Nach langen Jahren, vielen Seemeilen und unvergesslichen Erlebnissen haben wir beschlossen, Felix zu verkaufen.

Nähere Informationen findet ihr unter http://www.best-boats24.net/privat/boote/04303b1.html

Schaut doch mal rein!

 

Von März bis Juni 2017 haben wir viele Meilen zurückgelegt. Wir sind mit Felix von der südlichen Karibik über den weiten Atlantik zurückgesegelt ins Mittelmeer bis Spanien. 4500 Meilen mit schönen Eindrücken auf See und auf den zahlreichen Inseln werden in unzähligen Fotos nochmal für uns lebendig. Auch euch wünschen wir viel Freude mit den Bildern von Trinidad bis Guadeloupe, Antigua + Barbuda, St. Barth + St. Martin, den Azoren und den Erlebnissen auf den wochenlangen Überfahrten.

An nebeligen Herbsttagen bei einem Häferl Tee ein wenig träumen von vergangenen Tagen -  macht nachdenklich aber auch zufrieden! 

 

Der Wetterbericht sagt konstanten Westwind für die nächsten Tage voraus. Danach soll der Wind drehen und gegenan kommen. Wir müssen also das gmeinsame Sonntagessen in Portimaao mit Berti von Largyalo absagen. Er schaut noch schnell vorbei auf einen Kaffee, noch einmal plaudern wir und tauschen Erlebnisse aus. Seit den Saintes bei Guadeloupe treffen wir uns immer wieder, verbringen schöne Stunden zusammen und sind bei den langen Überfahrten über Funk in e-mail-Kontakt. Liebe Grüße an Petra und Tschüß! Wir lichten den Anker und setzen die Segel.031 Portimaao

Nach wechselnden Winden, dann Flaute und schließlich 20 bis 25 Knoten Westwind unterstützt durch 3 Knoten mitlaufender Strömung pfeifen wir am Montag Abend mit 10 Knoten Fahrt an Gibraltar vorbei.032 the Rock

"The Rock" mit dem berühmten Leuchtturm "Europapoint" ist das Tor zum Mittelmeer. Wir sind zurückgekehrt, etwas wie Heimatgefühl macht sich breit. Die 250 Meilen bis Cartagena absolvieren wir in Rekordtempo. So eilig hätten wir es ja auch wieder nicht, aber beständiger Westwind um die 25 Knoten mit Spitzen bis 42 läßt Felix mit bis zu 16 Knoten über die Wellenberge surfen. Nur gut, dass Wind und Wellen mit uns laufen, sonst wäre es weitaus nicht so angenehm. Die aufgewühlte See ist ein idealer Tummelplatz für verspielte Delphine.033 Delphine

Immer wieder springen sie von Weitem auf uns zu und werfen sich zwischen die Rümpfe. Wir sind begeistert von der tollen Vorstellung, ein unvergesslicher Anblick. Nach einem letzten ausgedehnten Frühstück auf See rufe ich am Mittwoch gegen Mittag die YPC Marina in Cartagena, um unsere Ankunft zu melden. Sobald wir die Hafeneinfahrt passieren sollen wir nach rechts abbiegen und uns nochmals über Funk melden. Bald schon sehen wir den Marinero am Steg winken. Mit vereinten Kräften vertauen wir Felix am Steg, spannen die Moorings und liegen sicher und ruhig in der Marina. Welcome to Cartagena! 

035 Felix in Cartagena      

036 Prost

45.515 Seemeilen zeigt die Anzeige am Log. 11 Jahre sind vergangen, seit wir von Kroatien aufgebrochen sind. Wie oft wir ein- und ausklariert haben in den unzähligen Ländern rund um den Globus habe ich noch nicht nachgezählt, ist auch nicht so wichtig. Jedenfalls liegen erlebnisreiche Jahre hinter uns, mit vielen Hochs und auch manchen Tiefs.

Was bleibt sind die Begegnungen mit freundlichen Menschen aller Kulturen, egal welcher Hautfarbe oder Religion. Wir waren überall willkommen und wurden oft von unglaublicher Gastfreundschaft überrascht. Auch die Seglergemeinschaft haben wir schätzen gelernt, obwohl wir ganz gerne unseren eigenen Weg gegangen sind. Die zahlreichen Zugriffe auf unserer Homepage bezeugen, wieviele Freunde wir auf diese Art gewonnen haben. Das Schreiben der Berichte war für mich eine gute Möglichkeit, unsere schönen und auch weniger schönen Erlebnisse aufzuarbeiten.

Felix hat sich unter allen Bedingungen wacker gehalten und ist uns zu einem vertrauten, verlässlichen Heim geworden. Manchmal hat uns unangenehmer Seegang das Leben an Bord nicht leicht gemacht, doch wurden wir von wirklich starken Stürmen verschont, wofür wir ehrlich dankbar sind. Aus den langen Jahren auf See nehmen wir einen unvergesslichen Schatz an Erfahrungen mit, der unser Leben auch in Zukunft bereichern wird.

Malerisch geht die Sonne unter. Im Abendlicht entdecke ich eine Flosse im Wasser. Delphine schwimmen auf uns zu und springen quirrlig und gut gelaunt um uns herum. Was für eine tolle Show!

027 Delphinshow

Gleich darauf ist aber höchste Konzentration angesagt. Wir nähern uns der Schiffahrtsroute aus der Straße von Gibraltar, die wir überqueren müssen.

Das Steuer in Händen, den Wind im Gesicht! So steht es auf der Startseite unserer Homepage. Das klingt extrem nach Abenteuer und hartem Seglerleben, stimmt aber nur bedingt. In Wirklichkeit übernimmt fast immer unser braver Autopilot das Ruder, wofür wir ihm sehr dankbar sind. Nur einmal täglich darf ich ihn ablösen. Er steht nämlich auf Kriegsfuß mit dem Kurzwellenfunk. Wenn Lois am Abend den Wetterbericht anfordert und unsere Berichte wegschickt, biegt der Autopilot ab. Ausserdem stört er den Funkempfang, wodurch das Senden nicht funktioniert. Eine halbe Stunde händisch zu steuern ist eine willkommene Abwechslung, rund um die Uhr wäre das allerdings für eine Zwei-Mann/Frau-Crew eine echte Herausforderung.

Beim Mittagessen sitzen wir heute seit langem wieder mal im Cockpit. Genau zu Sommerbeginn wird es angenehm warm, auch der Wind hat nachgelassen - leider. Der große Spinnaker gibt sein Bestes, schafft es aber nur, Felix  mit gut drei Knoten vorwärts zu ziehen. Wir unterstützen ihn mit dem Steuerbordmotor, damit wir nicht in die totale Flaute kommen, die uns auf den Fersen ist. Kaffe und Kuchen stehen am Tisch, rundherum der blaue Ozean, die Sonne lacht vom beinahe wolkenlosen Himmel. Was wollen wir mehr? Ist fast wie die endlosen Tage im Pazifik am Weg von Galapagos zu den Marquesas vor acht Jahren. Was wäre, wenn wir noch einmal dorthin aufbrechen, fragen wir uns. Nein, das möchten wir beide nicht. Die schönen Eindruecke und Erlebnisse würden durch eine Wiederholung nur verblassen. Wir freuen uns auf die Rückkehr nach Europa und ins Mittelmeer. Noch 185 Meilen trennen uns von Kap Vincent in Portugal.

 

Stockfinster ist die Nacht, wenn sich Sterne und Mondsichel hinter einer geschlossenen Wolkendecke verstecken. Absolut nichts ist zu sehen beim routinemäßigen Kontrollblick. Allerdings wären die Navigationslichter eines anderen Schiffes umso leichter erkennbar. So hat diese Dunkelheit also auch ihren Vorteil. Um vier Uhr morgens liegen 400 Meilen hinter uns und noch 400 bis zum Landfall vor uns. Bergfest! Wir hoffen, dass uns der gute Wind erhalten bleibt. Er dreht über Nord auf NNW und weht mit zehn bis fünfzehn Knoten, was bei Kurs Ost recht angenehmes Vorwindsegeln bedeutet. An Bord kehrt die gute Laune zurück, seit wir nach der Magenverstimmung mit leckeren Mahlzeiten wieder zu Kräften kommen.

Es geht uns langsam besser. Zwar verschlafe ich fast den ganzen Vormittag, doch mein Magen rebelliert nicht mehr und kann leichte Kost behalten. Unser Brummschädel beruhigt sich ebenfalls. Wir genießen warm eingepackt die Sonnenstrahlen und den frischen Wind, der uns täglich etwa 130 Meilen dem europäischen Festland näher bringt.
In den frühen Morgenstunden läßt Lois ein unschönes Geräusch aufhorchen. Raaatsch!!! Schon wieder hat das Groß einen Riss und zwar genau unterhalb der Stelle, die der Segelmacher in Trinidad repariert hat. Der Zahn der Zeit und die UV-Strahlen der Sonne nagen an dem Tuch, das ist nicht zu leugnen. Mit einem Reff im Groß sind wir etwas langsamer, können das Segel aber weiterhin problemlos nützen. So schlimm ist der Schaden zum Glück nicht.
 

