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25. Februar 2009, 12:40 Ortszeit - Animation der Webcambilder
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Nach dem Mittagessen gönnen wir uns ein wohltuendes Schläfchen. Wir sind beide ziemlich geschafft. Den ersten Tag im Pazifik verbringen wir an Bord. Wir liegen vor Anker, umgeben von mindestens sechzig Booten, in 21 Grad kaltem, braunen Wasser vor Panama City im Osten der Flamenco Marina.
Der Panamakanal ist für uns Geschichte, ein unvergessliches Erlebnis!

Nach Contadora und Mogo Mogo liegen wir seit gestern auf dem gut geschützten Ankerplatz im Osten von Bayoneta. Auf den Perleninseln, dreißig Seemeilen westlich von Panama City, wollen wir ausspannen von den endlosen Einkaufstouren mit ratternden, buntbemalten Bussen und Taxis in dubiosem Zustand. Das Angebot in der Millionenstadt ist vielfältig, die Preise günstig. Alle Gespräche unter Seglern drehen sich daher nur um - KAUFEN! Wo finde ich Seekarten, Harpunen, Propangas, Anoden, Konverter, Roggenmehl, Kartoffeln, Eier... Es reicht! Wir sind gut gerüstet und möchten endlich wieder - SEGELN!

""Lasst euch Zeit. Habt ihr mal die Grib Files angeguckt? Zu den Galapagos-Inseln gibt es überhaupt keinen Wind." Ja, ja Günther, das wissen wir. Über Kurzwelle laden wir uns regelmäßig den Windbericht runter. Aber viele unserer Freunde sind schon weitergesegelt und wir werden auch langsam ungeduldig. Allerdings reizt mich die Aussicht auf tagelanges motoren überhaupt nicht. Das kostet doch nur Diesel und Nerven. Jetzt sind wir schon drei Wochen hier. Das beeindruckt Contadora-Günther wenig. Er selbst ist vor 28 Jahren hier angekommen und kennt die Perlen wie seine Westentasche. "Genießt es. Es ist doch schön da."
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Wir erzählen Dieter und Gerda von unserer Homepage. Obwohl sie schon seit Jahren auf ihrer abgeschiedenen Insel leben, oder vielleicht gerade deshalb, interessieren sie sich sehr für die modernen Möglichkeiten der Kommunikation. "Ich habe auch über euch geschrieben. Ist doch hoffentlich recht, oder?" "Ja aber sicher," meint Dieter begeistert. "Dann schreib` doch auch, dass wir jemanden suchen, der einige Zeit bei uns leben will. Er braucht nichts mitzubringen, außer zwei starken Händen und Freude am Leben in der Natur."

Mit viel Fantasie und Optimismus deutet die Vorhersage auf Wind in den nächsten Tagen hin. Der 1. April scheint uns ein idealer Termin für den Abschied von den Perlas zu sein - ganz ohne Scherz. Kurz nach Sonnenuntergang, um 18Uhr50 Ortszeit, lichten wir den Anker. Dieter von der Insel bläst kräftig in seine Dröhte. Tschüß, macht`s gut! Mono Ahumado, sein zwinkernder Felsenaffe, wird auf uns aufpassen.

Nach dem Mittagessen genehmigen wir uns den täglichen Espresso und dazu ein Stück Kokoskuchen aus der Bordkonditorei. Die "Terrasse des Kaffeehauses" ist romantisch gelegen. Wie ein unendlicher Teppich umgibt uns der zur Zeit sehr friedliche Pazifik. Felix schwingt in der langgezogenen Dünung rhythmisch auf und ab. Wir nützen jedes Lüftchen, setzen volle Segel und freuen uns, wenn wir den Motor abstellen können. Das Wasser ist klar und so tiefblau, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt haben. Als Animationsprogramm zur heutigen Kaffeestunde findet nicht weit vor uns ein Kunstspringen statt. Eine Schule von mindestens dreißig übermütigen Delphinen katapultiert sich mit spektakulären Überschlägen meterhoch aus dem Wasser.

