unterhalten uns, soweit überhaupt möglich, lieber über die Reling.

Ganz im Westen der Inselgruppe liegt Pulau Mamburit, ein idyllisches Fleckchen mit hübschen Häusern unter Palmen, umgeben von türkisblauem Meer und weißem Sand. Vorsichtig suchen wir uns mit dem Dingi die Einfahrt durch die Korallen und werden wieder von einem freundlich lächelnden Burschen ins Dof begleitet. Auf glänzenden Fliesen nehmen wir vor einem Haus Platz und sind innerhalb von Sekunden von der gesamten Dorfbevölkerung umringt. Es wird geschrien, gelacht, gefragt - leider verstehen wir fast nichts. Eine besonders laute Dame will meine Sonnenbrille haben und meinen Fotoapparat und meine Trinkflasche und was hast du sonst noch? Moment, Moment, so geht das nicht! Am Boot haben wir einiges, was wir euch geben können. Wir sind gleich wieder zurück. Mit Zeichensprache machen wir ihnnen das klar. Bei unserem letzten Aufenthalt in Österreich habe ich vom Optiker eine Menge Brillen bekommen. Ich packe Lese- und Sonnenbrillen in einen Sack und dazu noch Kappen und Hüte und Haargummis. Mit meinen Geschenken komme ich nicht einmal bis an den Strand. Tausend Hände streiten sich um die schönen Dinge. Nur mit Mühe fische ich ein Stück nach dem anderen heraus und schaue mich um. Ich, ich, ich... von allen Seiten schreien sie auf mich ein. Eine alte Frau hüpft mit einem Jubelschrei davon, als ich ihr eine Lesebrille in die Hand drücke. Ich komme mir vor wie der Weihnachtsmann. Noch einmal lassen wir uns mit der lärmenden Schar vor dem Haus nieder. Holt noch mehr von eurem Boot, ich will auch was! Wir empfinden die aufdringliche Art langsam als anstrengend und unverschämt. Unsere Bitten um frische Früchte wie Mangos und Papayas verhallen ungehört. Nur Bananen bekommen wir - allerdings gegen Bezahlung.


   
 

4. Sept. 2011 - Gili Trawangan, Lombok

Nur kurz erfreuen wir uns an dem glasklarem Wasser auf Nusa Lembongan. Die kleine Insel im Südosten von Bali wird täglich von Monster-Ausflugkats angelaufen. Stundenlang fahren uns Motorboote um die Ohren, die kreischende Urlauber auf Fun-Geräten hinter sich herziehen. Zeitig am nächsten Morgen sind wir schon wieder unterwegs mit Kurs Gili Trawangan. Die gut vierzig Meilen zu den drei Inseln im Nordwesten von Lombok müssten leicht zu schaffen sein. Obwohl wir auf die Tide geachtet haben, ist die Gegenströmung für einige Stunden so stark, dass wir uns mit beiden Motoren und gesetzter Genua bei sieben Knoten durchs Wasser kaum einen Knoten über Grund bewegen. Wir driften seitwärts und müssen aufpassen, nicht am seichten Korallenriff zu landen, wo bereits ein Fischkutter als mahnendes Beispiel liegt. Lois ändert den Kurs nach Westen. Näher an der Küste von Bali wird die Strömung schwächer und wir erreichen doch noch am Nachmittag unser angepeiltes Ziel.

Auch auf Gili Trawangan reiht sich Resort an Resort. Insgesamt macht die Insel aber einen gemütlichen Eindruck mit den Pferdefuhrwerken, netten Cafés und bunten Auslegerkanus. Schmerzlich müssen wir in der Nacht erkennen, was ein Teil der Touristen von ihrem Urlaub erwartet. Wie mit Hammerschlägen werden wir bis zum Morgengrauen mit beinharter Techno Music bearbeitet. Dabei hätten wir nach einem langen Tag einen erholsamen Schlaf verdient. Zum Glück findet die große Party nur am Mittwoch statt. In den kommenden Nächten ist die Musik etwas gedämpfter.
Seit drei Monaten waren wir nicht mehr tauchen. Die "Gilis" bieten dazu viele gute Möglichkeiten, nur können wir wegen der unberechenbaren Strömung nicht mit dem eigenen Dingi gehen. Diveshops gibt es hier wie Sand am Meer. Bald sitzen wir im PS-starken Outrigger der "Vila Ombak Dive Academy". Zusammen mit unserem Diveguide Susan tauchen wir endlich wieder ein in die Welt der Fische und Korallen. Die Strömung trägt uns durch klares Wasser vorbei an bunten Korallenfächern, Schildkröten, Steinfischen, Muränen, Anemonen und Strahlenfeuerfischen. Auch einen hübschen Leopardendrückerfisch entdecke ich. Kaum schaffen wir es, in dem Sog kurz anzuhalten und einen Meeresbewohner zu fotografieren oder länger zu betrachten. Nach einer knappen Stunde gibt Sugan das Zeichen zum Auftauchen und wir werden vom Tauchboot wieder eingesammelt. Drei mal gönnen wir uns den Luxus einer organisierten Tauchausfahrt und brauchen uns keine Sorgen zu machen, ob wir danach unser Dingi wieder finden.