 

Was ist los mit uns? Wir haben beide einen unangenehmen Druck im Magen und keinen Appetit auf ein ausgedehntes Sonntagsfrühstück. Das kann fast nicht sein, darauf freuen wir uns doch die ganze Woche. Kaum dass wir uns niedersetzen, schlafen wir ein. Eine Gemüsesuppe zu Mittag ist alles, was wir vertragen. Dabei habe ich gestern frischen Schokokuchen gebacken und die Vorratskörbe sind prall gefüllt. Dass wir beide seekrank sind, kann ich mir schwer vorstellen, obwohl wir hart am Wind segeln und die Schaukelei recht anstrengend ist. Eher schiebe ich die Schuld auf die Schwammerl vom Markt. Verlockend haben sie mich angelacht und in Backteig gebraten herrlich geschmeckt. Leider bescheren sie uns, wie es scheint, einen getrübten Abschied von den Azoren.
 
 

07h40: Leinen los von Ponta Delgada - Kurs Ost - 13h00: wir kommen aus dem Windschatten von San Miguel - unter Groß und Genua segeln wir mit fünf bis sechs Knoten - 16h00: die Insel versinkt im Dunst und somit sind auch die Azoren ein unvergsslicher Abschnitt unserer Segelreise. Von den neun Inseln haben wir drei besucht und erfahren, dass die Inselgruppe viel mehr bietet, als nur das sprichwörtliche Azorenhoch im Wetterbericht.
Noch einmal werden wir Tag und Nacht und Tag und Nacht segeln, schlafen, Wache halten, bis hoffentlich nach 800 Meilen Kap Vincent an der portugiesichen Küste vor dem Bug auftaucht. Verglichen mit den tausenden von Meilen über die Ozeane ist das eine überschaubare Strecke, die wir trotzdem nicht unterschätzen. Der Wetterbericht prophezeit mäßige Winde, was mir sehr recht ist. Wir haben keinen dringenden Termin, wollen kein Rennen gewinnen, sondern diese Überfahrt einfach nur genießen.

Die 150 Seemeilen von Faial nach Sao Miguel beginnen etwas mühsam. Entlang der Insel Pico mit dem markanten Vulkan dreht der Wind von N auf SW und wieder zurück, verbunden mit mehr als konfusem Seegang. Wir wechseln 6 mal die Segel, kommen nur sehr langsam voran und können erst, als die Insel endlich hinter uns liegt, mit Groß und Genua vernünftig segeln. 017a PicoGleich darauf liefern Delphine eine super Show, schnellen munter aus dem Wasser und begleiten uns ein Stück. Das entschädigt für die Anstrengung. Am Sonntag Morgen funke ich die Marina Ponta Delgada an, um unsere Ankunft zu melden. Die Begrüßung ist nicht wirklich freundlich. "Schon wieder ein Katamaran", ist die Antwort, als ich Länge und Breite vom Boot angebe. Wir finden aber ohne Problem einen Platz und treffen im Marinabüro auf einen leicht genervten, aber sehr netten Herrn. 018 Ankunft in Ponta Delgad

Mit Hochhäusern und Autolärm empfängt uns die Hauptstadt der Azoren. Nette kleine Läden und Lokale wechseln sich ab mit modernen Konsumtempeln und freundliche, zuvorkommende Menschen mit solchen, die nur ihren Job machen - wie eben überall. 

Wir fahren wieder mit einem Leihwagen über die Insel und klappern die Highlights ab. Das Straßennetz ist beeindruckend, immerhin legen wir in zwei Tagen 300 Kilometer zurück. Den Lagoa Azur und Lagoa Verde, halb blau / halb grün, bewundern wir von der Dachterrasse einer riesigen Hotelruine, die vor 30 Jahren gebaut wurde und nach einigen Monaten pleite gegangen ist.019 Lagoa Verde u.Lagoa Azu Besser gefällt mir da der wunderschöne Leuchtturm Ponta da Ferraria und der schwarze Strand von Mosteiros mit den markanten Felsen.021 Faro Ponta da Ferraria

022 schwarzer Strand von Mo

Ein Bummel durch den botanischen Garten von Terra Nostra mit anschließendem Entspannungsbad im Thermalteich ist ebenfalls nicht zu verachten, wenn auch das Badegewand und die Haare danach braungelb gefärbt sind.

026 Terra Nostra

Auf der steilen Straße zum Lagoa da Sao Bras fahren wir durch Weideland mit riesigen Rinderherden. Gleich vor Ort werden sie an mobilen Melkstationen angeschlossen und versorgt, was ihnen zweifellos gut gefällt. 023 Melkstation

Auf dem Heimweg besuchen wir noch die Teeplantage "Cha Gorreana". Teeanbau hat auf den Azoren eine lange Tradition. Ganz ungezwungen besichtigen wir die Anlage und verkosten die verschiedenen Sorten. Sehr erfrischend nach einem langen Tag!

 024 Teeplantage Gorreana

Heute vormittag bunkern wir am Markt von Ponta Delgada frisches Obst und Gemüse. Grundsätzlich ist das Angebot gut und günstig, nur die heimischen Ananas scheinen vergoldet zu sein. Am Nachmittag bezahlen wir die Marinagebühr und klarieren von den Azoren aus. Morgen Früh wollen wir die Leinen los machen - Kurs Spanien.        

In der Nacht pfeift es mit bis zu 35 Knoten aus Südwest, dazu noch Regenböen, die bis zum Mittag anhalten. Unser Liegeplatz an der Hafenmauer der Marina Horta ist bestens geschützt. Wir schlafen relativ gut, nur die Fender und Seile knarren an der Kaimauer und am Nachbarkatamaran, mit dem wir im Päckchen liegen.

010 Felix in Horta

Horta ist der beliebteste Anlaufhafen für Segler am Weg von der Karibik nach Europa, ankern im Hafen nur bedingt möglich und die Marina daher bis zum letzten Platz belegt. Auf sämtlichen Betonwänden, Stegen und Bänken verewigen sich die Crews mit zum Teil kunstvollen Malereien. Wir natürlich auch - soll Glück bringen...?!011 Felix verewigt

In der Stadt finden wir alles, was das Herz begehrt. Der Supermarkt ist mit heimischen Produkten und Waren aus der ganzen Welt bestückt und das zu annehmbaren Preisen. Auch die zahlreichen Restaurants und Kaffehäuser lassen keine Wünsche offen. Die Azoren gehören zu Portugal. Welcome back to Europe!

Im Vergleich zu Flores ist auf Faial die Hölle los, allerdings nur auf den Hotspots der Insel. In Ponta dos Capelinhos ist 1957 der Vulkan ausgebrochen. Die Gegend um den alten Leuchtturm ist daher kahles Lavagestein in Braun-, Rot- und Schwarztönen. Eine Dokumentation über die Geschehnisse von vor 60 Jahren wäre im unterirdischen Museum dargestellt.  Wir erklimmen lieber den Hügel und lassen die beeindruckenden Formationen auf uns wirken.012 Ponta dos Capelinhos

013 Ponta dos Capelinhos

Eine recht abenteuerliche Straße führt von Westen auf den Vulkankrater Capelinhos im Zentrum von Faial auf über 1000m. Starker Wind treibt dichte Nebelschwaden über die grünen Höhen. Außer einigen Viehhirten, die gerade Rinder verladen, verirrt sich bei diesem Wetter kaum jemand hier herauf. Zwischen gespenstischen Nebelfetzen können wir kurz in den Krater und bis zur Küste sehen. Schön ist es hier aber kalt.014 Vulkankrater

Wir suchen wieder den Weg ins Tal und fahren an der sonnigen Küste auf der mit Hortensien, Callas, Gladiolen und Gänseblümchen gesäumten Straße heim zu Felix.

015 Gladiolen

016 Horta

Am Abend sitzen wir lange zusammen auf der SY Amigo. Helga und Rene aus Bad Goisern laden Kerstin und Helmut von SY Lop to, Jutta und Albert von SY Imagine und ihren spanischen Freund von SY Batoc zu einer gemütlichen Jause ein. Alle sind in den vergangenen Wochen viele Meilen gesegelt, was ein besonderes Gemeinschaftsgefühl vermittelt. 017 mit Petra und Berti

Auch Petra und Berti sind mit ihrem Wharram Kat Largyalo inzwischen gut in Horta angekommen. Wir gehen gemeinsam Mittagessen und  plaudern danach bei Kaffee und Kuchen bei uns an Bord.

 

 

 

Eigentlich würde ich noch gerne länger bleiben. Flores ist ruhig, grün, freundlich und günstig. Ein ausgiebiges Mittagessen für zwei mit  Bier und  Kaffee um 16,- €, da gibt´s nichts zu meckern. Nur das Wetter ist etwas durchwachsen, immer wieder Regen und Nebel, aber immerhin -  zwei sonnige Tage sind auch dabei. Für die 130 Meilen nach Horta auf der Insel Faial ist am Sonntag und in der kommenden Nacht der Wind günstig. Dann kommt eine Flaute und danach eine Sturmfront. Also lichten wir kurz vor Mittag den Anker und setzen wieder Segel. 

Ziemlich unruhig ist der Ankerplatz im Hafen von Lajes das Flores, darum gehen auch fast alle Boote in die kleine Marina. Wir hätten ohnehin keinen Platz, außerdem können wir mit nur einem Motor nicht gut manövrieren. Besonders in der ersten Nacht habe ich noch das Gefühl, unterwegs zu sein und schlafe recht unruhig. Die Tage verlaufen sehr erholsam. Wir erkunden erstmal zu Fuß die nähere Umgebung, plagen uns eine steile Bergstraße hinauf und freuen uns über den schönen Ausblick auf sattgrüne, durch Steinmauern befestigte Weiden, umrahmt von der Weite des Atlantiks.