""Morgen!" Drei Stunden vergehen schnell für den, der im Bett liegt. Tief und fest habe ich geschlafen. Ist es wirklich schon fünf Uhr? Es hilft nichts. Raus aus den Federn, Lois braucht auch seinen Schlaf.
Ich setze mich ans Steuer, mein Kreislauf spielt nicht so schnell mit. Viel gibt es auch nicht zu tun. Ein Rundumblick, alles ist frei. Der Autopilot steuert Kurs 220 Grad. Der Wind ist schwach, aber immerhin genug zum Segeln. Der Halbmond ist schon längst untergegangen, klar erkenne ich die Milchstraße über mir. Ich knipse meine Stirnlampe an, setze die Brille auf die Nase und schmökere in einem Buch einer jungen Biologin, die um 1970 ein Jahr auf einer kleinen Insel in Galapagos das Leben der Meerechsen untersucht hat. Der Bericht ist als Einstimmung auf unser nächstes Ziel recht interessant.
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So schöne Kokospalmen waren auf den Perlas und wir haben vergessen, einen Palmzweig mitzunehmen. Das ärgert mich. Jetzt haben wir gar keinen Palmbuschen. Dafür frischt zur Feier des Tages der Wind endlich auf. Zehn Knoten lassen Felix mit bis zu sechs Knoten Fahrt durchs Wasser gleiten. Wir steuern einen Kurs von 236°. Kurze Wellen bauen sich auf und machen das Leben an Bord etwas wackelig. Die derzeitige nordwestliche Strömung mit zwei Knoten kommt uns gar nicht gelegen. Sie verringert unsere Fahrt über Grund um fast einen Knoten.

Jeden Tag legt Lois die Schleppangel aus. Vom Morgen bis zum Abend hätten die Tunas, Bonitos und Doraden Gelegenheit, sich die hübschen Köder zu schnappen. Aber sie verschmähen sie. "Was soll ich heute nehmen, den rosa Kleksi, den kleinen silbernen "Wabbler" oder den großen gelben?" Langsam hat Lois alle unsere bunten Schätze durchprobiert, doch zu essen gibt`s wieder Sojalaibchen mit Erdäpfel.

""Vessel in position 02°55´N 084°09´W, this is sailing vessel Safra." Ich horche auf. Mitten draußen am weiten Pazifik ein Funkspruch auf UKW, meint der uns? Nochmals kommt die Meldung auf Kanal 16. Die Koordinaten stimmen mit unserer Position überein. Ich gebe unseren Standort und Namen bekannt und frage, wer uns ruft. Den Schiffsnamen kann ich schwer verstehen. Diese Amerikaner sollen ihren Kaugummi ausspucken und langsamer sprechen. Er buchstabiert. "Zoulou, echo, papa, hotel..." Ach so, Zephyra heißt das Boot und segelt etwa drei Meilen hinter uns. Wir haben es schon im Morgengrauen entdeckt. Unser Segelkollege hat Probleme mit seinem SSB, das heißt mit dem Kurzwellenfunkgerät. Er kann nur mehr empfangen, aber nicht mehr senden. Seine Freunde, die ungefähr 100 Meilen voraus sind, werden sich schon Sorgen machen. Mit dem VHF Radio (= UKW Funkgerät) kann er sie natürlich nicht mehr erreichen.
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Das Sternbild Centaurus begleitet uns durch die Nacht und ist mit dem Kreuz des Südens, das es umschließt, ein untrügliches Zeichen - wir nähern uns dem Äquator. 00°21´N 087°40´W ist am Nachmittag unsere Position. Es wird spannend. Der Sekt ist schon eingekühlt. Der äußere der beiden Weisersterne heißt Alpha-Centauri und ist ein Fixstern am südlichen Sternenhimmel. Der Erde ist er von allen Fixsternen am nächsten gelegen, nur lächerliche 4,3 Lichtjahre entfernt. Orion steht gegen Mitternacht immer noch beeindruckend über uns. Er wird es mir hoffentlich verzeihen, dass mich das magische Kreuz des Südens, das in der Verlängerung seines aufrecht stehenden Balkens zum Himmels-Südpol weißt, im Moment mehr begeistert. So ist das eben mit guten alten Freunden. Aber keine Sorge, ich werde dich nicht vergessen, genausowenig wie den großen Wagen und besonders den Nordstern, der bald nicht mehr zu sehen sein wird.

