Lange haben wir Felix alleine gelassen, aber in den vergangenen Monaten oft an ihn gedacht. Ungewöhnlich heftige Niederschläge sorgen im ganzen Bundesstaat Queensland um die Weihnachtszeit für heftige Überschwemmungen. Auch der Burnett River bei Bundaberg ist davon betroffen. Die Bundaberg Port Marina liegt an der Innenseite einer Flussbiegung nahe der Mündung zum Meer. Die Wassermassen können sich im breiten Flussbecken und in den gegenüberliegenden Mangroven beruhigen. Unsere schweizer Segelfreunde von der „Miami“ verbringen die ganze Zeit auf ihrem Boot in der Marina und informieren uns per e-mail über die aktuelle Lage.

Ostern auf hoher See, auf Bequia in der Karibik, auf San Christobal – Galapagos, in Nelson auf der Suedinsel von Neuseeland und heuer am unendlich langen Sandstrand auf Fraser Island in Australien…wir ziehen weiter um den Globus aber die Tradition auf Felix bleibt gleich. Jedes Jahr färben und bemalen wir Ostereier, sind in Gedanken bei unserer Familie und Freunden daheim und plaudern von alten Zeiten.

Wir wünschen euch allen FROHE OSTERN und ein gemütliches Beisammensein!

Die Crew von Felix

Fraser Island ist mit 124 km Länge und bis 30 km Breite die größte Sandinsel der Welt. Ich hätte endlose Dünen erwartet, tatsächlich hat die Insel zwar herrliche weiße Sandstrände, auf denen wir ewig lange gelaufen sind, ist aber im Inneren von undurchdringlichem Buschwerk überzogen. Immer wieder münden rotbraune Bäche ins Meer, deren Ufer mit Gräsern, Sträuchern und Eukalyptus gesäumt sind. Fröhliches Vogelgezwitscher erfüllt die Luft und ein neugieriger Dingo (Wildhund) begrüßt uns am Strand. Durch Zufall entdecken wir eine Sandstraße, die quer über die Insel führt und uns nach mehreren Kilometern zu einem malerischen See bringt.

In Tagesetappen von 30 bis 70 Seemeilen ziehen wir gegen Norden und hoffen, langsam wieder in wärmere Gegenden zu kommen. Offiziell haben wir am Mittwoch bei Cape Capricorn mit dem 23. Breitengrad den südlichen Wendekreis überschritten und sollten damit zurück in den Tropen sein. Vom alten Leuchtturm am Kap haben wir einen wunderschönen Ausblick über die Küste von Queensland mit ihren zahlreichen Inseln. Weniger begeistert sind wir von den schwarzbraunen Käfern, die angeflogen kommen und sich auf Felix einnisten wollen. Wenn das nur keine Kakerlaken sind! Aber können die eigentlich fliegen?

Fast können wir uns nicht losreißen von South Percy Island. Eine Insel wie aus dem Bilderbuch für uns allein! Der goldgelbe Strand im Norden dekoriert mit schwarzem Gestein, das Inselinnere grasbewachsen mit wenigen Kiefern und Büschen, dazwischen windet sich ein ausgetrockneter Flusslauf durch rote Erde zum Meer. Ausgerüstet mit festem Schuhwerk spazieren wir über die Hügel zum felsigen Südufer, weil wir trotz der Idylle immer an die giftigen Schlangen Australiens denken müssen. Gerne würden wir länger bleiben, doch sagt der Wetterbericht ab Sonntag Wind aus SSE bis dreißig Knoten voraus. Unsere weite Bucht ist gut abgedeckt, Strömungen und Gezeitenunterschiede bis fünf Meter verursachen jedoch gewaltigen Schwell. Es ist Mittwoch. Wir segeln weiter, um bis zum Wochenende in den vielgepriesenen Whitsundays einen geschützten Ankerplatz zu erreichen.