001 Lajes das Flores

002 Marina und Ankerplatz

003 vor Anker auf Flores

004 Lajes

Am Freitag läutet um 6 Uhr der Wecker. Wir fahren mit dem Bus entlang der steilen Ostküste in die Hauptstadt Santa Cruz. Der freundliche Chaffeur grüßt absolut jeden, der ihm begegnet, ob zu Fuß oder im Auto. Am Flughafen gehen wir zum Autoverleih und sind wieder total überrascht, von der offenen und zuvorkommenden Art des Vermieters. Der kleine Flughafen ist ab 17 Uhr gesperrt. Wir sollen sagen, wann wir das Auto zurückbringen. Er wird dann da sein, ebenfalls ein Taxifahrer, der uns wieder nach Lajes zur Marina bringt. Das Auto braucht er uns nicht extra zu erklären, einen Nissan Micra kennen wir. 

Die Straßen auf Flores sind perfekt,  Hortensienbüsche wachsen am Straßenrand und zeigen ihre ersten Blüten.  Die gepflegten Häuser an der Küste sind mit roten Ziegeln gedeckt, bunte Blumen blühen davor und im Garten wachsen verlockend grüner Salat und Gemüse. Über die Insel verstreut sind die berühmten Kraterseen, umgeben von weichem Moos in hellen Grüntönen auf schwarzem Lavafels. Die Vulkankrater sind nur mehr teilweise erkennbar und bilden eine beeindruckend abwechslungsreiche Landschaft.

  005 Caldeira Rasa und Funda

Wir wandern über einen breit angelegten Steinpfad zum Poco da Riebiera do Ferreiro, ein Kratersee, umrahmt von Wald, weißen Callas und einer mächtigen Steilwand mit mehreren Wasserfällen. Das dürfen wir nicht versäumen, hat Tiago von der Marina gesagt. Und wirklich, unglaublich schön ist es hier!

007 Poco da Ribiera

In Cuada stärken wir uns mit einer großen Flasche Wasser und Kaffee, bevor wir durch das liebevoll renovierte Dorf mit alten Steinhäusern schlendern. Bunte Blumen als Kontrast zu den schwarzen Steinen, ein magischer Ort zum Leben erweckt für Reisende, die Ruhe und Entspannung suchen.

008 Cuada

An der Westküste durchstreifen wir noch die Städte Faja Grande und Fazazinha. Die Kirchen schauen zum Verwechseln ähnlich aus, je nach Größe der Ortschaft haben sie, nach meiner Theorie, einen oder zwei Türme.

009 Fazazinha

Quer über die Insel fahren wir zurück nach Santa Cruz. Die halbstündige Taxifahrt nach Lajes verläuft relativ nervig, da der Taxifahrer pausenlos redet und dabei fast aufs Lenken vergisst.

Am Samstag laufen unsere Freunde von der SY Inish und SY Fenicia ein. Wir treffen uns zu einem kalten Bier in der Bar, plaudern über die gemeinsam zurückgelegten Meilen und vieles mehr, bis sie sich hundemüde auf ihre Boote verziehen. Nur zu gut können wir das verstehen. 

Fast haben wir zu früh gebremst. In der Nacht dreht der Wind und verläßt uns ganz. Also kommt noch einmal der Motor zum Einsatz. Schon von Weitem ist das kräftige Leuchtfeuer von Flores zu sehen. Im ersten Morgenlicht steuern wir die Hafeneinfahrt an, biegen um den mächtigen Wellenbrecher und lassen den Anker fallen. Beeindruckend liegt die hohe Vulkaninsel vor uns. Die Freude der Ankunft wird etwas getrübt durch strömenden Regen und ungewohnt tiefe Temperaturen. Bei 14 Grad brauche ich Schafwollpatschen, um meine Zehen aufzuwärmen.

Am Nachmittag machen wir das Dingi klar und begeben uns an Land. Im neuen Marinagebäude erledigt ein äußerst freundlicher junger Mann die Einklarierungsformalitäten, erklärt uns nebenbei, was wir uns auf der Insel unbedingt anschauen sollen, wo der Supermarkt ist und wie wir zu einem Leihwagen kommen. So locker und einfach haben wir das selten erlebt. Wir spazieren noch eine Runde durch Lajes, ein sehr gepflegtes kleines Städtchen, kehren für einen Kaffee in der Hafenbar ein und verziehen uns bald wieder auf unser Heim. Heute können wir durchschlafen, ist das herrlich!

Gewaltige Wellenberge rollen von hinten auf uns zu. Meist schaukelt Felix im Gleichklang mit, dann wieder spielen die Wellen Waschmaschine, schlagen links und rechts an und die Gischt fliegt übers Boot. Es ist stark bewölkt und beginnt auch noch zu regnen. Beim Essen machen wir die Tuer zu und sperren Wind und Wetter aus. Gemütlich ist es in der Stube, nur das Schaukeln bleibt.

Als Mitternachtseinlage haben wir mit Schwimmweste und gesichert den Spi geborgen, was bei 22 Knoten Wind sehr erfrischend war. Seither segeln wir nur mit Genua, machen immer noch 7 Knoten Fahrt und sind fast zu schnell. Wenn der Südwestwind anhält, kommen wir noch vor Tagesanbruch in Flores an. Soll uns aber nur recht sein, denn laut Wetterbericht baut sich über den Azoren eine Störung auf mit Wind aus NNE genau auf die Nase.

Ich öffne die Schlafzimmerluke einen Spalt und blinzle in die Morgensonne. Irgendwas hat sich verändert. Das tiefblaue Wasser ist verschwunden, graugrün liegt der Atlantik vor mir. Auch Lois kommt das sonderbar vor. Wir sind mehr als 200 Meilen entfernt von den Azoren und laut Seekarte ist der Ozean auf unserer Position immer noch 4000 Meter tief. Der Himmel ist nicht anders als bisher, mal Wolken, mal Sonne. Woher kommt also diese Farbe? Muss mit einer Strömung zu tun haben, die nährstoffreiches Wasser transportiert. Vielleicht bringt sie auch Fische mit sich, die sich um unseren Köder erbarmen, damit er sich nicht so nutzlos fühlt. Bei Gelegenheit werden wir unsere Meeresbiologen auf Pakia tea (www.planet-ocean.at), die zur Zeit den Südpazifik erforschen, zu diesem Phänomen befragen.

Kriegsschiffe treiben am Atlantik, allerdings recht kleine. Die Spanischen Galeeren schauen aus wie Orangenspalten aus lila Cellophan. Schon seit Tagen sehen wir diese zarten Tierchen auf den Wellen tanzen. Manche bringt Felix zum Kentern, wenn sie zu nahe an seinen Bug kommen. Sorry! Was sich unter der Wasseroberfläche aufhält, bleibt uns verborgen. Zumindest gibt es nicht zu viele Fische, denn unser Köder, den wir seit Tagen nachziehen, bleibt unbeachtet. Gestern entdecke ich kurz vor Sonnenuntergang im Augenwinkel eine Rückenflosse. Delphine ziehen ihre Kreise um Felix und beäugen uns neugierig. Ein erfreulicher Anblick nach langer Zeit. Heute wird die Show vor dem Frühstück wiederholt mit größerer Besetzung. Flink und gelenkig surfen sie auf der Bugwelle und haben offensichtlich ihren Spaß dabei. Wir setzen bei Südwestwind mit 12-15 Knoten den grossen Spinnaker und segeln hinein in einen fast wolkenlosen Sonntag.
Am Nachmittag frischt der Wind auf. Wir bergen soeben den Spi, als direkt neben uns mit einem tiefen Brummen eine Wasserfontäne aufsteigt. Ein Wal!!! Seelenruhig schwimmt der riesige Meeresbewohner, wahrscheinlich ein Pottwal, zum Greifen nahe am Bug vorbei, bläst noch einmal und verschwindet. Wow! Zufällig haben wir abgebremst. Der Rechtskommende hat Vorrang.

Von ein bis vier Uhr nachts habe ich Wache. Warm eingepackt mit langer Unterwäsche, winddichter Jacke und Hose mache ich es mir im Salon mit einem guten Buch gemütlich. Die Temperatur sinkt bereits auf 16 Grad, brrr! Regelmäßig raffe ich mich auf, kontrolliere den Kurs und schaue aufmerksam rundherum in der Dunkelheit auf der Suche nach irgendwelchen Auffälligkeiten. Um halb drei Uhr zeigt sich zu meinem Erstaunen ein heller Streifen im Osten und als ich um vier Uhr Lois aufwecke, ist es beinahe schon hell. Wir ziehen von West nach Ost und nähern uns langsam der Greenwichzeit, müssen also immer wieder die Bordzeit anpassen. Heute ist es wieder so weit. In der Karibik waren wir vier Stunden hinter UTC, die Azoren liegen auf UTC -1, haben zusätzlich noch Sommerzeit, daher werden wir insgesamt die Uhren um vier Stunden nach vor stellen. Bei unserer Reisegeschwindigkeit, oder besser gesagt -langsamkeit, koennen wir uns in aller Ruhe auf den Wechsel der Zeitzonen einstellen. Hat alles seinen Vorteil!

