Wir sind müde. Es ist schon sonderbar, aber eine relativ kurze Überfahrt setzt uns mehr zu, als 3000 Meilen am Pazifik. Den Golf von Carpentaria von Kap York bis Gove werden wir nicht zu den Favoriten unserer Reise einreihen.
Nachdem wir unseren Fuß auf den nördlichsten Punkt Australiens gesetzt haben, machen wir noch Station in der kleinen Ortschaft Seisia an der Nordwestküste der "Cape York Peninsula". Im Supermarkt bunkern wir frische Vitamine und beobachten danach lange das Treiben am großen Bootsanlegesteg. Fast könnte man denken, die Australier werden mit einer Angel in der Hand geboren. Jung und alt fischt mit Begeisterung und bemerkenswerter Ausdauer. Kleine lebende Köderfische werden am Rücken mit dem Haken aufgespießt und sollen größere Brocken anlocken. Wenn dann wirklich einer beißt, ist aber meist das Angelzeug zu schwach und die Leine reißt. Kaum ein ordentlicher Fisch wird an Land gezogen. Im Vergleich dazu sind wir vom Boot aus erfolgreicher. Bisher konnten wir noch jedesmal unseren Speiseplan mit fangfrischer Makrele oder Thunfisch aufbessern, wenn wir Lust darauf hatten.

Am Freitag Abend holen wir über Internetseiten und Grib-Files den Wetterbericht für die kommenden Tage. Es schaut gut aus. Bei 15-20 Knoten aus Ost-Südost sollten die 350 Meilen über den Golf leicht zu schaffen sein. Wieder einmal läutet der Wecker am nächsten Morgen viel zu früh. Anker auf, Kurs 257°, also seit langer Zeit wieder Richtung Westen. Wir setzen den Parasailor und freuen uns auf eine ruhige Überfahrt.
Nach meiner dreistündigen Wache schlüpfe ich um neun Uhr unter die Decke. Das Klatschen der Wellen gegen den Rumpf und die Windgeräusche nehmen zu. Ich schlafe sehr unruhig, gehe schließlich nachschauen. "Bis 28 haben wir schon, aber alles ok," meint Lois. Na gut, wir hoffen der Wind lässt bald nach, ich verziehe mich wieder. Bald höre ich ungewohnte Geräusche. Der Motor läuft. Durch die Luke sehe ich das eingefallene Segel und warte, dass Lois den Kurs korrigiert und es sich wieder aufbläst.... Da stimmt etwas nicht. Ich ziehe mich schnell an. "Er ist zerrissen", erfahre ich von meinem ziemlich deprimierten Käpt´n. 30 Knoten Spitze zeigt der Windmesser, was der Parasailor früher schon einige male unbeschadet überstanden hat. Mehr als 6000 Meilen hat uns das Segel über die Meere gezogen, rechne ich nach. Das Material hat wohl darunter gelitten.
Mit Groß und Genua setzen wir unsere Fahrt fort. Auf Vorwindkurs mit unangenehmer Kreuzsee ist das nicht die beste Lösung, aber momentan haben wir keine andere Wahl. Wir brauchen länger als geplant. In stockdunkler Nacht laufen wir nach drei Tagen in der Bucht von Gove ein und suchen zwischen vielen unbeleuchteten Booten einen ruhigen Ankerplatz.


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