Middle Percy Island ist die einzige bewohnte Insel der Percy Gruppe. Die West Bay erinnert mit ihren Kokospalmen, dem blendend weißen Sand und nur leicht grünlichem Wasser an die Südsee. Eine große Hütte mit spitzem Giebel in der Mitte der Bucht ist bis zum letzten Winkel geschmückt mit Souvenirs vorbeiziehender Yachten. Ein großer Grill, Tisch und Bank und allerlei nützliche Geräte laden zu geselligem Beisammensein ein. Im Gedenken an Andrew Martin, der bis 2008 viele Jahre auf der Insel gelebt und diese Einrichtung gegründet hat, ist jeder Segler aufgefordert, sein Schärflein zur Erhaltung beizutragen.
Unser Wandertrieb führt uns auf einem gut erhaltenen Weg durch Eukalyptuswald und blühende Büsche zu einer Anhöhe mit wunderbarem Ausblick. Nur noch 1 1/2 Meilen sind es zum "Homestead" verspricht eine Tafel, dem alten Wohnhaus, von dem ich gelesen habe. Ein Rascheln lässt uns aufhorchen. "Da, bleib stehn! Känguruhs!" Aus großen Augen mustern sie uns mit skeptischem Blick. Lois ist ganz aufgeregt und versucht schnell, das richtige Objektiv auf seine Kamera zu schrauben. Ich traue mich kaum zu bewegen und beobachte fasziniert diese fremdartigen Tiere, die wir endlich zum ersten mal zu Gesicht bekommen. Ein unvorsichtiges Klicken...und zwei von ihnen hoppeln davon. Doch das dritte ist neugierig und wartet brav, bis der Fotograf seine Bilder hat.


Nach unserem langen Aufenthalt in Österreich stellt sich die Bordroutine langsam wieder ein. Mittlerweile haben wir schon einige flotte und wellige Segeltage hinter uns und abgesehen von der ersten Überfahrt nach Fraser Island habe ich keinerlei Probleme mit Seekrankheit. Felix ist wieder unser Heim, wenn auch die Gedanken oft in der Heimat sind.
Mit Zwischenstopp auf der Insel Scawfell und dem Pflichtbesuch auf der Thomas-Insel mit ihren drei hübschen Sandstränden und dem Inselchen inmitten der Bucht, erreichen wir mit frischem Südostwind den geschützte Ankerplatz Cid Harbour im Westen der Insel Whitsunday.

Am späten Nachmittag gleiten wir um die Nordspitze der Insel und bergen nach 42 äußerst angenehmen Meilen mit südlichem Wind den Spinnaker. In der mit Mangroven, Felsen und Sandstrand gesäumten Bucht im Nordwesten von Orpheus fischen wir uns eine der Bojen, die von der Nationalparkverwaltung bereitgestellt werden, und lassen bei einem perfekten Sundown den Tag ausklingen. Die Sonne blinzelt schon in unsere Kabine, als Lois am Sonntagmorgen für einen Rundumblick die Luke öffnet. "Na so was, alle weg!" Die zehn Boote, mit denen wir uns am Vorabend die Bucht geteilt haben, sind bereits weitergesegelt.

Cairns ist eine nette Stadt, die sich ganz dem Tourismus verschrieben hat. Das "Great Barrier Reef" ist zum Greifen nahe und mit den unzähligen Motorkatamarans und aufgemotzten Segelbooten, vollbeladen mit zahlenden Gästen, in wenigen Stunden zu erreichen. Für die kommenden Tage ist ruhiges Wetter vorausgesagt, daher möchten auch wir die Unterwasserwelt in diesem einzigartigen Revier erkunden. Ohne vorher Informationen einzuholen, trauen wir uns aber nicht ins Wasser. Meine e-mail an eine örtliche Tauchbasis bleibt unbeantwortet. Also rufe ich an und werde kurz angebunden an die "Marine Park Authority" verwiesen. Danke!