      

 

28. Aug. 2011 - Bali, die Urlaubsinsel

An beiden Seiten brechen sich die Wellen am Riff, als wir nach sieben Tagen auf See den Ankerplatz bei Serangan im Süden von Bali ansteuern. Wir sind froh über die genauen Wegpunkte, die uns Ruth vom "Royal Bali Yacht Club" per e-mail gegeben hat. Bald darauf machen wir an einer Mooringboje fest und betrachten skeptisch das dreckige Wasser und den Trubel um uns herum. Hier können wir also wieder nicht schwimmen gehen, stellen wir enttäuscht fest.
Im eher bescheidenen Königlichen Yachtclub werden wir von Ruth und Nathan freundlich begrüßt. Gemeinsam bereiten wir die Papiere vor für den indonesischen Einklarierungsmarathon. Bei Navy, Einreisebehörde, Quarantäne, Zoll und Hafenamt treffen wir auf strenge Herren in Uniform und füllen nochmals unzählige wichtige Formulare aus mit immer den selben Fragen. Ruth ist sehr bemüht um eine lockere Stimmung und versprüht gekonnt ihren Charme. Uns beachten die Herren kaum. "It´s
done", bemerkt sie sichtlich erleichtert, als schließlich alle Papiere gegen eine zusätzliche "Bearbeitungsgebühr" mit Stempel und Unterschrift abgesegnet sind. Gerne bezahlen wir Ruth und Nathan für ihre Agentendienste, die ohne Zweifel sehr hilfreich waren.
Jetzt reicht es uns erstmal. Wir sind müde, hungrig und schwindlich. Zurück aufs Boot, schnell etwas essen und ab ins Bett! Nach einer langen, erholsamen Nacht schaut die Welt am nächsten Morgen gleich viel besser aus.

Zu Fuß erkunden wir die nähere Umgebung. Rinder und Ziegen auf Müllhalden, Hindu-Tempel und Gebetsstätten an jeder Ecke und auf den Hauptstraßen ein Gewimmel von Autos und Mopeds, das alles sind wir nicht gewohnt. "Transport? Taxi?" werden wir immer wieder gefragt. Nach vielen Kilometern auf Schusters Rappen nehmen wir das Angebot an und fahren mit dem "Bemo", dem typischen Kleinbus, in den Touristenort Sanur gegenüber unserer Ankerbucht. Elegante Hotels, Restaurants und Souvenirläden erwarten die Bali-Urlauber. Jede Anlage hat einen wunderschönen Pool, denn das Meer ist bei Niederwasser weit, weit weg.

