Mit wechselnden Winden aus Nordost bis Südost ziehen wir entlang der Leewardinseln nordwärts. Noch sind unsere Etappen recht angenehm in einigen Stunden zu bewältigen. Erst Anfang bis Mitte Mai planen wir den Absprung über den Atlantik mit Kurs über die Azoren nach Europa.

Wir machen uns keine zu großen Hoffnungen mehr auf einsame Buchten. Frühling in der Karibik ist wie Hochsommer in der Adria - sagt man.

Auf den Saintes, einer Inselgruppe südlich von Guadeloupe, sind die Ankerbojen vor dem Städtchen le Bourg heiß begehrt. 043 Le Bourg Saintes

044 Pain du Sucre

Anstatt dafür 13,- Euro pro Tag zu zahlen, lassen wir lieber 70m Kette rausrasseln und ankern auf 22m Wassertiefe hinter dem auffälligen runden Felsen "Pain du Sucre". Hier ist es ziemlich ruhig, nur ein übereifriger Hahn lässt Tag und Nacht sein Kikeriki erschallen. Mit dem Dingi ist es nicht weit in die Stadt zum Flanieren zwischen Restaurants, Cafes und Souvenirläden. Eine schweißtreibende Wanderung über Stock und Stein auf den "Le Chameau" belohnt uns mit einem traumhaften Ausblick über die Inseln der Heiligen.

In Gouadeloupe steuern wir Pigeon Island an, das sich als "Cousteau Reserve" einen Namen gemacht hat. Wir ankern aber wieder nicht in der großen Seglermasse, sondern finden südlich davon vor dem Städtchen Bouillante einen Platz für uns alleine.

045 Guadeloupe Bouillante

Relativ früh am Morgen packen wir unsere Schnorchelausrüstung ins Dingi und machen an einer Boje vor den zwei Inselchen fest. Korallenfächer, Korbschwämme, bunte Fische in allen Größen und auch ganz ansehnliche Steinkorallen erwarten uns unter Wasser. Es ist sicher lobenswert, wenn manche Meeresabschnitte besonders geschützt werden. Ab dem späten Vormittag fallen Ausflugsboote mit Tauchern und Schnorchlern ein, worauf wir uns zurückziehen zu unserem schwimmenden Heim.

Die große Bucht vor Deshaies (Déhé) im Nordwesten von Guadeloupe gleicht mit hunderten Masten ebenfalls einer übervollen Marina. Ziemlich weit draußen fällt unser Anker, wir lassen das Dingi zu Wasser und fahren in den Ort. Der von weitem sichtbare Kirchturm erinnert uns an daheim.046 Guadeloupe Deshaies

Eigentlich sind wir nur zum Ausklarieren hierhergekommen, was an einem Computer im Souvenirladen schnell erledigt ist. Ein Spaziergang führt uns zu einem langen Sandstrand und Mangrovengebiet im Norden der Stadt. Zurück plagen wir uns wieder einmal über einen immerhin 200m hohen Berg auf steinigem Gelände. So bleiben unsere Wadenmuskeln in Form und das Eis im gemütlichen Lokal am Hafen schmeckt doppelt so gut.

Kurz nach Sonnenaufgang lichten wir am 1. April den Anker. Bei 15-20 Knoten Wind aus Ost steuern wir bereits zu Mittag nach 42 Meilen die Südküste von Antigua an. In die English Bay einzulaufen ist ein beeindruckendes Erlebnis, lese ich im Segelhandbuch. Ich frage mich, warum, nachdem in einer weiten Bucht unser Anker gefallen ist. Erst nach dem Mittagessen kommen wir dahinter, dass wir in der Falmouth Bay liegen. Das kann ja nicht sein! Anker auf, wir motoren gut zwei Meilen nach Ost und laufen jetzt wirklich zwischen Fort Berkeley an steuerbord und den Pillars of Hercules an backbord in die altehrwürdige English Bay ein. Wir passieren Nelson´s Dockyard, bestaunen klassische Segelyachten, die sich schon für die "Antigua Classic Yacht Regatta" Mitte April rüsten und finden nirgendwo einen Platz für Felix. Also versuchen wir unser Glück in der Freeman Bay am Eingang der Bucht, wo wir gerade noch zwischen den vielen Ankerliegern unterkommen.048 Antigua English Harbou

Nachdem wir genug haben von britischer Nostalgie in wunderbar renovierten alten Gebäuden zum Gedenken an Admiral Nelson, ziehen wir weiter nach Osten und finden schon nach 4 Meilen hinter einem schützenden Riff eine riesige Bucht für uns alleine. Kein Menschenseele weit und breit, nicht einmal ein Hahn kräht. Da akzeptieren wir sogar gerne die langsame Internetverbindung. Alle Neune gibt es eben nur selten.049 Antigua Willoughby Bay

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