Unsere morgendliche Funkrunde auf Kurzwelle entwickelt sich nicht so, wie ursprünglich geplant. Ally von SY Blue Heeler sollte sich als Net Controller um 11 Uhr UTC auf den vereinbarten Frequenzen melden und die teilnehmenden Boote alphabetisch rufen. Leider ist Ally aber entweder nur ganz schwach oder gar nicht zu hören. Wir sind gemeinsam mit den beiden holländischen Booten Inish und Nostress weggesegelt und tauschen nun täglich unsere Position und die Wetterbedingungen aus. SY Fenicia aus England und SY Emil aus Deutschland bzw. der Schweiz sind etwas später aufgebrochen und nehmen auch an unserer Runde teil. In Saint Martin haben wir uns alle kurz kennengelernt. Ich freue mich, wenn wir uns auf den Azoren wieder persönlich treffen. Das Tratscherl am Morgen ist zwar nicht immer ganz einfach, besonders bei Seegang, trotzdem gibt es ein Gefühl von Gemeinschaft am weiten Atlantik.

Unterm Sternenhimmel setzen wir um 1 Uhr nachts Groß und Genua. Zehn Knoten Wind wollen wir nicht verschenken. Frühmorgens ziehen wir den großen Spinnaker hoch, kaum dass ich aus meinem warmen Nest geschlüpft bin. Kurs 77 Grad, Wind SW 12-15 Knoten sind genau die Bedingungen, die wir uns gestern gewünscht haben. So könnte es bleiben. Etwas sorgenvoll beobachten wir die Windanzeige, die langsam nach oben klettert. Zu Mittag schmeckt das Moussaka a la Felix ausgezeichnet und wird noch mit Kaffee und Kokoskuchen abgerundet, bevor wir uns die Segelhandschuhe greifen und den kleinen Schwerwetterspi setzen. Bis 18 Knoten und darüber legt der Südwestwind zu, immer noch recht angenehmes Segeln, wenn Wind und Wellen mit uns laufen. Unser Tagesablauf dreht sich ohne Frage hauptsächlich um Wetter, essen und schlafen...ist reduziert auf das Wesentliche nach knapp zwei Wochen auf See.

Der wilde Ritt ist vorbei, dafür haben wir jetzt Flaute. Ein durchschnittlicher Wind mit 15 Knoten möglichst von achtern ist ein frommer Wunsch, der nur selten erfüllt wird. Starkwind weiter im Norden sorgt immer noch für eine langgezogene Dünung in unseren Breiten, trotzdem bin ich froh, dass Felix relativ ruhig dahingleitet und wir uns an Bord zur Abwechslung nicht wie Betrunkene bewegen müssen. Wirkt ziemlich verdächtig! Heute kann ich ganz normale Hausarbeit erledigen, Kuchen backen, Wäsche waschen und putzen. Unseren Wegpunkt vom Sonntag haben wir um einen Breitengrad nach Süden verlegt auf 34 Grad. Wir befinden uns zur Zeit im Zentrum eines Hochdruckgebietes ohne Wind und motoren Richtung Osten mit der Hoffnung auf Westwind. Ganz einfach, oder ?!

Mit stark verkleinerter Genua und drei Reffs im Groß reiten wir durch die stockfinstere Nacht. Immer wieder schwappt eine Welle ins Cockpit, sodass ich mich nur kurz für den regelmäßigen Rundumblick nach draußen wage. In der Früh lacht die Sonne und auch der Wind hat auf 15 Knoten abgenommen. Wir rollen die Genua ganz aus und beschließen, auch das Großsegel nur mit einem Reff zu setzen. Ein Kontrollblick zur Segelspitze macht Lois stutzig. Beim obersten Mastrutscher stimmt etwas nicht. Er fädelt alle Rutscher aus der Mastschiene und stellt überrascht fest, dass der Metallbügel, der das Segel hält, gebrochen ist. Kein Problem für ein Allroundtalent. Mit Nadel und Faden wird ein neuer Mastrutscher befestigt, alles wieder eingefädelt, das Segel gesetzt und schon gleitet Felix mit 8 Knoten weiter in einen schönen Segeltag.

1150 Meilen sind wir gesegelt seit Saint Martin und genau so viele liegen noch vor uns bis zu den Azoren. Yippie! Das Jubeln fällt uns heute allerdings ziemlich schwer. Felix klettert über meterhohe Wellen, die von Backbord auf uns zurollen. Es kracht und scheppert und der Salontisch springt. Das Leben an Bord ist ungemütlich und jede Bewegung eine akrobatische Leistung. Meine Magennerven vertragen zu Mittag nur eine leichte Gemüsesuppe, tief durchatmen hilft gegen Verkrampfungen. Bis zum Abend sollte es besser werden - hoffentlich.

Der ursprüngliche Plan ist, möglichst direkt nach Norden zu segeln, um am 35. Breitengrad auf Westwind zu treffen. Die tägliche Wetterkarte über Gribfiles läßt uns immer wieder diesen Kurs ändern. Entweder baut sich auf der Strecke eine Störung auf oder der Wind ist gegen uns. Nach der gestrigen Flaute hat am frühen Morgen Südwestwind eingesetzt. Groß und Genua beginnen bei achterlichem Wind zu schlagen. Wir bergen die Segel und setzen den kleinen Spinnaker. Kaum 4 Knoten Fahrt ist das Ergebnis. Also runter damit, wir setzen den großen Spi, machen um einiges mehr Fahrt und sind zufrieden...bis der Wind zulegt. Bei Spitzen bis 18 Knoten ziehen wir mit vereinten Kräften den Bergeschlauch über das große Tuch und der Schwerwetterspi kommt wieder zum Einsatz. Ziemlich schräg an Steuerbord müssen wir das Segel setzen, um unseren Kurs halten zu können. Während des sonntäglichen Mittagsschlafs beschließt der Kapitän eine neue Strategie. Wir steuern den Wegpunkt 35 Grad Nord, 50 Grad West direkt an, was bei der aktuellen Wetterprognose die bessere Entscheidung ist. Kurs 65 Grad, 290 Meilen - am Mittwoch wissen wir mehr.

Zu müde, zu viel Seegang, zu schnell - 1000 Ausreden fallen uns in der ersten Woche ein, um nicht die Angelleine auszuwerfen. Außerdem sind wir noch gut versorgt mit Gemüse aus St. Martin, das auch nicht verfaulen soll. Couscous mit pikanter Sauce und gebratenen Bananen, Speckfisolen mit Röstkartoffeln, Thai-Cocossuppe mit Reis, gebackene Auberginen mit Petersilerdäpfel, die Möglichkeiten mit Grünzeug sind unbegrenzt und wirklich schmackhaft. Für morgen Sonntag hätten wir aber trotzdem gerne ein Fischlein am Teller. So ein Steak, kurz angebraten, mit Erdäpfel und Salat, das könnte ich mir gut vorstellen... Den ganzen Tag ziehen wir den Köder nach, ohne Erfolg. Nur ein paar schwimmende Seepflanzen verfangen sich am Haken. Fischen ist halt nicht wie einkaufen gehen. Was solls? Spaghetti Carbonara oder Gemüseauflauf als Sonntagsmenü sind auch nicht zu verachten.

Das dünne Leintuch, mit dem wir uns in den vergangenen Monaten zugedeckt haben, hat ausgedient. Ich krame unsere Steppdecken hervor, in die wir uns wieder gerne reinkuscheln. Nun ja, es ist nicht wirklich kalt, aber immerhin sind wir seit Saint Martin bereits 800 Meilen gesegelt. Am 29. nördlichen Breitengrad zeigt das Thermometer in der Nacht nur noch 21 Grad. Im kühlen Wind sind wir froh über eine lange Hose, Fleecejacke und Socken. Irgendwie finde ich diese Temperaturen aber auch angenehm. Immer nur schwitzen kann auch sehr anstrengend sein.

Gestern Abend, ich bin im Bad und Lois sitzt oben im Salon, hören wir ein schleifendes Geräusch. Warst du das, fragen wir uns gegenseitig. Nein, keine Ahnung. Der Backbordmotor läuft nicht richtig, Gas weg, wieder Gas geben, noch einmal... Lois leuchtet ins Wasser, versucht im Dunkeln etwas Ungewöhnliches zu erkennen. Nichts. Abstellen und den Steuerbordmotor starten ist im Moment alles, was uns bleibt. Zum Glück haben wir diese doppelte Möglichkeit. Am frühen Morgen inspiziert Lois den Antrieb, das Ruder und den Rumpf vom Wasser aus auf irgendwelche Spuren. Er kann nichts finden und fällt die Diagnose - Getriebeschaden. Er ist erfrischt vom morgendlichen Bad, aber leicht deprimiert, weil der Schaden nicht behoben werden kann, bevor Felix wieder irgendwo an Land steht. Bei Nordostwind mit 10 bis 15 Knoten setzen wir am Vormittag Segel und gönnen dem Motor eine Pause.

Ob der Mond schuld ist, oder ob es nach einigen Tagen auf See einfach ein Bedürfnis ist, sei dahingestellt. Jedenfalls wandern unsere verschwitzten T-Shirts und sonstige Wäsche ins Schaffel, werden durchgedrückt und dekorativ im Cockpit aufgehängt. Danach gönne ich mir selbst auf der Badeplattform eine belebende Warmwasserdusche inklusive Haarwäsche. Einfach herrlich! Was daheim eine Selbstverständlichkeit wäre, ist bei Überfahrten an Bord der pure Luxus. Da mangels Wind der Motor brummt und der Watermaker aktiv ist, brauche ich auch mit dem Wasser nicht gar zu knausrig zu sein.
 