Der Windgenerator ist im Dauereinsatz, obwohl wir auf unserem Ankerplatz vor einer Sandzunge inmitten der Flindersgruppe den Südostwind nicht so stark zu spüren bekommen. Seit fast zwei Wochen bläst er um die zwanzig Knoten. Zum Segeln nach Kap York an der Nordspitze Australiens sind Richtung und Stärke ideal, doch aufs Außenriff können wir leider nicht nochmal rausfahren. Bei diesen Bedingungen ist an einen Tauchgang nicht zu denken.

Meterhohe Wellen rollen von hinten heran und rauschen unter uns durch. Felix scheint abwechselnd abzuheben, um gleich darauf tief einzutauchen, wobei nur noch wenig vom Rumpf zu sehen ist. Ich sitze an Deck, halte mich gut fest und beobachte das eindrucksvolle Spiel. Seit dem Morgengrauen sind wir unterwegs von Margaret Bay, haben bei Südostwind mit Spitzen über 30 Knoten nur die Genua gesetzt und werden bei diesem Tempo bestimmt die 70 Meilen zum Escape River bis zum frühen Abend schaffen.
Gestern waren Lyn und Rob bei uns zu Besuch. Unheimlich nett und mitteilsam ist dieses australische Paar, mit dem wir schon auf Flinders Island erste Bekanntschaft gemacht haben. Sie wohnen in Townsville und erkunden seit acht Jahren mit ihrem Motorboot in den Wintermonaten den Küstenabschnitt bis zur Margaret Bay im Norden.

Kaum ein Blatt bewegt sich in den dichten, hohen Mangroven am Ufer des Escape River. Nur die Vöglein zwitschern fröhlich zum Sonnenaufgang. Die unglaubliche Ruhe auf unserem Flussankerplatz ist eine äußerst angenehme Abwechslung zu dem ewigen Windgetöse der vergangenen Wochen. Ein morgendliches Bad verkneifen wir uns gerne, nachdem wir auf einer Sandbank ein ansehnliches Krokodil entdeckt haben. An der Flussmündung betreibt ein australisches Ehepaar seit knapp drei Jahren eine Perlfarm. Überaus herzlich heißen uns Rusty und seine Frau willkommen. Bei Kaffee und Keksen unterhalten wir uns stundenlang über Gott und die Welt.

Wir sind müde. Es ist schon sonderbar, aber eine relativ kurze Überfahrt setzt uns mehr zu, als 3000 Meilen am Pazifik. Den Golf von Carpentaria von Kap York bis Gove werden wir nicht zu den Favoriten unserer Reise einreihen.
Nachdem wir unseren Fuß auf den nördlichsten Punkt Australiens gesetzt haben, machen wir noch Station in der kleinen Ortschaft Seisia an der Nordwestküste der "Cape York Peninsula". Im Supermarkt bunkern wir frische Vitamine und beobachten danach lange das Treiben am großen Bootsanlegesteg. Fast könnte man denken, die Australier werden mit einer Angel in der Hand geboren. Jung und alt fischt mit Begeisterung und bemerkenswerter Ausdauer. Kleine lebende Köderfische werden am Rücken mit dem Haken aufgespießt und sollen größere Brocken anlocken. Wenn dann wirklich einer beißt, ist aber meist das Angelzeug zu schwach und die Leine reißt. Kaum ein ordentlicher Fisch wird an Land gezogen. Im Vergleich dazu sind wir vom Boot aus erfolgreicher. Bisher konnten wir noch jedesmal unseren Speiseplan mit fangfrischer Makrele oder Thunfisch aufbessern, wenn wir Lust darauf hatten.

