Felix schaukelt gemächlich an der Boje in Viani Bay. Der Himmel ist grau und sorgt dank unserer neuen Regenplane für reichlich Nachschub im Wassertank. Längst haben wir Socken, Pullover und warme Decken gut verstaut. Die tropische Schwüle treibt uns Schweißperlen auf die Stirn. Es reißt langsam auf und die ersten Sonnenstrahlen blinzeln hervor. Voll Optimismus mache ich mich fertig zum Landgang. Inzwischen werden die Wolken wieder dichter und der nächste Regenguss prasselt auf uns herab.

Die Hafenstadt Savusavu ist für viele Segler der Ausgangspunkt zu den nordöstlichen Inseln von Fidschi. Buntgemischt tummeln sich schlanke, elegant gekleidete Inder und stämmige Melanesier mit dichtgekraustem schwarzem Haar auf der Hauptstraße und in den Geschäften. Zu kaufen gibt es viel. Im Vergleich zu Neuseeland müssen wir uns allerdings erst auf das örtliche Angebot umstellen. Nur in einem der fünf "Super"-märkte finden wir Käse und da auch nur eine einzige Sorte. Dafür gibt es Mehl und Reis in 10 kg-Säcken und Eier stehen sogar in der Werkzeughandlung im Regal. In der großen Markthalle sind Kasawa und Kumara, die altbekannten Wurzeln und Knollen aufgehäuft. Daneben duftet es nach indischen Gewürzen für schmackhafte Currygerichte. Frische Früchte wie Bananen, Papaya und Mandarinen kommen erst nach und nach wieder auf den Markt. Vergangenen März hat der Zyklon "Thomas" die Bevölkerung im Osten von Fidschi in Schrecken versetzt und großen Schaden in der Natur angerichtet. Von den allgegenwärtigen Kavawurzeln kaufen wir fünf schöne Bündel, die wir nach Fidschi-Tradition dem Oberhaupt als Geschenk überreichen müssen, wenn wir vor einem Dorf ankern wollen.
Nach einigen Tagen in dem quirligen Städtchen und einer interessanten Autofahrt nach Labasa im Nordwesten von Vanua Levu fliegt unser Segelgast Franz zurück in die Heimat mit unzähligen neuen Eindrücken im Gepäck.

35 Meilen segeln wir Richtung Osten. Wieder bauen sich bei zwanzig Knoten Wind aus Südost ansehnliche Wellenberge auf. Wozu haben wir Felix eingentlich gerade so sauber von Salz befreit? Die Einfahrt von Fawn Harbour liegt gegen 13 Uhr vor uns. Sie ist breit und mit Holzpflöcken gut markiert. Deutlich sind die Brecher am Riff zu erkennen und bei dem hohen Sonnenstand auch die gefährlichen Untiefen. Noch eine Meile durch die Lagune, dann ankern wir vor dem Inselchen Navuni. Felix liegt wie aufgebockt. Außer der fernen Brandung und Vogelgezwitscher ist es absolut ruhig. Herrlich - kaum zu glauben!
Den Pflichbesuch im Dorf Bagasau verschieben wir auf den morgigen Sonntag. Mit dem Dingi suchen wir die Öffnung im dichten Mangrovengürtel am Ufer, machen fest und balancieren mit viel Glück trockenen Fußes an Land. Sittsam bekleidet mit langem Wickeltuch, schulterbedeckt und dem obligaten Kavabündel in der Tasche wollen wir den "turaga ni koro" aufsuchen. Als einzige Fremde bleiben wir natürlich nicht unbemerkt. Matila kommt gerade von der Kirche. Ihr Mann Kuru zeigt uns das Haus des Dorfoberhauptes und begleitet uns zum ersten "sevusevu". Wir sitzen im Kreis mit diversen ehrwürdigen Herren. Ich lege nach Vorschrift mein Kavabündel auf den Boden und wir bitten um Erlaubnis, einige Tage bleiben zu dürfen. Einer der Herren, der als Tauchlehrer in einem Resort arbeitet, übersetzt unser Ansuchen. Der "turaga" nimmt das Geschenk, dreht es mit ernster Miene begleitet von schwerwiegenden Worten in seinen Händen. Anschließend klatschen alle rhythmisch in die Hände. Unser Geschenk ist damit angenommen. Wir werden herzlich willkommen geheißen, dürfen schnorcheln, fischen, uns im Dorf umschauen und bleiben, so lange wir wollen.

Am Mittwoch ziehen wir weiter zur Viani Bay. Hohe Palmen, einige Häuser und spielende Kinder am Sandstrand bilden ein idyllisches Südseemotiv. Es ist schon finster, als wir nahe am Boot eine Stimme hören. "Good evening. Anybody home?" Mit seinem Ruderboot stattet uns Jack einen Besuch ab. Er ist der selbsternannte Seglerguide in dieser Bucht und freut sich auf ein paar Dollar, als er hört, dass wir Taucher sind. Schon am nächsten Morgen kommt er an Bord und führt uns zu einem Ankerplatz am "Rainbow Reef", dem angeblich besten Tauchrevier in Fidschi und Umgebung. Der Tauchgang ist ganz nett, aber nicht umwerfend. Jack begleitet uns am nächsten Tag noch einmal. Bei ruhiger See und Sonnenschein können wir am Außenriff ankern und die "Purple Wall" betauchen. Eine Fülle von zartlila Weichkorallen und prachtvollen roten Gorgonien lassen unser Taucherherz höher schlagen. Hunderte kleine Fahnenbarsche in orange und türkis runden das Bild ab, dazu ein Leopardendrückerfisch und zum Abschluss eine Familie Anemonenfische, die putzig ihr Revier verteidigt - damit sind auch wir zu beeindrucken. "Danke, Jack! Wenn du uns nicht mit deinen unendlich anstrengenden Geschichten ständig die Ohren vollsingen würdest, wäre so eine Ausfahrt mit dir nochmal so schön..."

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