Bei gutem Wind aus Südost segeln wir flott durch die Nacht. Am Vormittag beginnen die Segel zu schlagen, mit schwachem Nordostwind machen wir kaum noch Fahrt. Der Himmel ist grau in grau. Ganz genau beobachten wir Wolkenwalzen, aus denen am unteren Rand schwarze Fetzen herauswehen. Laut Wetterbericht sind wir im Einflussbereich von zwei Hochdruckgebieten, die uns umlaufende Winde und Squalls bescheren können. In den kommenden Tagen werden unsere Motoren, die eiserne Genua, mithelfen müssen, um uns weiter nach Norden zu bringen, wo wir auf Westwind hoffen dürfen. Damit haben wir gerechnet und reichlich Dieselvorrat gebunkert.

Nach dem Frühstück flattert ein weißer Vogel mit eleganten langen Schwanzfedern um Felix, ein Tropikvogel. Vielleicht will er sich von uns verabschieden. In wenigen Meilen überqueren wir auf 23 Grad nördlicher Breite den Wendekreis des Krebses und verlassen damit die Tropen. 300 Meilen von Land entfernt freuen wir uns über den netten Besuch. Außer ein paar fliegenden Fischen können wir sonst nichts entdecken, sosehr wir auch die tiefblaue Wasserfläche absuchen. Nur das mehr oder weniger laute Schlagen der Wellen am Rumpf und das Gurgeln der Heckwelle sind unsere treuen Begleiter.

Den Frühstückstisch zum Muttertag decken wir mit vereinten Kräften. Statt einem Strauß lila Flieder bekomme ich duftenden Kaffee und ein Omelette, dazu die Weite des Ozeans und Balanceübungen am schaukelnden Boot.
Mit vollen Segeln fahren wir durch die erste Nacht. Tausende Sterne glitzern am Himmel vom großen Wagen über den mächtigen Orion bis zum Kreuz des Südens, das erstaunlicherweise auf 20 Grad nördlicher Breite immer noch zu sehen ist. Gegen 21 Uhr geht der Mond auf, nicht mehr ganz voll begleitet er uns mit hellem Schein bis zum Morgen. Am Vormittag nimmt der Wind zu bis 17 Knoten und dreht auf ESE. Die Wellen und somit die Schaukelei am Boot nehmen beim derzeitigen Amwindkurs noch zu. Wir verkleinern das Groß um ein Reff und versuchen, das Leben an Bord zu genießen.
 

Vorbei ist das Inselhüpfen entlang des karibischen Inselbogens. Wir sind wieder unterwegs am weiten, tiefblauen Atlantik.
Das Dingi ist fest verzurrt, Kühlschrank und Vorratskörbe prall gefüllt, das Wetter noch einmal gecheckt, wir sind bereit. Am Vormittag lichten wir den Anker in der Marigot Bay auf Saint Martin und setzen bei Ostwind mit 10 bis 15 Knoten Groß und Genua. Kurs Azoren, über 2000 Meilen, 2-3 Wochen auf See je nach Windstärke und Richtung. Viele Boote brechen zu dieser Zeit auf. Mit einigen werden wir uns um 11 Uhr UTC auf Kurzwelle unterhalten, um Position und Wettersituation auszutauschen. Ally von der australischen Segelyacht Blue Heeler hat diese Funkrunde ins Leben gerufen. Wir nehmen gerne daran teil, ein erfreulicher Fixpunkt im Tagesablauf bei langen Überfahrten.

Wie eine kalte Dusche trifft uns die elegante Zivilisation auf Saint Barthélémy (St. Barth), nach der wohltuenden Ruhe auf Barbuda. Die Straßen im kleinen Städtchen Gustavia sind am Morgen mit Autos verstopft, weil die Mamis ihre Sprößlinge einzeln zur Schule bringen. Im Hafen liegen feudale Yachten, die Waterfront ist makellos gepflastert und luxuriöse Handtäschchen, Kleidchen und glitzernder Schmuck locken in den Schaufenstern.070 St. Barth

071 Auslage

 

Wir können gerne darauf verzichten, trinken unseren obligaten Cappuccino und Espresso, heute zusätzlich für Lois mit einem französischem Croissant. Danach lösen wir die Dingileine von dem polierten Edelstahlanleger, fahren zurück zu unserem schaukeligen Ankerplatz und nehmen Kurs auf das zwanzig Meilen nordwestlich gelegene St. Martin.

Vor der holländischen Hauptstadt Phillipsburg im Süden liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Wir segeln vorbei am stark belebten Flughafen im Südwesten, kommen in den französichen Teil der Insel im Norden und erreichen nach wenigen Meilen Marigot Bay. Hunderte Boote liegen in der weiten Bucht vor dem Städtchen Marigot. Wir ankern in der letzten Reihe, ein recht welliger Platz, dafür können wir aber ungeniert textilfrei schwimmen und duschen. Von der Badeluke aus beobachten wir einen großen Barrakuda, der Felix als Unterschlupf gewählt hat und uns neugierig im Auge behält.

Eine ganze Woche sind wir schon hier und bereiten uns vor für die gut 2000 Meilen  zu den Azoren. Den richtigen Tag für den Absprung zu finden ist nicht einfach. Wir erklimmen Fort Louis, das einen grandiosen Ausblick über Stadt und Bucht bietet.073 Marigot Bay

072 Fort Louis

In einem der kleinen Restaurants im Ort lassen wir uns zu "Lambi Creole" verleiten. Die Conchschnecken mit Sauce und Bohnenreis schmecken ausgezeichnet, sind allerdings an manchen Teilen der Karibik schon stark gefährdet. Am 5.5. sind wir zu Kaffee und Kuchen bei unseren Freunden Pit und Berti eingeladen und feiern den Geburtstag von Thomas, der mit Sonja und Keanu gerade im Südpazifik von den Osterinseln zu den Gambiers segelt.

075 Prost Thomas

Minibusse sind das Transportmittel auf der Insel. Zwei US Dollar pro Person bezahlen wir nach Phillipsburg. Völlig ungerührt von den überfüllten Straßen bringt uns der Fahrer in einer knappen Stunde die 10 Kilometer vom französischen Teil im Norden in den holländischen Teil im Süden. Leider ziehen bald schwarze Wolken auf mit unangenehmem Dauerregen. Fröstelnd schlendern wir durch die Einkaufsstraße, wo sich Juwelier an Juwelier reiht, lauernd auf einkaufswütige Passagiere von Kreuzfahrtschiffen.

074 Phillipsburg Sint Mart

Nach dem eher durchschnittlichen Mittagessen sorgt ein mit breitem Lächeln servierter, duftender Kaffee dafür, dass dieser Tag nicht ganz ins Wasser fällt. 

Taeglich checken wir die Wetterprognose, die sich immer wieder aendert. Flaute, Regen, wechselnde Winde...so verschieben wir auch den Tag fuer die Abfahrt von Sonntag auf Dienstag und wie es momentan ausschaut auf Samstag, den 13. Mai. Wir sind jedenfalls bereit, muessen nur noch den Super U auf Saint Martin pluendern, um frisches Obst und Gemuese zu bunkern. Auf See gibt es nur Textberichte, Bilder kann ich leider zur Zeit ueber Kurzwelle nicht hochladen.

Zum 30. mal wird heuer die Antigua Classic Yacht Regatta veranstaltet. In English- und Falmouth Harbour liegen auf Hochglanz polierte, wunderschöne alte Boote, eine echte Augenweide.

057 Shamrock

 

058 Classic Steuer

Wir schlendern gemeinsam mit Ute und Günther von SY Y-Not am Hafen entlang und beobachten später die stolzen Schiffe unter Segel bei der Regatta. Nun sind wir doch froh, dass wir noch länger in Antigua geblieben sind. Beim Anblick der vielen Hände, die notwendig sind, um Segel zu setzen und die Boote zu pflegen fühlen wir uns in alte Zeiten zurückversetzt. Als wir mit Felix von Falmouth Harbour auslaufen, ist die Regatta noch voll im Gange. Hautnah sind wir dabei und passen höllisch auf, niemandem in die Quere zu kommen.059 Classic Regatta

060 Classic Lage

061 Classic zwei

062 Classic mit Felsen

063 Columbia

Antigua hat angeblich 365 Sandstrände. Ihre Schwester Barbuda hat nur EINEN, aber der geht dafür rundherum. Zum Unterschied zu den südlich gelegenen, vulkanischen Karibikinseln ist die höchste Erhebung auf Barbuda ganze 34 m hoch, daher ist es bei der Ansteuerung nur wenige Meilen weit zu sehen. Wir navigieren sehr vorsichtig zwischen den vielen Riffen im Süden hindurch und ankern auf 2,2 m Wassertiefe in der weiten Gravenor Bay. Die vom Boot aus gesehen bösen, schwarzen Flecken im seichten Wasser sind voll mit Korallen und bunten Fischen, sodass wir mehrmals mit Schnorchel und Flossen auf lohnende Entdeckungsreise gehen.

Wenige Meilen vorbei an Coco Point lassen wir den Anker vor der Coco Point Lodge in türkisfarbenes Wasser fallen. Das Resort hat bereits zugemacht, die Saison ist vorbei. So haben wir den Strand für uns alleine, abgesehen von ein paar Seglern, die ebenfalls die unglaubliche Ruhe hier genießen.

