Drei Tage sind wir seit Bonaire auf See. Ich lasse Windmesser und Geschwindigkeitsanzeige nicht aus den Augen. Vor etwa einer Stunde ist die Sonne untergegangen. Der Halbmond wirft sein Licht über das aufgewühlte Meer und lässt mich den Horizont deutlich erkennen. Lois hat sich auf der Bank im Salon ausgestreckt. Felix düst unter Parasailor in einer Entfernung von ungefähr vierzig Seemeilen zur kolumbianische Küste dahin. In den vergangenen Wochen sind wir die gesamte Nordküste Südamerikas entlanggesegelt, gesehen haben wir davon leider nichts. Venezuela und Kolumbien sind interessante Länder, haben aber unter Seglern, was die Sicherheit betrifft, einen schlechten Ruf.
Der Wind legt zu. 25 Knoten, 23, 28, 30 Knoten - Geschwindigkeit 8 Knoten, 10, 13 - Felix rauscht einen Wellenberg hinunter. Ich sehe 16 auf der Anzeige, mir wird ziemlich warm. "Käpt`n", rufe ich in den Salon, "wir sind flott unterwegs!" Lois begutachtet die Lage. Wind 25, Speed 8 bis 10, ok! Wir kommen gut voran. Lassen wir den Parasailor noch stehen. Er übernimmt um 21 Uhr die Wache, ich falle ins Bett und schlafe sogar ein, obwohl die Wellen mit gewaltigem Krach an den Rumpf schlagen.
Zwei Stunden später reicht es auch dem Käpt`n. Es wäre doch schade um unser schönes Segel. Für Böen bis 37 Knoten ist es vielleicht doch zu schwach. Runter damit! Ausgerüstet mit Schwimmweste, Lifebelt und Tauchhandschuhen handle ich mich an Deck. (Die offenen Segelhandschuhe haben mir nämlich gestern Brandblasen an Zeigefinger und Daumen beschert.) Das Manöver ist genau abgesprochen. Lois lässt das Segel einfallen, ich hänge mich in das Bergeseil. Bis zur Hutze schaffe ich es, den Bergeschlauch herunterzuziehen. Dann hechtet Lois nach vor und wir bändigen das Segel mit vereinten Kräften, verstauen es in der Tasche und ordnen die Leinen. Geschafft! Wir sind erleichtert und segeln unter Genua mit weniger Stress dem nächsten Morgen entgegen.
Meterhohe Wellen rollen von hinten gegen das Boot. Sie stoßen sich und Wasser gischt ins Cockpit und in den Salon. Tür zu! Sehr super bei den schwülen Temperaturen. Es hilft nichts, wir sind zu langsam. Und das sowohl für die Wellen, als auch für unseren Zeitplan, wenn wir bei Tageslicht die San Blas Inseln erreichen wollen. Uns ist wirklich nicht zu helfen! Bei gut 20 Knoten Wind setzen wir wieder unser schönes blau-weißes Segel und lassen es die ganze Nacht oben. Der Wind ist gnädig und hält sich an die aktuelle Vorhersage. Er flaut etwas ab.

Wir liegen vor Anker in Snug Harbor. Kleine, dicht mit Kokospalmen bewachsene Inseln umgeben uns. In der Ferne tost die Brandung gegen das Riff. 350 Inseln, die sich kaum über den Meeresspiegel erheben, liegen hier vor der Karibikküste von Panama südlich der Einfahrt zum Kanal. 49 davon sind bewohnt.
Die San Blas Inseln sind die Heimat der Kuna Indianer. Kuna Yala nennen sie selbst das Gebiet, San Blas ist die spanische Bezeichnung. Harte Kämpfe haben diese kleinen Leute gegen verschiedene Völker geführt, vor allem gegen Spanien und ziemlich blutig im Jahre 1925 gegen Panama. Die Kuna`s haben sich als einziger Indianerstamm Amerikas ihre Unabhängigkeit erhalten. Sie wollen ihre Kultur bewahren und in Frieden in ihrem Inselreich leben. Wir hoffen, es gelingt ihnen.

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