Nach meiner Nachtwache von Mitternacht bis drei Uhr früh verkrieche ich mich müde unter die Bettdecke. Kaum ist eine Stunde vergangen, da höre ich die Bodenbretter im Bachbordrumpf knarren. Lois kommt runter und weckt mich. "Wenn du den Äquator nicht verschlafen willst, musst du wieder aufstehen."
Im Salon stehen zwei Gläser und eine Flasche Sekt bereit. Der Fotoapparat ist auf ein kleines Stativ montiert. Lois hat bereits alles für den großen Moment hergerichtet. Am Nachmittag habe ich Weißbrotstangen mit Oliven gebacken, die ich nun in dünne Scheiben geschnitten serviere. Immer wieder werfen wir einen nervösen Blick auf das GPS. Bald ist es so weit. Der Countdown läuft.

""Land in Sicht!" Lois hat als erster am Nachmittag die Umrisse von San Christobal am Horizont entdeckt. Zwanzig Meilen liegt die Insel vor uns. Bis zu unserem Ankerplatz im Westen müssen wir allerdings noch zusätzlich fünfzehn Meilen an der Nordküste der Insel entlangsegeln. Unter segeln verstehn wir heute motoren mit Genua-Unterstützung. Der Wind ist leider wieder fast eingeschlafen. Wir werden die Wreckbay also erst bei Nacht erreichen.
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Galapagos - unberührte, karge Vulkaninseln, einzigartige Tierwelt, Ruhe - das Bild hatten wir vor Augen. Die Realität schaut etwas anders aus.
Die große Ankerbucht vor dem Städtchen Puerto Baquerizo Moreno im Westen der Insel ist voll mit Yachten und modernen Ausflugsbooten. Auch einige alte Fischerboote dümpeln an der Mooring. Zwischen den Segelbooten sind von sechs Uhr früh bis neun Uhr abends Taxiboote unterwegs. Das eigene Dingi brauchen wir kaum. Einige male am Tag düst ein Flugzeug knapp über die Masten und sorgt für Touristennachschub. Von Land hören wir Baustellenlärm. Die Strandpromenade wird für den ECO-Tourismus gepflastert und aufgemöbelt. Souvenirshops, Bars und Reiseagenturen gibt es ohne Ende und Internetlokale wohin wir schauen. Die Leute sind freundlich, der Ort ist nett und mit dem Flair "Naturpark Galapagos" floriert das Geschäft prächtig.

Wir wollen mehr sehen von Galapagos als nur unsere Ankerbucht und einen kleinen Teil von San Christobal. Also klappern wir die Reiseveranstalter ab, vergleichen das angebotene Programm und den Preis und entscheiden uns schließlich für "SharkSky". Uns scheint, die beiden jungen Leute sind mit Herz bei der Sache und bieten eine erlebnisreiche 4-Tagestour an.
Die Gruppe trifft sich am Freitag gegen sieben Uhr früh an der Hafenmole. Wir sind die einzigen Segler, die übrigen acht arbeiten derzeit als Freiwillige an einem Projekt in den Bergen von San Christobal. Sie roden Pflanzen, die nicht auf Galapagos heimisch sind. Zerstochen und zerkratzt von dieser mühsamen Arbeit kommen sie im Hafen an. Vor der Abfahrt wird unser Gepäck von "SICGAL" kontolliert, damit keine Früchte oder Samen auf andere Inseln eingeschleppt werden. Ob der kurze Blick in die Tasche sinnvoll ist, weiß ich nicht.

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