069 off Season

Der 11-Miles-Beach an der Westküste von Barbuda bietet das gleiche Bild. Sogar in der Nacht leuchtet der blendend helle Strand, der am Tag durch viele kleine Muscheln rosa gefärbt ist.064 11 miles Beach

Nachdem wir unsere Kanus über den feinen Sand hinaufziehen, erstreckt sich vor uns die riesige Codrington Lagune. Starker Wind von Osten peitscht das Wasser auf. Angesichts der Schaumkronen beschließen wir, die Hauptstadt Codrington doch mit dem Wassertaxi zu erobern. 065 Barbuda Beach

Gemeinsam mit Pit und Berti, die mit ihrem 62 Fuß Wharram Katamaran Largyalo neben uns ankern, überqueren wir die 1 1/2 Meilen breite Lagune. Das Städtchen ist eher ein verträumtes Nest. Sehr hilfsbereit bekommen wir Auskunft, wo sich Customs und Immigration befinden. Am Samstag Nachmittag sind beide Büros natürlich geschlossen. Also genehmigen wir uns ein kühles Bier in einer rustikalen Bar und bunkern am Straßenstand und im kleinen Supermarkt noch Obst und Gemüse. 067 Codrington Lagoon

Wie vereinbart wartet unser Fährmann am Steg und bringt uns wieder wohlbehalten zurück.

Gegen den Uhrzeigersinn umrunden wir Antigua. Von blau bis türkis färbt sich das Wasser bei Green Island, wo wir wiederum geschützt hinter einem Riff liegen. Allerdings sind wir hier nicht alleine. Bis fast auf Tuchfühlung ankert sich eine Gruppe Schweden neben Felix, was unsere Begeisterung  etwas trübt.

 050 Green Island

Der North Sound im Nordosten von Antigua ist mit Riffen gespickt. Das sorgt zwar für schöne Wasserfarben, verlangt aber auch große Aufmerksamkeit. Bei gutem Licht und hohem Sonnenstand sind die Untiefen leicht zu erkennen. Wir ankern vor der Nobelinsel Long Island und möchten am Palmsonntag gerne im Hotelresort zu Mittag essen. Mit dem Dingi am Steg anzulegen wird uns nicht gestattet, nur den Sandstrand dürfen wir betreten. Wir werden zum Empfang begleitet, wo uns der Appetit schnell vergeht. 150,- US$ pro Person plus Steuern und Servicegebühr ist uns der Spaß nicht wert, da kochen wir lieber selbst. Im nahegelegenen Parham wollen wir unsere Vorräte auffüllen. Außer einem kleinen Geschäft mit sehr spärlichem Angebot gibt es aber in diesem armseligen Ort rein gar nichts. "Vor vielen Monden war hier noch ein Markt", erklärt mir eine Frau, aber die alten Leute sind gestorben und heute fahren die Bewohner von Parham mit dem Bus in die Hauptstadt St. John´s. Der Unterschied zwischen Touristenorten und gewöhnlichen Siedlungen ist unglaublich. 051 Parham

Great Bird Island ist nur einen Katzensprung entfernt. Wir erklimmen die Insel, die zwar nicht hoch ist, trotzdem aber einen grandiosen Ausblick über die umliegenden kleinen Eilande bietet.054 Great Bird Island Die zierlichen Tropikbirds brüten gerade und flattern aufgeregt um uns herum. Keine Angst, wir wollen nicht stören und gehen nicht bis zu euren Nestern. Beim Schnorcheln zwischen den schönen Korallenblöcken und Fächern finden wir sehr zutrauliche Fische, die wahrscheinlich von den Guides auf den Ausflugsbooten angefüttert werden.058 Schnorcheln Great Bird

Nach einer beeindruckenden Vollmondnacht lichten wir den Anker und werden von einem Squall überrascht. Bei strömendem Regen und Windböen ist die Sicht gleich null. Trotz GPS und elektronischen Seekarten ist uns das zwischen den Riffen nicht geheuer. Wir folgen unserem Track zurück nach Long Island, lassen nochmals den Anker fallen und warten, bis der Spuk vorüber ist.

Unter Motor mit zeitweise gesetzter Genua schippern wir entlang der Nordküste. Sandstrände, Resorts und schöne Villen sind zu erkennen. Eine relativ schmale, seichte Einfahrt führt nach 11 Meilen in den Hafen von St. John´s. Für die Fracht- und Kreuzfahrtschiffe wurde eine Fahrtrinne ausgebaggert. Das Wasser wird trüb und grün. Wir suchen uns einen Ankerplatz außerhalb des Hafens und fahren mit dem Dingi in die Stadt. Ein junger Mann nimmt uns in Empfang, zeigt uns einen Ausweis und eine Liste und bittet um eine Spende für hilfsbedürftige Jugendliche. Natürlich geben wir ihm ein paar EC Dollars und unterhalten uns noch einige Zeit mit ihm. "Woher kommt ihr?" Ah, Österreich, da möchte ich mitkommen. Ich gehe im Scherz darauf ein. Er meint es aber ernst und will wisssen, wie er mit uns in Kontakt bleiben kann. Leider muss ich ihn enttäuschen. 052 alte Kirche verfallen

053 Kreuzfahrtschiff

Die Stadt bietet wieder ein zweigeteiltes Bild. Am Weg zum Markt fallen wir beinahe in offene Kanalschächte und müssen uns wegen des Gestanks die Nase zuhalten. Die von weitem sichtbare alte Kirche ist geschlossen und verfallen. Nicht weit davon liegt ein Kreuzfahrtschiff am liebevoll renovierten Redcliffe Quay, wo sich edle Boutiquen und Schmuckgeschäfte aneinanderreihen.

Die Osterfeiertage verbringen wir in Jolly Harbour, dem Seglerzentrum von Antigua. Der Ankerplatz ist gut gefüllt, die Marina bietet viel Platz für alle, die gerne ohne Beiboot an Land gehen wollen und daneben ist eine große Siedlung mit privaten Ferienhäusern inclusive Bootsanlegesteg. Zur Happy Hour treffen wir alte Bekannte und fürs leibliche Wohl ist ebenfalls bestens gesorgt. 

057 Osternest

Wir wünschen allen unseren treuen Lesern, Freunden, Bekannten und Verwandten

ein FROHES OSTERFEST in gemütlicher Runde!

Alois und Sonja          

Mit wechselnden Winden aus Nordost bis Südost ziehen wir entlang der Leewardinseln nordwärts. Noch sind unsere Etappen recht angenehm in einigen Stunden zu bewältigen. Erst Anfang bis Mitte Mai planen wir den Absprung über den Atlantik mit Kurs über die Azoren nach Europa.

Wir machen uns keine zu großen Hoffnungen mehr auf einsame Buchten. Frühling in der Karibik ist wie Hochsommer in der Adria - sagt man.

Auf den Saintes, einer Inselgruppe südlich von Guadeloupe, sind die Ankerbojen vor dem Städtchen le Bourg heiß begehrt. 043 Le Bourg Saintes

044 Pain du Sucre

Anstatt dafür 13,- Euro pro Tag zu zahlen, lassen wir lieber 70m Kette rausrasseln und ankern auf 22m Wassertiefe hinter dem auffälligen runden Felsen "Pain du Sucre". Hier ist es ziemlich ruhig, nur ein übereifriger Hahn lässt Tag und Nacht sein Kikeriki erschallen. Mit dem Dingi ist es nicht weit in die Stadt zum Flanieren zwischen Restaurants, Cafes und Souvenirläden. Eine schweißtreibende Wanderung über Stock und Stein auf den "Le Chameau" belohnt uns mit einem traumhaften Ausblick über die Inseln der Heiligen.

In Gouadeloupe steuern wir Pigeon Island an, das sich als "Cousteau Reserve" einen Namen gemacht hat. Wir ankern aber wieder nicht in der großen Seglermasse, sondern finden südlich davon vor dem Städtchen Bouillante einen Platz für uns alleine.

045 Guadeloupe Bouillante

Relativ früh am Morgen packen wir unsere Schnorchelausrüstung ins Dingi und machen an einer Boje vor den zwei Inselchen fest. Korallenfächer, Korbschwämme, bunte Fische in allen Größen und auch ganz ansehnliche Steinkorallen erwarten uns unter Wasser. Es ist sicher lobenswert, wenn manche Meeresabschnitte besonders geschützt werden. Ab dem späten Vormittag fallen Ausflugsboote mit Tauchern und Schnorchlern ein, worauf wir uns zurückziehen zu unserem schwimmenden Heim.

Die große Bucht vor Deshaies (Déhé) im Nordwesten von Guadeloupe gleicht mit hunderten Masten ebenfalls einer übervollen Marina. Ziemlich weit draußen fällt unser Anker, wir lassen das Dingi zu Wasser und fahren in den Ort. Der von weitem sichtbare Kirchturm erinnert uns an daheim.046 Guadeloupe Deshaies

Eigentlich sind wir nur zum Ausklarieren hierhergekommen, was an einem Computer im Souvenirladen schnell erledigt ist. Ein Spaziergang führt uns zu einem langen Sandstrand und Mangrovengebiet im Norden der Stadt. Zurück plagen wir uns wieder einmal über einen immerhin 200m hohen Berg auf steinigem Gelände. So bleiben unsere Wadenmuskeln in Form und das Eis im gemütlichen Lokal am Hafen schmeckt doppelt so gut.