Am Freitag Abend holen wir über Internetseiten und Grib-Files den Wetterbericht für die kommenden Tage. Es schaut gut aus. Bei 15-20 Knoten aus Ost-Südost sollten die 350 Meilen über den Golf leicht zu schaffen sein. Wieder einmal läutet der Wecker am nächsten Morgen viel zu früh. Anker auf, Kurs 257°, also seit langer Zeit wieder Richtung Westen. Wir setzen den Parasailor und freuen uns auf eine ruhige Überfahrt.
Nach meiner dreistündigen Wache schlüpfe ich um neun Uhr unter die Decke. Das Klatschen der Wellen gegen den Rumpf und die Windgeräusche nehmen zu. Ich schlafe sehr unruhig, gehe schließlich nachschauen. "Bis 28 haben wir schon, aber alles ok," meint Lois. Na gut, wir hoffen der Wind lässt bald nach, ich verziehe mich wieder. Bald höre ich ungewohnte Geräusche. Der Motor läuft. Durch die Luke sehe ich das eingefallene Segel und warte, dass Lois den Kurs korrigiert und es sich wieder aufbläst.... Da stimmt etwas nicht. Ich ziehe mich schnell an. "Er ist zerrissen", erfahre ich von meinem ziemlich deprimierten Käpt´n. 30 Knoten Spitze zeigt der Windmesser, was der Parasailor früher schon einige male unbeschadet überstanden hat. Mehr als 6000 Meilen hat uns das Segel über die Meere gezogen, rechne ich nach. Das Material hat wohl darunter gelitten.
Mit Groß und Genua setzen wir unsere Fahrt fort. Auf Vorwindkurs mit unangenehmer Kreuzsee ist das nicht die beste Lösung, aber momentan haben wir keine andere Wahl. Wir brauchen länger als geplant. In stockdunkler Nacht laufen wir nach drei Tagen in der Bucht von Gove ein und suchen zwischen vielen unbeleuchteten Booten einen ruhigen Ankerplatz.


Unglaublich geschützt liegen wir in der weiten Bucht von Gove. Nach drei bewegten Tagen auf See surrt unser Kopf wie ein Bienenstock. Das riesige Stahlwerk, bei Nacht beleuchtet wie eine Großstadt, wirkt am Tag weit weniger romantisch. Im Nordosten von Arnhemland, das den Aborigines gehört und von Weißen nur mit Genehmigung betreten werden darf, bildet Gove eine Ausnahme. Die reichen Bauxitvorkommen in der leuchtend roten Erde werden hier zu Aluminium verarbeitet.

"Skol! Zum Wohl! Prost!" Heidi und Eivind aus Norwegen mit ihren zwei kleinen Buben, Renate und Dieter aus Deutschland und wir beide sind wohl die letzten Segler, die heuer Richtung Darwin unterwegs sind. Über hundert Yachten sind bereits in der großen Stadt im Norden Australiens eingetroffen, von wo sie mit einer organisierten Rallye nach Indonesien weiterziehen. Wir sind soeben verschwitzt von der Wanderung zum Leuchtturm "Cape Don" zurückgekommen und stoßen zum Sundown mit einem kühlen Bier an. Feuerrot versinkt die Sonne am wolkenlosen Horizont, fast gleichzeitig klettert im Osten der große Vollmond herauf.

Ohne recht zu wissen, wie uns geschieht, sitzen wir schon eine Stunde nach unserer Ankunft im Segelclub Darwin beim großen BBQ der Sail-Indonesia-Rallye. Bel und Bob aus Brasilien schleusen uns ein. So können wir noch einmal mit allen Freunden plaudern, die wir in den vergangenen Monaten getroffen haben, obwohl wir uns in der lauten Menge nicht ganz wohl fühlen.
Zweieinhalb Wochen sind seither vergangen, kaum zu glauben!

1497 km bis Alice Springs ist am Wegzeiger zu lesen, als wir mit unserem gemieteten Mini-Camper Darwin verlassen. Mit reichlich Wasservorrat, einem Reservekanister Benzin und der kleinen Kühlbox gefüllt mit Proviant sind wir gerüstet für die Reise ins Zentrum des südlichen Kontinents. Wir wollen Australien nicht verlassen, ohne die Weite des Landes erlebt zu haben. Rechten Fuß aufs Gaspedal, Blick nach vorne, lenken...kaum. Kilometer um Kilometer schnurrt unser "Max" (heißt wirklich so) über den Stuart Highway. Nach gut zwei Stunden tauchen Polizeiautos auf und ein Uniformierter winkt uns auf einen Parkplatz.

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