Beim Mittagessen kommen wir zufällig mit einem jungen Mann ins Gespräch. Putu arbeitet für ein Hotel als Fahrer, würde aber gerne sein eigenes Auto haben und "Transport" anbieten. Er nimmt sich kurzentschlossen am nächsten Tag frei, leiht sich einen schicken Wagen und kutschiert uns über die Insel. Stundenlang quälen wir uns durch dichten Verkehr und werden links und rechts von Mopeds überholt, die als universelles Fortbewegungsmittel für die ganze Familie inklusive Gepäck dienen. Die Orte gehen nahtlos ineinander über. Endlich lichten sich die Mauern, Häuserreihen und kleinen Geschäfte und wir können einen Blick auf das üppige, grüne Bali werfen. Noch nie zuvor haben wir Männer und Frauen bei der Arbeit in den Reisfeldern gesehen. Ganz versteht Putu nicht, warum wir einen für ihn alltäglichen Anblick gerne fotografieren möchten. Sein Ziel ist der Tempel "Ulur dana", der sicher ein wichtiges Heiligtum für die großteils hinduistische Bevölkerung von Bali ist, für unseren Geschmack aber zu sehr vermarktet wird. Frömmigkeit und Geschäftssinn scheinen sich nicht auszuschließen.
Mit traumhafter Aussicht auf den Vulkan Batur und den gleichnamigen See machen wir Mittagsrast in einem perfekt organisierten Buffet-Restaurant. Vor der Tür wollen Frauen und Kinder mit herzerweichendem Blick ihre T-Shirts, Sarongs und Fotos verkaufen. Sie ändern schnell ihre Taktik in aufdringlich und aggresiv, wenn wir kein Interesse zeigen, was auf uns nicht sehr sympathisch wirkt.
Nach Sonnenuntergang kommen wir zurück nach Serangan. Von Putu verabschieden wir uns wie von einem guten Freund. Für 500.000,- Rupiah (41,- Euro) hat er uns einen Tag seine Heimat gezeigt und sehr interessante Einblicke in hinduistische Traditionen vermittelt. Abzüglich Benzinkosten und Leihwagengebühr bleibt hoffentlich noch etwas übrig für seinen Traum vom eigenen Transportgeschäft.

 

         

 

24. Aug. 2011 - kein Seglerlatein

Um vier Uhr früh trete ich schlaftrunken meine Wache an. Endlich ist der Mond als schmale Sichel aufgegangen und lässt schwach den Horizont und die mit uns rollenden Wellen erkennen. Nur knapp zweihundert Meilen vor Bali und etwa dreißig Meilen südlich der indonesischen Inselkette tauchen die ersten Fischkutter auf, weshalb wir noch aufmerksamer Ausschau halten müssen. Beleuchtet sind die Boote zwar gut, aber AIS (Automatic Identification System), das wir an Bord empfangen könnten, haben sie natürlich nicht.
Gegen sechs Uhr dämmert der Morgen. Orion und seine Freunde verblassen langsam. Nach einem gründlichen Rundumblick gehe ich runter ins Bad. Ich öffne die kleine Luke und beginne meine morgendliche Körperpflege, als mich etwas an der Hand streift und flatternd im Waschbecken landet. Was ist jetzt los? Echt verdutzt brauche ich einige Zeit, um das zappelnde Wesen zu erkennen. Ein fliegender Fisch! Wo kommst du denn her? An Deck landen diese Geschöpfe ja immer wieder einmal, aber genau die offene Luke zu treffen ist eine echte Meisterleistung.


  
 

21. Aug. 2011 - weites Meer und blauer Himmel

Wind und Wellen bestimmen seit vier Tagen wieder unser Leben. Weit weg ist die australische Zivilisation, aber jeden Tag um die Mittagszeit werden wir daran erinnert. Im Tiefflug braust eine Propellermaschine über uns hinweg. Bald darauf erwacht das Funkgerät. "Felix, Felix, this is Australian Coastwatch." Wo ist das Boot registriert, was war der letzte Hafen und was ist der nächste, wollen sie wissen. Zusätzlich sollen wir noch Auskunft geben über ein Segelboot nördlich von uns, das anscheinend Funkprobleme hat. Sorry, die kennen wir auch nicht. Die nördliche Küste wird streng überwacht und Felix ist inzwischen schon bestens bekannt.

Heute haben wir den Tag besonders gemütlich begonnen. Ein Sonntags-Kapitäns-Geburtstagsfrühstück gehört auch auf hoher See zelebriert. Das sonst übliche Gläschen Sekt ersetzen wir aber lieber mit Orangensaft. Auch ohne Alkohol bewegen wir uns auf dem schwankenden Boot, als hätten wir einen über den Durst getrunken.
In der kommenden Nacht werden wir am Ashmore Riff sein. Bei Dunkelheit wollen wir nicht hineinfahren. Reffen und warten bis es hell wird wäre möglich, aber... der Wind ist gut und bläst beständig mit 15 bis 20 Knoten aus Ost. Also segeln wir wahrscheinlich die knapp 1000 Meilen bis Bali ohne Zwischenstopp unter blauem Himmel und Sternenzelt und genießen unsere kleine Welt.
(PS: die Funkverbindung ist derzeit schwach, daher kurzer Bericht und kein Foto)