Kurz nach Sonnenaufgang lichten wir am 1. April den Anker. Bei 15-20 Knoten Wind aus Ost steuern wir bereits zu Mittag nach 42 Meilen die Südküste von Antigua an. In die English Bay einzulaufen ist ein beeindruckendes Erlebnis, lese ich im Segelhandbuch. Ich frage mich, warum, nachdem in einer weiten Bucht unser Anker gefallen ist. Erst nach dem Mittagessen kommen wir dahinter, dass wir in der Falmouth Bay liegen. Das kann ja nicht sein! Anker auf, wir motoren gut zwei Meilen nach Ost und laufen jetzt wirklich zwischen Fort Berkeley an steuerbord und den Pillars of Hercules an backbord in die altehrwürdige English Bay ein. Wir passieren Nelson´s Dockyard, bestaunen klassische Segelyachten, die sich schon für die "Antigua Classic Yacht Regatta" Mitte April rüsten und finden nirgendwo einen Platz für Felix. Also versuchen wir unser Glück in der Freeman Bay am Eingang der Bucht, wo wir gerade noch zwischen den vielen Ankerliegern unterkommen.048 Antigua English Harbou

Nachdem wir genug haben von britischer Nostalgie in wunderbar renovierten alten Gebäuden zum Gedenken an Admiral Nelson, ziehen wir weiter nach Osten und finden schon nach 4 Meilen hinter einem schützenden Riff eine riesige Bucht für uns alleine. Kein Menschenseele weit und breit, nicht einmal ein Hahn kräht. Da akzeptieren wir sogar gerne die langsame Internetverbindung. Alle Neune gibt es eben nur selten.049 Antigua Willoughby Bay

Ganz neu ist uns der karibische Inselbogen nicht, doch sind seit unserem letzen Besuch immerhin 9 Jahre vergangen. Die ersten 120 Meilen bis Union Island machen mir wie gewohnt ziemlich zu schaffen. Käpt´n Alois läßt mich sogar die Nacht durchschlafen, weil ich so schlapp bin. Wir ankern nach 24 Stunden welliger Überfahrt vor dem kleinen Ort Clifton. Der Mastenwald am Ankerplatz ist dichter geworden, ansonsten macht die Insel den gleichen freundlichen und relaxten Eindruck wie damals. Das Einklarieren für St. Vincent und die Grenadinen am Flughafen läuft immer noch mit einer Gelassenheit ab, die kaum zu beschreiben ist. Wir segeln daraufhin gleich 5 Meilen raus zu den Tobago Cays und ankern nahe am Horseshoe Reef, um nicht von den Massen der unförmigen Charterkatamarans umgeben zu sein. Schön ist es hier! Vor uns die Brandung am Riff, rundherum blaues, klares Wasser.

.035 Baguette wird geliefert

036 Schnorcheln

Die Unterwasserwelt schaut leider etwas mitgenommen aus, dafür wird frühmorgens frisches Baguette geliefert.

Mit gutem Wind aus Ost bis Nordost segeln wir weiter nach Bequia und ankern in der riesigen Admiralty Bay vor Port Elisabeth. Der Obstmarkt, die T-Shirt Verkäufer, ein altbekanntes Bild.037 Bequia Landgang

Im "Gingerbread" genehmigen wir uns einen ausgesprochen guten Kaffee und verbringen den Abend bei Christian, Sarah und Sohn Mika aus Deutschland auf  einer Fountaine Pajot Casamance. Die beiden haben uns vor einigen Monaten über e-mail kontaktiert und waren neugierig über unsere Erfahrungen mit diesem Boot. Kaum zu glauben, dass wir hier in Bequia zufällig neben ihnen vor Anker gehen.

Auf St. Vincent machen wir Halt in einer recht abgelegenen Bucht vor dem kleinen Ort Chateaubelair. Sofort sind wir umringt von Kindern auf einfachen Holzkanus, die uns um Cola und Kekse anbetteln.038 Chateaubelair

039 Kinder wollen Keks und

Ein junger Mann mit einem Kanu stellt uns alle möglichen Fragen, die ihn nicht wirklich etwas angehen. Schließlich paddelt noch John auf einem mit Schnüren zusammengehaltenen Surfbrett zu uns und erzählt Schauergeschichten von schlechten Menschen und Überfällen. Vorsorglich versperren wir Luken und Tür besonders sorgfältig und lassen das Licht brennen. Es wird aber eine ruhige Nacht ohne ungebetenen Besuch.

Die Erinnerung an Martinique hat einen bitteren Beigeschmack. Hier haben wir das einzige mal vor 9 Jahren wirklich schlechte Erfahrungen gemacht. Durch eine Luke zwischen den  Rümpfen ist am helllichten Tag jemand eingestiegen und hat uns um Laptop, Fotoapparat und was er sonst noch brauchen konnte erleichtert. Diesmal verläuft unser Aufenthalt aber recht angenehm. In Le Marin, dem Seglerzentrum im Süden, staunen wir über die Unmengen von Charterbooten in der neuen Marina. Zwei Nächte verbringen wir in der ruhigen Bucht vor Petit Anse Arlet im Südwesten der Insel und ankern schließlich vor St. Pierre, das 1902 vom Vulkan Peleé vollkommen zerstört wurde und den Anschein erweckt, als wäre es gestern gewesen.040 St. Pierre

Dominica ist die erste Insel der Leeward Islands und die letzte, die wir bereits kennen. Der Bootsboy "Mango" wartet, bis wir fertig geankert haben, um uns gleich darauf eine Tour am Indian River anzubieten. Danke, da waren wir schon. Damit gibt er sich zufrieden und versucht sein Glück beim nächsten Boot. Wir machen uns heute nach dem Frühstück mit unseren Kajaks auf den Weg. Die Nationalparkgebühr für den Fluss bezahlen wir natürlich, aber von den unfreundlichen Worten des Parkwächters lassen wir uns nicht einschüchtern. Wenn irgendwas passiert, dürfen wir ihn nicht verantwortlich machen und außerdem bringen wir die Boys um ihr Geschäft. Tut uns echt leid. Wir genießen die ruhige Stimmung am Fluss, die Bwa wang trees mit ihren ausladenden Wurzeln und das Gezwitscher der Vögel.041 Bwa mang tree

042 Indian River

Am Freitag legen wir am Zolldock in Chaguaramas an, klarieren bei Customs und Immigration aus, gehen im Cafe del Mare in CrewsInn genüsslich Mittagessen und verprassen im Massy Store unsere letzten Trinidad und Tobago Dollars.033 Felix an der Zollmole

15 Uhr geben wir an als Abfahrtszeit, tatsächlich motoren wir entgegen der Vorschriften nochmals in die Turtle Bay auf Monos Island, um auf günstiges Wetter zu warten. Am Samstag füllt sich unsere zuvor einsame Bucht mit Tagesgästen.033 Felix vor Anker

034 Kokosnuesse

Ich paddle zum Strand und komme vollbeladen mit Kokosnüssen zurück. Frisch geknackt schmecken sie herrlich, sind aber schwer verdaulich und ich habe nicht erst einmal viel zu viel davon gegessen. Als am Abend der Mond die Bucht beleuchtet, sind wir wieder beinahe allein.

Morgen Sonntag brechen wir auf Richtung Norden und steuern das 120 Meilen entfernte Union Island an. Wir machen also eine Nachtfahrt bei Vollmond und wollen am Montag Vormittag ankommen.     

Für die letzten Einkäufe in der West Mall nehmen wir uns einen Leihwagen. Wir haben für die kommenden Monate jede Menge an haltbaren Lebensmitteln und Getränken gebunkert. Auch vom Freshmarket schleppen wir noch Ananas, Papaya, Kraut, Kartoffel und viele andere Vitamine an. Damit sollten wir einige Zeit auskommen. 

Am Wochenende erkunden wir den Norden von Trinidad. Nach einer kleinen Wanderung zum Blue Basin Waterfall bei Diego Martin fahren wir mit unserem etwas klapprigen Mietauto über kurvige, schmale Bergstraßen zur beliebten Maracas Bay. Ein kräftiger Nordostwind pfeift durch die hohen Palmen und die Brandung donnert an den flachen, langen Sandstrand. Anstatt des für Maracas üblichen "Bake and Shark" ersetzen wir den Hai im frischgebackenen Weckerl durch Käse und Salat, was ebenfalls sehr lecker schmeckt.

 

025 Maracas Bay

026 Nationalgericht

Entlang des Highways fahren wir am Sonntag durch Port of Spain und weiter bis Arima. Dort biegen wir ab ins Arima Valley und kommen auf einer recht abenteuerlichen Straße zum Asa Wright Nature Center. In diesem wunderbar ruhigen, altehrwürdigen Anwesen haben wir schon 2008 zwei unvergessliche Tage verbracht. Ein Häferl Kaffee auf der Veranda mit Blick über das weite, grüne Tal ist eine willkommene Abwechslung zur ewigen Musikbeschallung rund um Chaguaramas.027 Arima Valley

Dabei beobachten wir winzige Kolibris, die um die Wasserhäuschen flattern und unzählige bunte Vöglein, die zu den Futterständen kommen. Bei einem Waldspaziergang lauschen wir dem Ruf des Bellbirds hoch in den Baumkronen, entdecken viele kleine white-bearded Mannakin und bewundern die herrlichen Blüten ringsherum. 028 Kolibri

029 hawaiian Ginger

Heute ist der große Tag, an dem Felix endlich wieder ins Wasser kommt. Für 13 Uhr haben wir den Kran bestellt. Zwei starke Gurte werden um die Rümpfe gelegt. Lois streicht noch das Antifouling nach, wo unser Boot aufgebockt war, und schon schwebt Felix in Richtung Kranbecken davon.030 am Kran

031 schwebt zum Kranbecken

032 Kiele im Wasser

Bald berühren die Kiele das Wasser, Felix schwimmt! Wir steigen an Bord, starten die Motoren und verlassen die Marina. "Many Thanks and good bye!" Kurz winken wir der altbekannten Krantruppe zu und steuern mit einem befreiten Gefühl die drei Meilen entfernte Turtle Bay auf Monos Island an. Nach fast genau einem Jahr mache ich den Anker klar. "Plopp" fällt er auf 14 Meter und die Kette rasselt hinterher. Ist das herrlich! Alleine in der Bucht, Vogelgezwitscher, ruhiges Plätschern und sonst nichts. Nach einer ersten Runde schwimmen im beinahe 30 Grad warmen, grünen Wasser genießen wir das leichte Schaukeln an Bord. Eindeutig besser als an Land, unsere Seglerwelt ist wieder in Ordnung.              

Das müssen wir uns geben, wo wir gerade zur richtigen Zeit hier sind. Also buchen wir bei Jesse James den Bustransfer um 6 Uhr früh nach Port of Spain, um sicher auf der Tribüne noch einen Platz zu ergattern. Von der ersten Reihe aus harren wir der Dinge...nach zwei Stunden schlendern die ersten aktiven Teilnehmer vorbei, mit müdem Gesichtsausdruck und dem Kopfschmuck in der Hand. Der Karneval dauert schon die ganze Woche und zeigt seine Spuren.

  022 der Fotograf

Schließlich kommt der erste Truck und mit ihm größere Gruppen. Aus den Boxen dröhnt ohrenbetäubende Musik, die unsere Magengrube zum Vibrieren bringt. Den Song kennen wir schon, ein echter Ohrwurm, der heuer das Rennen als Karnevalshit gewonnen hat. Am Vormittag verlassen wir unsere Sitzplätze und mischen uns unter die Menge. Getränkestände, Fressbuden, viele Securityleute und Polizisten säumen die Straße. Port of Spain ist wahrscheinlich nie so gut bewacht, wie gerade zur Karnevalszeit. 014 Karneval1

015 Karneval4016 Karneval5017 Karneval11

Immer wieder läßt uns ein Wolkenbruch unter einem Dachvorsprung Schutz suchen. Die Stimmung der zum Teil sehr spärlich bekleideten Maskierten wird immer ausgelassener mit steigendem Alkoholspiegel. Von den unzähligen Trucks überschlägt sich die Musik, die eigentlich nicht mehr als solche zu erkennen ist. Besonders im sonst ruhigen Queenspark Savannah herrscht ein Lärmpegel, der für uns als Zaungäste kaum mehr zu ertragen ist.018 Karneval3019 Karneval2020 Karneval6021 Karneval8

Unsere Rettung ist das weit und breit einzige gute Cafe, in dem wir uns für mindestens zwei Stunden ausklinken. Danach schlendern wir durch die tanzende Menge auf mit Müll übersäten Straßen und nehmen nach der Ruhepause und einem guten Glas Wein das Treiben schon etwas leichter. Als ich mich umdrehe, erkenne ich Lois beinahe nicht mehr. Ein junger Mann hat ihn dekoriert. "It´s Carnival", meint er zur Erklärung.023 Karneval9024 Karneval10

Jesse empfängt uns um 17 Uhr am Ausgangspunkt. "You guys had a great day?" Ja, ja, natürlich. Ob wir uns so ein "must see" nochmal antun würden, ist allerdings fraglich.

Vorsätze sind da, um gebrochen zu werden. Einer davon heißt, wir machen am Sonntag nur was Spaß macht. Ob das Unterschiff zu primern unbedingt so eine Beschäftigung ist, darüber läßt sich streiten. Jedenfalls wollen wir nicht ewig hier an Land stehen und langsam fertig werden. 010 Antifouling schleifen

Ich habe diese Woche das Antifouling am Rumpf abgschliffen, zuerst trocken, was sich als ziemlich staubig und unangenehm herausgestellt hat und dann doch lieber mit dem Wasserschleifpapier. 012 Kiel reparieren

Lois hat den Backbordkiel aufgeschliffen, weil er an der Unterseite Wasser angesaugt hat und auch nach den langen Monaten an Land immer noch nicht ausgetrocknet war. Danach hat er ihn wieder mit Polyestermatten verschlossen und geschliffen, eine ziemlich unbequeme Arbeit, die er so lange wie möglich aufgeschoben hat. Jetzt ist auch das geschafft! 011 neueVerkleidungenZwischendurch hat Can von Ullman Sails neue Scheibenverkleidungen angepasst. Unsere alten Abdeckungen aus Kroatien haben wir schon so oft nachgenäht und geschrubbt. Nach zehn Jahren gönnen wir Felix und auch uns diese Anschaffung und sind voll begeistert.

013 Grillabend

Die Woche lassen wir bei einem Grillabend in der Power Boat Marina ausklingen. Die Seglerrunde trifft sich zum gemütlichen Plausch. Das hört sich nett an, wäre es auch, wenn nicht die ortsansässige deutsche Gruppe es strikt ablehnen würde, sich mit englischsprachigen Seglern an einen Tisch zu setzen. Kaum zu glauben! Da verschlägt es sogar den krächzenden Papageien die Sprache.009 Papagei  

Wenn die Vöglein ihr Morgenlied anstimmen, stehen auch wir auf. Ein gutes Frühstück auf Felix, der natürlich immer noch aufgebockt ist in der Marina, und schon beginnen wir unser Tagewerk. Diese Woche haben wir schon einiges geschafft und sind recht zufrieden mit uns. Die Halterung der Ankerwinsch, die auf AscensionIsland ausgerissen ist, hat Lois repariert.07 Winschhalterung

Das Steuerbordruder war festgefressen und läßt sich wieder leicht drehen. Neue Batterien haben wir an Bord gehievt und eingebaut. Ich betrachte beim Sonntagsvormittagskaffe meine Hände und Fingernägel, die nach vielen Stunden putzen und polieren auch endlich Pflege verdient haben. Aber Felix glänzt fast wie neu. Auch das Dingi werde ich morgen noch fertig putzen. Unglaublich wie es in dem feuchtwarmen Klima vergammelt ist.05 Dingi vorher nachher

08 putzen und polieren

Heute nehmen wir uns Zeit, von unserem Hochsitz die Vöglein zu beobachten.  Wir haben uns schon gefragt, woher die roten Beeren kommen, die sie so gerne naschen. Das Rätsel ist gelöst.  Vor unserem Boot ist der Hundekäfig der Highsecurity-Zone und die frechen Vögel stibitzen den Wachhunden das Futter.06 stibitzt Hundefutter

001 bei Peakes

Kaum 24 Stunden vergehen zwischen dem Zusperren der Haustür in Österreich bis zu unserer Ankunft in der Peakes Marina in Trinidad. Müde wie wir sind, ist es eine Wohltat, dass wir kurz vor Mitternacht am Securitygate den Zimmerschlüssel bekommen und gleich ins Bett fallen können. Nach zehnmonatiger Abwesenheit haben wir sicherheitshalber ein paar Nächte im Marinahotel reserviert, was sich als sehr gute Entscheidung herausstellt. Von der Obstfrau an der Western Mainroad holen wir uns frische Mangos und Papayas, die märchenhaft gut riechen und schmecken. Danach lassen wir uns im Restaurant mit Omelette, Toast, Schinken und Kaffee verwöhnen, bevor wir gestärkt und ausgeschlafen endlich an Bord von Felix klettern.

002 Room Nr. 5003 Mango und Papaya

Die Abdeckplane hat die lange Zeit super überstanden. Das Cockpit ist ziemlich verdreckt, na ja und beim Blick in den Salon muss ich erst mal tief durchatmen. Eine leichte Schimmelschicht überzieht die Möbel und ungebetene Haustiere haben ihre Spuren hinterlassen. Im Bad, im Schlafzimmer, in der Bilge, fast überall finden wir die kleinen, schwarzen Sch....bemmerl und außerdem haben diese Biester sogar Holzleisten angefressen. Kakerlaken sind eine echte Plage! Viele liegen vertrocknet herum, aber immer wieder streckt uns eine noch recht munter aus einem Winkel ihre Fühler entgegen. Erbarmungslos rücken wir ihnen mit Spray und Klebefallen zu Leibe und haben sie nach einer Woche langsam besiegt. Auch der Schimmel ist abgewischt, Wäsche und Überzüge gewaschen und die Holzleisten geschliffen und neu lackiert. Jetzt können wir uns daranmachen, Lebensmittel zu bunkern, Reparaturen zu erledigen und Felix technisch und optisch aufzubereiten. Zwei bis drei Wochen Arbeit liegen noch vor uns, bevor unser Boot zurück ins Wasser kommt und wir wieder auf große Fahrt gehen können.004 Bunkern

klimaneutral gehostet